Gevelsdorf: Gevelsdorfer Rinderherde ist bald wieder komplett

Gevelsdorf: Gevelsdorfer Rinderherde ist bald wieder komplett

Bis zum 15. März diesen Jahres war der Hof von Monika und Heinz-Gerd Erven gesperrt, die in Gevelsdorf Rinder für die Produktion von hochwertigem Fleisch züchten.

Das taten sie auch vorher, bis die Tiere mit dem Bovinen Herpesvirus Typ 1 (BHV-1) infiziert wurden, die von Züchtern „Rindergrippe“ genannt wird. Dieser Ausdruck klingt harmloser als die Konsequenzen, die die BHV-1-Infektion für die damals gut 100 Köpfe zählende Herde der Eheleute Erven hatte: Da die Tiere lebenslang Träger und damit auch Überträger des Virus‘ sind, das Land NRW aber bestrebt war, die Anerkennung als BHV-1-freie Region zu erlangen, ist letztlich die gesamte Herde nach und nach geschlachtet worden.

Rinderzüchter Heinz-Gerd Erven zeigt eine Mutterkuh mit Kalb, das am Sonntag zur Welt gebracht worden ist. Foto: Wolters

Im Rahmen eines Forschungsprojektes mit dem Fachbereich Agrarwissenschaft der Fachhochschule Südwestfalen in Soest, die unter anderem bei der Desinfektion der Stallungen mit im Boot waren, um ein Wiedereinschleppen von BHV-1 zu verhindern, haben die Eheleute inzwischen mit dem Neuaufbau einer Rinderherde unter wissenschaftlicher Begleitung begonnen.

Heinz-Gerd Erven hat bei befreundeten Züchtern und auf Auktionen eingekauft und wieder einen Bestand von gut 60 Rinder der Fleischrassen Blonde d‘Aquitaine, Limousin, Angus und Piemonteser. Voraussetzung für einen Kauf war jeweils, dass die Verkäufer Papiere vorlegten, die anhand frischer Blutproben bescheinigten, dass keine BHV-1-Infektion vorliegt. Bei einer Nachkontrolle durch das Kreisveterinäramt sind übrigens genau diese Papiere geprüft worden.

Zehn Biorinder

Zuletzt kaufte Erven zehn Biorinder von einem Hof in Niederprüm in der Eifel, deren Besitzer die Tiere regelmäßig in den Wald ausführte. Diese Nähe zu den eigenen Rindviechern bevorzugt auch Hans-Gerd Erven, der mit dem kleinen Bullen, der zu den neuen Tieren gehört, regelmäßig in Gevelsdorf am Strick um die Häuser geht.

Dagegen ist ein wenige Monate altes, zu neugieriges Bullenkalb vor ein paar Tagen drei Meter tief ins Fahrsilo des Nachbarn gestürzt, der zuvor dessen Umzäunung abgelehnt hatte. Das schwer verletzte Tier musste leider eingeschläfert werden.

Der Aufbau der neuen Herde sei noch nicht abgeschlossen, sagt Erven, der den Bestand auf mindestens 40 Mutterkühe aufstocken möchte, die für einen regelmäßigen Nachschub an Kälbern sorgen. Da auch regelmäßig Rinder geschlachtet und per Eigenvermarktung verkauft werden, bleibt die Größe der Herde in etwa konstant.

Außer den eigenen Tieren beherbergt der Züchter noch 25 Pensionsrinder, die Kollegen bei ihm eingestellt haben und die natürlich die gleichen Bedingungen vorfinden wie das eigene Vieh. So hat Erven vor etwa zwei Monaten damit begonnen, das Kraftfutter für die Kälber selbst herzustellen. Dazu werden Weizen, Gerste und die proteinreiche Ackerbohne gemischt und anschließend in einer Mühle geschrotet.

Eine andere Futterpflanze, die der Landwirt selbst anbaut und die regelmäßig auf dem Speiseplan der Kälber steht, ist die Luzerne. Sie wird ausgesät, wächst heran, wird gemäht, welkt an und wird zu Ballen gepresst, die als Futtervorrat dienen. Für die ausgewachsenen Rinder hält Erven reichlich Kartoffeln mit kleinen Fehlern bereit, die er mit einem Radlader in den Stallgassen verteilt, wo rasch die Köpfe der Rinder zu sehen sind, die sich an den Knollen gütlich tun.

„Wir haben nichts zu verbergen“, plant der Züchter künftig einmal im Monat die Einrichtung eines „Tages der offenen Stalltür“ für Stammkunden und solche, die es einmal werden wollen.

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