Gesellschaft Lazarus Strohmanus Jülich vollzieht Generationswechsel

Historische Gesellschaft Jülich: Generationswechsel beim Lazarus Strohmanus

Mit großem Bahnhof feierte die Historische Gesellschaft Lazarus Strohmanus ihr jeckes 29 x 11-jähriges Jubiläum – zum letzten Mal in der vollbesetzten, altehrwürdigen und vor dem Abriss befindlichen Stadthalle.

Einer der Höhepunkte war die offizielle Verleihung der Präsidentenkette an David Ningelgen, Sohn von Heinrich Ningelgen, der 23 Jahre lang Gesicht und Stimme der Historischen Gesellschaft war.

Nun will er aber in seiner ihm eigenen Art nicht offiziell Ehrenpräsident genannt werden. Feierlich legte Senatspräsident Linus Wiederholt die Kette dem neuen Präsidenten um den Hals und betonte, David habe sich als „Primus inter pares“ (Erster unter Gleichen) hervorgetan, keineswegs habe die Familie Ningelgen ein Vorrecht auf das Präsidentenamt. „Et jitt noch vill ze verzälle“, sagte Vorgänger Heinrich Ningelgen. „Wir sind stolz, aber nicht überheblich“, betonte er etwa und rief die Lazarusbrüder dazu auf, „nicht d‘r Molli met sich maache ze lasse“. In geschlossener Formation sangen die Lazarusbrüder auf der Bühne „Allaf Jülich on Strohmanus“ und das Nationallied der Historischen Gesellschaft, in das fast alle Gäste einstimmten.

Ein „schönes Bild“ war die Präsentation aller aktiven Lazarusbrüder auf der Bühne, inklusive der ständig wachsenden Kindergruppe. David Ningelgen zeigte sich bewegt mit Blick auf seinen Vater: „Du hast die Gesellschaft in lebendiger Verfassung übergeben. Mein größter Dank dafür, dass du es geschafft hast, die Gesellschaft auf diesem Niveau zu halten und sogar zu verbessern“.

Alle elf Jahre zum jecken Jubiläum stellt die historische Gesellschaft das Kinderdreigestirn. Obwohl bislang nur designiert, nicht proklamiert, stellte Peter Hintzen, Vorsitzender des Festausschusses Jülicher Kengerzoch, im Beisein des gesamten Festausschusses die Tollitäten vor, die am 15. Januar ausgerufen werden, nämlich Prinz Jan I. (Schlader), Prinzessin Lisa I. (Sussmann) und Bauer Jonas I. (Schlader).

Schirmherr Uwe Willner, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Düren, lobte die Gesellschaft, die in Zeiten Unruhe erzeugender Neuerungen die beruhigende Tradition pflege und Leben und Freude in Jülich und Umgebung verbreite. Ferner überraschte er die Gesellschaft mit einer „Challenge“, daraus bestehend, rote Sparschweine bis Aschermittwoch zu füttern. Die Gesellschaft mit der größten Nähe zur Zielmarke 3190 Euro (Jubiläumsjahr mal zehn), erhält von der Sparkasse eine Spende von ebensolchen 3190 Euro. Erwähnenswert ist das Bühnenbild der Stadthalle, das dank einiger Historiker unter Federführung von Guido von Büren das Erscheinungsbild des ersten Vereinsheims der Gesellschaft Lazarus Strohmanus im 17. Jahrhundert hatte.

Der amtierende Pattühm von Büren hielt im Anschluss eine historisch fundierte Laudatio, die „man selten „auf einer Karnevalsveranstaltung genießen kann“, wie David Ningelgen es ausdrückte – mit einer guten Prise Humor. So entstand das typisch Rheinländische, „das selbstredend für Jülich gilt“, erst im 19. Jahrhundert mit der preußischen Herrschaftsübernahme im Rheinland.

Wie die rheinische Identität in Abgrenzung zu Preußen funktioniert, verdeutlichte der Lobredner mit einer Anekdote aus dem für Preußen so typischen militärischen Bereich. Ein Rheinländer wird in seiner Kompanie wegen seiner Herkunft und seines Dialekts gehänselt. Als sich die Spötter schließlich bei ihm entschuldigen, zeigt sich der Rheinländer „von seiner ordinären Seite, die sich auch gerne mal im Niveau der Witze im Karneval Bahn bricht“ und sagt: „Es jot, dann bruch ich üch och nit mieh en de Kaffe ze pisse...“

In der Zielgeraden seiner Ausführungen ging von Büren auf die personifizierten Jülicher Witzfiguren „Julius“ und „Julia“ ein. Ein Beispiel: „Liebes Kind, sagt Julius, „wenn wir erst verheiratet sind, werde ich alle Sorgen mit dir teilen“. Julia erwidert: „Aber ich habe doch gar keine Sorgen“. Julius: „Ich meine ja auch nur, wenn wir verheiratet sind“. Zum Jubiläum wünschte der Laudator der Gesellschaft „Ad multos annos“, oder schlicht „Jod preck“.

Im weiteren Bühnenprogramm reihte sich Höhepunkt an Höhepunkt. Dazu zählte der „charismatische Ortsvorsteher Hastenraths Will“ alias Christian Macharski, der singende Wirbelwind Roberta Lorenza, die feurigen Tanzensembles „Star Lights“ der KG Rursternchen und das Männerballet „Tanzbienen“ aus Neunkirchen und die Prinzengarde Erkelenz.

Bei der After-Show-Party fungierte Alleinunterhalter Jürgen Derjung bis in die frühen Morgenstunden als Stimmungsmacher.

Die Geehrten für 25 Jahre heißen David Ningelgen und Burkhard Mack, für 40 Jahre Josef Esser, Willi Romes und Karl-Heinz Schmidt.

(ptj)
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