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Aldenhoven: Geschraubt wird im Vereinsheim nicht

Aldenhoven : Geschraubt wird im Vereinsheim nicht

Außen strahlte die ehemalige Gärtnerei im neuen Glanz, drinnen saßen zweierlei Menschen - solche im Vereinsoutfit und solche ohne.

Der Motorradclub „Gremium” hatte zum Tag der offenen Tür geladen und Nachbarn und Neugierige waren gekommen.

Anfang Oktober hatten die Motorradfreunde das Anwesen in der Blumenstraße gemietet. Sofort hatte sich Widerstand in der Nachbarschaft geregt. Polizei und Kommune betraten die Szene - und verließen sie wieder. Erst in der vergangenen Woche hatten die Biker das Ordnungsamt im Haus.

Dabei gehört der Klub zu einer Vereinigung begeisterter Motorradfahrer, die seit 1972 in Deutschland und dem europäischen Ausland existiert. 45 Klubs (Chapter) gibt es in der Bundesrepublik, einer davon hat in Aldenhoven sein Zuhause gefunden.

Um sich vorzustellen, veranstalteten die Mitglieder den Nachmittag der Begegnung. Das Haus hatten die fünfzehn Fahrer in Eigenleistung renoviert. Der Garten war aufgeräumt und das ehemalige Gewächshaus gesäubert. Auf der Theke standen selbst gebackene Kuchen, ein Feuer knisterte im Kamin, die Gäste fühlten sich sichtlich wohl. Etwa 30 waren gekommen, die Kontaktaufnahme hatte geklappt.

Ingeborg Mühlstein saß zufrieden vor Kaffee und Kuchen. Die 81-jährige schätzt ihre neuen Nachbarn sehr und kann die Verdächtigungen anderer nicht verstehen: „die spinnen ja”. Jahrelang musste sie den Verfall der Gärtnerei, in der ihr Sohn seine Lehre gemacht hatte, mit ansehen. Jetzt lobte sie den aufgeräumten Garten und die freundlichen Männer. Ihre Untermieterin nickte bei ihren Worten heftig.

„Natürlich gibt es bei Motorradfahrern schwarze Schafe”, gesteht Präsident Horst Rottzoll freimütig. „Aber die gibt es überall, und meine Kuttenträger habe ich im Griff”. Die Vereinsweste wird umgangssprachlich „Kutte” genannt.

Der 43-jährige weiß um die Verdächtigungen und Vorurteile. Aber bei „Gremium” gehen alle Mitglieder einer geregelten Arbeit nach, ob als Rechtsanwalt oder Dachdecker. Nur die Freizeit widmen die Familienväter mit ihren Familien dem Hobby. „Im Grunde sind wir ein Verein wie Kegler oder Philatelisten”, unterstreicht Vize Frank Thelen, „nur wir haben eben Motorräder”. Hinter der etwas martialisch wirkenden Kluft verbirgt sich ein Verein mit Hierarchien, Aufnahmestatuten und geselligem Beisammensein.

Früher wurde die Blumenstraße in der Bevölkerung „Klavierstraße” genannt. Viele der Anwohner hatten ein solches Instrument. Heute bleibt zu hoffen, dass zukünftig dort wieder mehr Töne in Dur denn in Moll erklingen.