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Geschichte der Landräte ist die des Kreises

Geschichte der Landräte ist die des Kreises

Kreis Düren. Der Dürener Historiker Dr. Horst Wallraff ist sich treu geblieben.

Sein neues Buch „Vom preußischen Verwaltungsbeamten zum Manager des Kreises” porträtiert die 46 Landräte und Oberkreisdirektoren in den Kreisen Düren und Jülich von 1816 bis heute so akribisch und wissenschaftlich fundiert, dass das neue Werk seiner viel gepriesenen Dissertation über die NS-Zeit an der Rur in nichts nachsteht.

Gut drei Jahre hat Wallraff Quellen recherchiert, Zeitzeugen interviewt und geschrieben. Herausgekommen ist ein 450-seitiges Werk, das weit mehr leistet, als die hiesigen Landräte (und eine Oberkreisdirektorin) seit dem Wiener Kongress zu porträtieren.

Personen im Kontext

„Wir haben es hier mit einer wahren Kreisgeschichte zu tun, denn die handelnden Personen werden jeweils im historischen Kontext betrachtet”, würdigte Bernd Hahne, Verleger und selbst Historiker, das neue Buch, das am Dienstag im Kreishaus vorgestellt wurde. Für den Kreis Düren, den Herausgeber, würdigte Kreisdirektor Georg Beyß die dreijährige „Knochenarbeit” Wallraffs: „Als Arbeitskreismitglied habe ich das Werk Wort für Wort gelesen: Es ist hervorragend gelungen!”

Den Anstoß, Leben und Wirken jener Männer zu dokumentieren, die „für alles zuständig sind, was für den Kreis von Bedeutung ist”, lieferte die Kulturausschussvorsitzende Käthe Rolfink. „Wir haben einen Historiker par excellence, dessen Fähigkeiten wir nutzen sollten”, sagte sie sich, nachdem sie Wallraffs Dissertation gelesen hatte. Der Plan, nur herausragende Landräte - etwa den Jülicher Wilhelm Johnen oder die Dürener Emmerich Stürtz oder Johannes Kaptain - zu biographieren, wuchs sich zum grundlegenden Werk aus.

„Das Buch zu schreiben bedeutete, Niemandsland zu betreten”, berichtete der Autor, dass die Historiker die Landräte bislang links hätten liegen lassen und andere Schriften kaum wissenschaftlich fundiert seien.

„Ein Herrgott im Himmel, ein König in Berlin, ein Landrat im Kreise” wird ein nicht bekannter Weiser im Vorwort zitiert: An der Macht- und Aufgabenfülle der Landräte hat sich während des fast 200-jährigen Untersuchungszeitraums kaum etwas geändert.

An Legitimation und Selbstverständnis der Spitzenkräfte um so mehr. Wird Carl von Bülow (1816 bis 1848), der erste im Reigen, noch als preußischer Verwaltungsbeamter und Soldat des Königs charakterisiert, so wird der amtierende Landrat Wolfgang Spelthahn als Manager des Kreises vorgestellt. Unglaublich: Mussten die Landräte bis ins 20. Jahrhundert hinein von Hause aus wohlhabend sein, um es sich leisten zu können, das jämmerlich bezahlte Amt zu übernehmen, so sind sie heute (auch) gut bezahlte Behördenleiter.

„Der Anmerkungsapparat ist der Keller unter dem Gebäude” heißt es in Wallraffs neuem Buch. Der 44-Jährige hat die Fundamente erneut sehr dick gegossen. So ist es alles andere als eine Bettlektüre. Wer sich aber ernsthaft für die Geschichte des Kreises Düren interessiert, erhält für kaum 25 Euro ein äußerst kenntnisreiches Werk, das vom Verlag perfekt ausgestattet wurde.