Aldenhoven: Gesamtschul-Jahrgang 8: Rückruf nach Aldenhoven

Aldenhoven : Gesamtschul-Jahrgang 8: Rückruf nach Aldenhoven

In seiner außerordentlichen und in weiten Teilen emotional geführten Sitzung hat der Aldenhovener Gemeinderat am Donnerstag klare Entscheidungen zur Entwicklung des Schulstandortes Aldenhoven getroffen.

So besteht der Rat darauf, dass die Jahrgangsstufe 8 der Gesamtschule Aldenhoven-Linnich (GAL) ab dem Schuljahr 2019/20 wie geplant in Aldenhoven beschult wird und beauftragte die Verwaltung damit, rechtzeitig Raum für die Beschulung der Klassen 5 bis 8 in Aldenhoven zu schaffen. In der nächsten Ratssitzung sollten dazu entsprechende Möglichkeiten vorgestellt werden. Der Rat behält sich vor, dazu ebenfalls Vorschläge einzubringen. Dem Antrag der Schulkonferenz der GAL zum dauerhaften Verbleib der Jahrgangsstufe 8 am Schulstandort Linnich erteilte der Rat eine klare Absage. Für den Antrag stimmte lediglich Bürgermeister Ralf Claßen, die übrigen Ratsfraktionen komplett dagegen.

Den Beschlüssen vorausgegangen war eine Diskussion, die den erstaunten Eltern deutlich vor Augen führte, wie tief der Riss zwischen Rat und Bürgermeister offenbar ist. Neben verbalen Äußerungen, die teilweise unter die Gürtellinie zielten, offenbarte namentlich FWG-Fraktionsvorsitzender Dieter Froning seine Probleme mit der „Glaubwürdigkeit des Bürgermeisters, die riesig gelitten hat“.

Er kritisierte, dass seit 2016 bekannt sei, dass die Jahrgangsstufe 8 ab Sommer kommenden Jahres in Aldenhoven beschult werden solle, doch „jetzt läuft uns die Zeit davon, um das Raumproblem zu lösen“. Das sei letztlich der Grund gewesen für die Entscheidung, die Stufe 8 für zwei Jahre am Standort Linnich anzusiedeln. Doch nun seien wesentliche Fakten und Bedarfe nicht verfügbar. Fronings Fazit: „Der Gemeinderat hat das Vertrauen in seinen Bürgermeister verloren.“

Dissonanzen hatten sich auch bereits zu Beginn der Sitzung gezeigt, als der Rat die Beanstandung des Ratsbeschlusses vom 14. Dezember 2017 durch den Bürgermeister erörterte. „Wir teilen diese Rechtsauffassung nicht“, gab Georg Krapp (CDU) ein gemeinsames Statement aller Ratsfraktionen zu Protokoll. Der Ratsbeschluss sei keineswegs rechtswidrig zustande gekommen, sagte Krapp.

Er vermutet vielmehr, dass den Juristen des Städte- und Gemeindebundes, die den fraglichen Beschluss im Rahmen des Bürgerbegehrens unter die Lupe genommen haben, bei der Prüfung nicht das gesamte Informationsspektrum zu der Sitzung zur Verfügung stand, wo schutzwürdige Inhalte zur Sprache gekommen seien. So sei etwa über Dienstleister gesprochen worden. Insofern hält Krapp vielmehr die Beanstandung für rechtswidrig.

Um die Angelegenheit nicht unnötig in die Länge zu ziehen, stimmte der Rat einstimmig dafür, die Beanstandung anzunehmen, wodurch der Umzugsbeschluss von Dezember nichtig ist, den übrigens Bürgermeister Ralf Claßen seinerzeit empfohlen hatte. Im Lichte neuer Informationen, die sich im Zuge der Umzugsvorbereitungen ergeben hätten, habe er sich später anders entschieden, begründete der Bürgermeister seine Meinungsänderung.

Mit einem Parforceritt durch die Geschichte der GAL versuchte Claßen später, die Entwicklung einer Schule an zwei Standorten nachzuzeichnen und die diversen Herausforderungen, die damit verbunden waren. So hatte der Rat zwischenzeitlich den Umzug der auslaufenden Käthe-Kollwitz-Realschule vom Gebäude am Pestalozziring zur auslaufenden Hauptschule an der Schwanenstraße beschlossen. In der laufenden Debatte um den Schulstandort Aldenhoven haben sich die beiden Schulen, die im Sommer 2019 ihren Betrieb einstellen, übrigens ebenfalls zu Wort gemeldet: Sie bitten darum, ungestört ihre Abschlüsse ablegen zu können, wie der Bürgermeister berichtete.

Einstimmig zugelassen hat der Gemeinderat, dass Thomas Schneiders, einer der Initiatoren des Bürgerbegehrens, seine Beschwerde gegen den geplanten Umzug von GGS Aldenhoven und GAL persönlich vortrug. Sein Fazit: Das Platzproblem werde nur verschoben und das Wesentliche aus den Augen verloren: „Unsere Kinder.“ Da brandete Beifall in der Aula auf.