Jülich: Gelungenes Konzert: Flüchtlingshilfe in der Schlosskapelle

Jülich: Gelungenes Konzert: Flüchtlingshilfe in der Schlosskapelle

Die Musikerin Susanne Trinkaus und der Rezitator Klaus Kenke boten in ihrer Benefizveranstaltung zugunsten der Flüchtlingshilfe Jülich ein denkwürdiges Programm. Die Cellosuiten von Johann Sebastian Bach wurden satzweise mit den Gedichttexten von Nelly Sachs verbunden.

Musik und Wort ergänzten sich in genialer Form. Susanne Trinkaus musizierte die Suiten in G-Dur, d-moll und C-Dur auf ihrer Viola in wunderbarem Nachempfinden der Reinheit und Klarheit der Bachschen Komposition. Kein Generalbass bildet das Fundament, versteckte und echte Mehrstimmigkeit geben dem Soloinstrument vielfältigste Möglichkeiten der Interpretation und Klangentfaltung bei tenoralem Höhenumfang.

Besonders klangschön interpretierte Susanne Trinkaus jeweils die Préludes, mit tänzerischer Grazie die klassischen Sätze der Suite. Sie strahlte große Spielfreude aus und erreichte einen hohen Grad an kunstvoller Stilisierung.

Zu dem warmen Bratschenton gesellte sich in voller Harmonie die sonore Stimme Klaus Klenkes, der Gedichte von Nelly Sachs zwischen den Sätzen rezitierte.

Nelly Sachs wurde 1891 in Berlin geboren. 1940 konnte sie im letzten Moment ihrer Deportation entfliehen und fand in einer Flüchtlingsunterbringung in Schweden Zuflucht. Ihre Gedichte interpretieren das Schicksal des Volkes Israels mit ergreifender Stärke, sie enthalten Bilder von Schmerz und Tod, sind Todesklage für ihr gequältes Volk.

Herb ist ihre Sprache, doch Elemente von Zartheit machen ihre Gedichte „klagend, anklagend, aber auch verklärend“ wie ihr Biograph W. A. Berendsohn sie beschreibt.

Mit der Verleihung des Deutschen Friedenspreises 1965 und 1966 der Verleihung des Literaturnobelpreises erreichte ihr Werk höchste Anerkennung. 1970 verstarb die Lyrikerin in Stockholm.

Der unverwechselbare Ton ihrer Sprache und die tiefgründige Aussage ihrer Texte ergänzten sich wunderbar mit den Klängen der Bach-Suiten. Die angenehme Stimme des Rezitators und seine Art der Deklamation entsprach dem Wunsch von Nelly Sachs, sie wolle „hinter meinem Werk verschwinden“; sie wünsche sich, „dass man mich gänzlich ausschaltet — nur eine Stimme, ein Seufzer für die, die lauschen wollen.“ (W.A. Berendsohn).

Die Zuhörer in der Schlosskapelle ließen in großer Aufmerksamkeit und Ergriffenheit die Harmonie in Wort und Musik auf sich wirken und bedachten Susanne Trinkaus und Klaus Klenke mit herzlichem Applaus.