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Jülich: Gelungenes Kloster-Musical in der Stadthalle

Jülich : Gelungenes Kloster-Musical in der Stadthalle

Mit dem Musical „Himmel auf Erden” von Wilfried Achterfeld, Peter Zentner, Ronald David und Otto Demler, entstanden nach Vorlage des bekannten Film-Musicals „Sister Act”, begeisterte das Westfälische Landestheater aus Castrop Rauxel jüngst in der Jülicher Stadthalle.

Wegen Baufälligkeit soll ein Kloster mitsamt Klosterschule abgerissen werden und einem Parkhaus weichen.

Um ihr Gotteshaus, die Klosterschule und somit ihre gesamte Existenz durch erbitterten Widerstand zu retten, bleibt Äbtissin Albertina (Ariane Clairmont) mit Schwester Dolinda (Vesna Buljevic), Schwester Petra (Iris Hochberger), Schwester Theresa (Esther Hellmund) und der Novizin Sonja (Sonja Herrmann) vor Ort.

Mit Hilfe des Journalisten Heiter (Andreas Kunz), der in das alte Gemäuer eindringt, um die weltbekannte ehemalige Sängerin und jetzige Novizin, Schwester Sonja, die aus Enttäuschung über seine verratene Liebe ins Kloster eintrat, um Verzeihung zu bitten.

Doch mehr und mehr wird er in die Probleme der Schwestern mit eingebunden, und schließlich rettet er sie aus ihrer ausweglosen Lage durch eine Spenden einbringende Fernsehshow. Eine große Unterstützung sind fünf Klosterschülerinnen, denen der Erhalt ihrer Schule sehr am Herzen liegt - eine interessante Parallele zu regionalen Privatschulen kirchlicher Trägerschaft.

Balanceakt

Dem Musical gelingt der schwierige Balanceakt, eine in unseren Tagen recht aktuelle Problematik auf amüsante Weise darzustellen, ohne dabei religiöse Gefühle Anderer zu verletzen. Augenzwinkernd stellt die in zwei Akten aufgeführte Handlung die Lebenseinstellung der Nonnen dar, in Selbstbeherrschung und Entsagung zu leben, wobei die Versuchung in Form von kulinarischen Genüssen besonders kurz vor der Fastenzeit immer wieder ihre Wege kreuzt.

Auch hat die ehrwürdige Mutter Albertina, die ihre Schwestern mit strenger Hand führt, nach einem durchzechten Abend sichtlich Schwierigkeiten, sich ihre eigenen Versäumnisse einzugestehen, für die sie ihre Herde jedoch zur Verantwortung zieht.

Vollendet wird die Handlung durch die vom Lippe-Saiten-Orchester mit Gitarren, Keyboard und Percussion begleiteten professionellen Gesangs- und Tanzeinlagen. Das klar und rein gesungene „Gegrüßet seist du Königin” verwandelt sich in ein in englischer Sprache leidenschaftlich interpretiertes „Salve Regina” nach Art der schwarzen Pfingstkirchen.

Diese neu entdeckte Freude im Lob des Herrn verhilft den Schwestern wie der Novizin Sonja zu neuem Selbstwertgefühl und schließlich zur Lösung ihrer Probleme.