Titz: Gelungene Integration in der Feuerwehr: Der Gerettete hilft jetzt anderen

Titz: Gelungene Integration in der Feuerwehr: Der Gerettete hilft jetzt anderen

„Das ist ein lebendiges Beispiel für das, was wir uns vorstellen“, bewertete Bundeskanzlerin Angela Merkel die Integration von sechs jungen Flüchtlingen in die Jugendfeuerwehr Berlin-Wedding. Der bei einem Rundgang im Verlauf des neunten Integrationsgipfels am 14. November gemachten Feststellung schloss die Kanzlerin die Hoffnung an: „Vielleicht begeistern sich noch viele Menschen mit und ohne Migrationshintergrund für solche Projekte.“

Höchst­wahrscheinlich wird sie nicht explizit die Freiwillige Feuerwehr der Gemeinde Titz im Blick gehabt haben, aber dort wurde diese Hoffnung in Form der Mitgliedschaft des vor dem IS aus Syrien geflüchteten Basheer Abdalhadi in die Tat umgesetzt.

Raqqa, der Heimatort des 20-Jährigen, ist Anfang 2014 unter die Kontrolle der Terrormiliz geraten. Alle jungen Männer wurden vor die Alternative gestellt, Kämpfer für den IS oder erschossen zu werden. Basheer und seine jüngste Schwester flüchteten zunächst in die Türkei, dann in einem „Gummiboot“ von Izmir nach Lesbos und schließlich über Mazedonien, Serbien, Kroatien, Slowenien und Österreich nach Passau.

Von dort gelangten die beiden Ende des vergangenen Jahres zu einem schon länger in Köln lebenden Freund und schließlich in die Gemeinde Titz. „Wir sind hier total freundlich aufgenommen worden“, berichtet Basheer und erzählt weiter, dass er von einem Nachbarn angesprochen worden sei, doch einfach mal mit zum Feuerwehrtreff zu gehen. Es machte ihm Spaß und da der junge Mann bereits verblüffend gut deutsch spricht, obwohl er die Sprache erst seit einem knappen Jahr lernt, stand einer Aufnahme in die Löschgruppe nichts im Weg.

Seitdem nimmt er an den Übungen teil und versucht so schnell wie möglich, alles zu verstehen. Für Wehrleiter Stephan Giesen ist die Einsatzbereitschaft von Ba­sheer beispielhaft: „Mit dem hier gezeigten guten Willen von beiden Seiten kann Integration sehr gut funktionieren“, sagt er. Aus der Kameradschaft und den Erfahrungen bei der Feuerwehr nimmt der junge Syrer viel in seine Familie mit.

Alle fünf Abdalhadis haben es geschafft, Terror und Krieg zu entkommen. Nach Basheer und seiner Schwester Leen sind die Eltern und die ältere Schwester Maya in Titz angekommen und versuchen, hier ihr Leben neu aufzubauen. Ein Zurück in ihre Heimat, in der ihr Wohnhaus und die Praxis des Vaters, der als Kinderarzt tätig war, zerbombt worden sind, ist fraglich.

Die beiden Mädchen, eines geht aufs Gymnasium Zitadelle, und Basheer, sehen ihre Zukunft in Deutschland. Da sein „Baccalaureat“ aus Syrien hier nicht als Abitur anerkannt wird, möchte Ba­sheer schnellstmöglich so gut deutsch sprechen können, dass er in Deutschland weiter studieren kann.

Man darf sein Bestreben durchaus als hervorragendes Beispiel für das bezeichnen, was der Integrationsgipfel in den Mittelpunkt gehoben hat: Teilhabe und Zugehörigkeit in der Einwanderungsgesellschaft, die nicht mit dem Deutschlernen endet. Die Flüchtlingsfamilie Abdalhadi, der Sohn Basheer, die Freiwillige Feuerwehr Titz, die Helfer des Runden Tischs, die Gemeindeverwaltung, die Nachbarn sind Faktoren und Handelnde zugleich für eine geglückte Integration.

Bürgermeister Jürgen Frantzen schildert kurz, wie sich die Titzer Verwaltung positioniert hat, um das Optimale aus der Situation, die für alle Beteiligten anfangs überraschend kam, organisch wachsen zu lassen. „Wir haben bereits seit den ersten Zuzügen von Asylbewerbern und Kriegsflüchtlingen in die Gemeinde Titz auf eine dezentrale Unterbringung der Menschen geachtet.

Damit wollen wir das Miteinander der Menschen in den dörflichen und nachbarschaftlichen Strukturen fördern. Ich freue mich deshalb, dass es mittlerweile Asylbewerber und Kriegsflüchtlinge gibt, die sich aktiv in die Dorfgemeinschaften und in das Vereinsleben einbringen. Ich danke ihm für seine Bereitschaft, sich für die Gesellschaft unserer Gemeinde zu engagieren. Der Titzer Wehr danke ich sehr für ihre Integrationsfähigkeit und -bereitschaft!“

(jago)