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Geburtsstunde des Gymnasiums Zitadelle liegt in der Renaissance

Jülicher Gymnasium Zitadelle : Die Geburtsstunde liegt in der Renaissance

Im Zentrum der Zitadelle befindet sich heute das Jülicher Gymnasium. Beide Institutionen gehen zurück auf den Renaissance-Gedanken von Herzog Wilhelm V. Bereits im Jahr 1572 wurde in Jülich eine Partikularschule gegründet und damit der Grundstein für das Gymnasium Zitadelle gelegt.

Renaissance ist Italienisch und bedeutet Wiedergeburt. Herzog Wilhelm V., der Mann, der die Zitadelle in Jülich hat bauen lassen, war einer der Mächtigen, die die Römer wiederbeleben wollte. Oder präziser formuliert: Teile der römischen Kultur. Dazu gehörte vor allem die Bildung. Deswegen ist die Renaissance auch die Zeit der Geburt jener Schule, die heute als Gymnasium Zitadelle bekannt ist.

„Die Schule war Teil der Bildungsoffensive, die Wilhelm V. begonnen hat“, sagt der Jülicher Historiker Guido von Büren. 1572 wurde sie als sogenannte Partikularschule gegründet, hauptsächlich, damit die jungen Jülicher Latein lernen. Wiedergeburt, zurück zu den Römern. „Er wollte eine Elite in seinem Herzogtum heranziehen“, beschreibt von Büren. Junge Männer, die Beamte werden oder eine kirchliche Laufbahn einschlagen wollten, sollten nicht nach Köln oder Leuven gehen müssen.

Der „reiche Willi“ habe deswegen sogar den Bau einer Universität in seinem Herzogtum geplant. Ein Professor habe bereits in den Startlöchern gestanden: der berühmte Kartograph Gerhard Mercator. Zur Gründung der Uni ist es nicht gekommen. Aber das Gymnasium Zitadelle hat genau in dieser Bildungsoffensive seine Wurzeln. Die Bildungsreform funktionierte, bis der Jülich-Clevische Erbfolgestreit die Machtverhältnisse nach dem Tod von Wilhelm V. Sohn Johann Wilhelm im Jahr 1609 ins Wanken brachte und die Partikularschule an Ansehen verlor.

Die Jesuiten übernehmen

Später im 17. Jahrhundert siedelte sich der Jesuiten-Orden in Jülich an mit dem Ansinnen, den katholischen Glauben zu festigen angesichts der Auswirkungen der Reformation. Die Jesuiten drängten darauf, ihnen die Obhut über die Schule zu übertragen. Anfänglich umstritten, sollte sich das Handeln der Jesuiten positiv auswirken auf den Schulstandort Jülich. An ihrem Standort am heutigen Marktplatz floriert die Schule.

Der nächste Wachstumsschub erfolgt im 19. Jahrhundert, als der Schule der Status eines Progymnasiums zuerkannt wird. „Für die letzten beiden Schuljahre am Gymnasium mussten viele Jülicher damals beispielsweise nach Düren gehen“, schildert Guido von Büren. Das ändert sich mit einer der prägenden Figuren der Jülicher Schullandschaft, Joseph Kuhl.

Der kommt 1862 nach Jülich und setzt sich in Folge dafür ein, dass die Schule in ein Vollgymnasium umgewandelt wird. Mit dieser Motivation verfasst er auch eine vierbändige Geschichte der Stadt Jülich. „Mit der will er die Bedeutung Jülichs als gymnasialen Standort aufzeigen“, sagt von Büren. Langfristig hat Kuhl Erfolg, 1905 verlässt der erste Abiturjahrgang das damalige staatliche Gymnasium.

„Königliches Gymnasium“: So hieß die Schule, die ab 1912 am Neusser Platz als Vollgymnasium betrieben wurde. Foto: Museum Zitadelle

1912 erfolgt der Neubau des Staatlichen Gymnasiums am Neusser Platz, in der Nähe der heutigen Polizeiwache. Mitte der 1960er Jahre kaufte das Land NRW die Zitadelle auf. Die Stadt Jülich sei laut von Büren froh gewesen, den Klotz am Bein los zu sein. Bald gab es Pläne, in der Zitadelle eine staatliche Ingenieursschule einzurichten, quasi den Vorläufer des heutigen Fachhochschul-Campus. Die Pläne scheiterten. Heinz Renn, der damalige Rektor des Staatlichen Gymnasiums, schaltete schnell. Aus den Ingenieurschul-Plänen wurden die ersten Pläne für den Bau des Gymnasiums Zitadelle, das 1972 eröffnet wurde.

Da hatte die Schule ihren stärksten Wachstumsschub. „Mit der Kernforschungsanlage kam studiertes Publikum nach Jülich und damit eine höhere Erwartungshaltung an die Schullandschaft“, berichtet von Büren. Ab den 70er Jahren drängten die geburtenstarken Jahrgänge an die Schulen. 1979 zählte das Gymnasium Zitadelle 1700 Schüler.

Zusätzliche Gebäude waren nötig. Neben der ehemaligen Volksschule an der Düsseldorfer Straße und den Neubau am Propst-Bechte-Platz wurden Baracken errichtet, in die die Schüler ausgelagert wurden. Beispielsweise an der heutigen Grundschule Nord an der Berliner Straße. Heute liegt die Schülerzahl bei rund 1100, Unterricht in Baracken gibt es schon seit den 90er Jahren nicht mehr.