Jülich: Ganz großes Kino in Jülich: Dreharbeiten auf der Zitadelle

Jülich: Ganz großes Kino in Jülich: Dreharbeiten auf der Zitadelle

Der Erlkönig ist ein tolles Gedicht des großen Goethe. Ein Erlkönig ist auch ein Auto in der Testphase, das nicht erkannt werden darf und deswegen getarnt wird. Derzeit befindet sich die dritte Art Erlkönig in Jülich, genauer gesagt in der Zitadelle.

Das ist ein Mensch, der trotz der Frühlings-Temperaturen am Freitag in dicker Jacke durch die Gegend läuft. Niemand soll ihn erkennen, weil er ein berühmter Schauspieler ist.

Zu verstecken gibt´s bis Montag noch einiges. Denn so großes Kino hat die Zitadelle, die schon häufiger Filmkulisse war, noch nicht gesehen. Rubinrot heißt der Film, der zumindest teilweise in Jülich gedreht wird und Ostern 2013 in die Kinos kommen soll. Das beantwortet auch die Fragen vieler Passanten und Autofahrer, die sich wundern, warum ein Teil des Zitadellen-Parkplatzes noch bis Montag von Lieferwagen, Transportern und Wohnwagen besetzt ist.

Zurück zum Erlkönig. Die Kleider, die er vor der Kamera trägt, sollen unerkannt bleiben. Deswegen die Erlkönig-Jacke. Bei Gottfried John hat die Maskerade geklappt. Zumindest haben die Schüler des Gymnasiums Zitadelle den bekannten deutschen Mimen mit der markanten Nase nicht erkannt. Und das, obwohl er vor höchst der selben der Schüler in der Sonne gesessen und in der Drehpause gedöst hat. Vielleicht gehört der 69-Jährige auch nicht mehr ganz zu der Generation Schauspieler, für die Schüler schwärmen. Tomma, Lucie und Ole haben John jedenfalls nicht erkannt.

Das Stück, um das es geht, kennen sie aber. Rubinrot heißt es, ist der erste Teil der erfolgreichen Roman-Trilogie Liebe geht durch alle Zeiten von Kerstin Gier. 2009 ist Rubinrot erschienen, wurde über eine Millionen Mal verkauft, in 19 Sprachen übersetzt und stand 54 Wochen auf der Spiegel-Bestseller-Liste. Tomma (18) hat das Buch gelesen . „Die Zitadelle passt für die Handlung von Rubinrot ganz gut als Drehort”, sagt die Schülerin während einer Freistunde. Viel zu sehen bekommen die Schüler allerdings nicht. Keine Kamera im Hof, kein lautes, hektisches Filmteam, keine Kinostars. „Trotzdem gucken viele während des Unterrichts schon dann aus dem Fenster, wenn da jemand rum läuft”, berichten die drei Schüler. Die Lehrer sind nicht unbedingt amüsiert. Auch, weil die Film-Crew einen Teil der Lehrerparkplätze blockiert.

Alles passiert tief in den Gängen der Zitadelle. In den Katakomben der Bastion St. Salvator war die Film-Crew am Freitag zugange. Die Szenen im Haus der Wächter sollen gedreht werden. „Das ist da, wo Gwendolyn ihre ersten Zeitsprünge macht”, weiß Tomma. Gwendolyn ist das 16-jährige Mädchen, das im Mittelpunkt der Handlung steht. Das große Geheimnis in ihrer Familie ist ein Zeitreise-Gen, das ausgerechnet sie geerbt hat.

Maria Ehrich spielt die Zeitreisende. Die 19-jährige Schauspielerin hätte die warme Erlkönig-Jacke auf der Zitadelle eigentlich nicht nötig gehabt. Denn ohne Sonnenbrille und Jacke wäre sie glatt als Schülerin durchgegangen. Trotzdem herrscht höchste Geheimhaltungsstufe. Die Hauptdarsteller und deren Kleidung dürfen auf keinen Fall fotografiert werden. Das gilt auch für den männlichen Hauptdarsteller Jannis Niewöhner (20), der den Weg vom Wohnwagen zum Drehort St. Salvator Bastion unter einer dicken Jacke zurück legt. Und wenn die Film-Crew per Funk Fotografen-Alarm auslöst, dann werden die Darsteller gar mit dem Auto transportiert.

Den besten Erlkönig gab Veronica Ferres. Die bekannte Schauspielerin spielt die Mutter von Gwendolyn. Zuletzt in Aachen wurde genau darauf geachtet, dass sie nicht fotografiert wird. In Jülich hatte sie dieses Spiel bis zur Perfektion getrieben. Keiner der Schüler-Zaungäste hatte sie gesichtet. Dafür gibt es einen einfachen Grund: Bei den Szenen in Jülich war Ferres nicht dabei.