Siersdorf: „Galileo-Allee” stößt auf Kritik

Siersdorf: „Galileo-Allee” stößt auf Kritik

Auch unter ehemaligen Bergleuten regt sich jetzt Unmut darüber, dass die Zufahrtsstraße zum Industriepark Emil Mayrisch jetzt amtlich „Galileo-Allee” heißt.

Wenn schon „Emil-Mayrisch-Allee” nicht möglich war, warum könne man, so Kumpel in Aldenhoven und Siersdorf, nicht mit einer anderen Namensgebung an das Jahrzehnte lang bestehende Steinkohlenbergwerk erinnern. Als Vorschläge werden „Bergbau-Allee”, „Schacht-Allee” oder „Zechen-Allee” genannt.

Der Gemeinderat hatte vor einem Jahr beschlossen, die Zufahrtsstraße als „Galileo-Allee” zu beschildern auf Anregung und auf Kosten der RWTH Aachen. Die Hochschule betreibt auf der Zechenbrache das Aldenhoven Testing Center (ATC), um Auto-gebundene Anwendungen für das geplante europäische Satellitennavigationssystem Galileo zu entwickeln.

Zweiter Gesellschafter neben der RWTH ist der Kreis Düren. Der EBV, Grundeigentümer der Straßenfläche, hatte keine Bedenken gegen die Benennung, sofern der Industriepark nur weiter den Namen von Emil Mayrisch (1862 - 1928), trage, dem luxemburgischer Stahlindustriellen und Chef des Konzerns Arbed, der lange Zeit Hauptaktionär des EBV war.

Reinhard Paffen, Siersdorfer und CDU-Fraktionsvorsitzender, zeigt „Verständnis” für die Wünsche seiner ehemaligen EBV-Kollegen. Seine Fraktion sei „bereit, nochmal darüber zu reden”, wenn die RWTH einverstanden wäre.

Franz-Josef Fielder, 1. Vorsitzender des Bergmännischen Traditionsvereins Glück auf Aldenhoven, erinnert sich daran, dass im Verein „einige dagegen” gewesen seien, die Zechenzufahrt als Galileo-Allee zu beschildern. Aber der Gemeinderat habe entschieden und „damit müssen wir leben”, sagt der ehemalige Obersteiger und SPD-Ratsherr.

Die drei Unternehmen im IPEM, die, wie berichtet, bereits vor einem Monat Front gegen Galileo-Allee gemacht hatten, bleiben bei ihrem Nein. Man habe „keine Lust, auf den Briefbögen Emil Mayrisch zu streichen”, bekräfigt Prof. Dr.-Ing. Hans Paul Drescher, Geschäftsführer der Bonnenberg + Drescher Projektentwicklung GmbH. Das sei „Konsens” zwischen seinem Unternehmen sowie der TPR Fiberdur GmbH + Co. KG und der Kunststoff-Produktionsgesellschaft Omnifol Kraus GmbH.

Der Name Emil Mayrisch habe „erhebliches Gewicht” bei Geschäftskunden im Ausland etwa in der Eisenhüttenindustrie. „Die Post kommt auch so an”, fügt Drescher hinzu. Mit Schreiben vom 21. Juni hatte die Gemeinde den Unternehmen mitgeteilt: „Ab sofort wird die Straße im Industriepark mit der Bezeichnung Galileo-Allee geführt.” Und die Gemeinde bat später zudem darum, „die Verwendung der postalischen Anschrift Galileo-Allee vorzubereiten”.

„Der Name der Straße kann vom Rat der Gemeinde jederzeit geändert werden”, reagiert Bürgermeister Lothar Tertel auf die Kumpel-Kritik. Er verweist aber darauf, dass die RWTH einen „erhöhten Vertrauensschutz” genieße. Bei einer Namensänderung habe die Hochschule einen „Erstattungsanspruch” für den geleisteten Aufwand, und die Gemeinde, die dann in der Finanzierungspflicht stünde, habe dafür „keine Gelder” im Haushaltssanierungsplan. Mit dem EBV abgemacht ist längst, dass das Immobilienunternehmen die Straße in den vertraglichen Zustand (Straßenbeleuchtung, Kanalisation usw.) bringt und dann an die Gemeinde übergibt.

In Siersdorf machen derweil auch andere Namensvorschläge die Runde. Mit grimmigem Humor und unter Anspielung auf die zeitweise lärmintensive Nutzung der angrenzenden Filmautobahn heißt es etwa, dass „Cross-Allee” oder „Viertel-Meilen-Allee” passender wäre.