Jülich: Freiwilligen-Vermittlung: „Ohne Ehrenamtliche läuft nichts mehr“

Jülich: Freiwilligen-Vermittlung: „Ohne Ehrenamtliche läuft nichts mehr“

Die Menschen zusammen bringen, die Hilfe brauchen und jene die helfen wollen — das ist die Aufgabe der Freiwilligen Vermittlung in Jülich. Seit zehn Jahren gibt es diese ehrenamtliche Einrichtung. Ruth Tavernier-Schwab, Gisela Krott, Karl Lohmer und Stefan Nicolai koordinieren Hilfsanfragen und Angebote und dies mittlerweile in recht großem Stil.

106 Freiwillige, die sich einbringen wollen, stehen auf ihrer Liste und 152 Einrichtungen rufen diese Hilfe gerne ab. Es geht sich dabei um Hausaufgabenhilfe, Altenbetreuung, Hilfe für Behinderte und vieles mehr.

Nach zehn Jahren wurde nun kurz innegehalten, um zurückblicken, nach vorne zu schauen und vor allen Dingen einmal mit Freunden und Gönnern feiern. Doch ganz besonders herzlich eingeladen in den Mehrzweckraum des Altenheims St. Hildegard, in dessen direkter Nachbarschaft die Freiwilligenvermittlung mittlerweile ihr Domizil hat, waren die vielen Ehrenamtler, deren Einsatz über die Vermittlung koordiniert wird. Sie hieß Ruth Tavernier Schwab ganz besonders herzlich willkommen. „Sie schenken Zeit, Hilfe, ein offenes Ohr, Zuwendung und Se schenken es freiwillig“, erklärte sie zum Auftakt der Feierstunde, in deren Mittelpunkt dieses ehrenamtliche Engagement stand.

Dieses wurde von den Ehrengästen, die ein Grußwort an die Anwesenden richteten, besonders hervorgehoben. „Ohne Ehrenamt läuft nichts mehr. Der demografische Wandel stellt uns vor neue Herausforderungen, bietet aber auch Chancen“, meinte Dirk Hucko, Geschäftsführer des Caritasverbandes Düren Jülich. Margret Rutte, Bundesvorsitzende des Verbandes der Freiwilligenzentren, brachte ein besonderes Geburtstagsgeschenk mit. Die Jülicher Einrichtung darf sich jetzt Freiwilligen-Zentrum nennen.

Auch Bürgermeister Heinrich Stommel lobte das ehrenamtliche Engagement der Vermittlung und der Menschen, die dort registriert sind. „Hier werden Dinge möglich, die die öffentliche Hand nicht leisten kann“, meinte er.

Kurz ließ Gisela Krott die noch junge Geschichte Revue passieren, und Karl Lohmer blickt in die Zukunft. So betonte er, dass sich die Mitarbeiter der Freiwilligen Zentren als aktive Mitstreiter für eine solidarische Bürgergesellschaft verstehen. Doch für die Zukunft wünschen sie sich einen virtuellen Marktplatz für Bürgerengagement und eine Arbeitsgemeinschaft (Arge) Ehrenamt Jülicher Land.

Zum Thema „Bürgergesellschaft verändert unser Land“, äußerte sich der Politwissenschaftler Dr. Serge Embacher, der zu diesem Thema eine Reihe von Büchern veröffentlich hat. Er ging auf die Veränderungen in der Gesellschaft ein und beschrieb den härteren Wind, der in der Arbeitswelt weht. „Selbst soziale Arbeit steht heute unter dem Wirtschaftlichkeitsgedanken“, erklärte er „Wohlfahrtsverbände wurden zu Unternehmen.“

Die Bürgergesellschaft stehe nun für bürgerschaftliches Engagement oder Ehrenamt. 23 Millionen Menschen, so Embacher, engagieren sich in Deutschland ehrenamtlich. Es geschieht meist still und leise vor Ort.

Deshalb fordert er auch eine neue Anerkennungskultur. Ehrenamt werde immer noch mit Geringschätzung begegnet.

Abschließend baten die vier Koordinatoren der Vermittlung Jülicher Politiker zu einem Stehtischgespräch nach vorne, um mit ihnen über das bürgerschaftliche Engagement, wie man es fördern und stützen kann, zu diskutieren.

(Kr.)