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Jülich: Fraktionen bestehen auf einer Vollbibliothek

Jülich : Fraktionen bestehen auf einer Vollbibliothek

Politik und Verwaltung haben wegen der Stadtbücherei Jülich die Klingen gekreuzt.

Während die Verwaltung angesichts knapper Kassen nur noch die Sachbuch- sowie Kinder- und Jugendabteilung nebst Internet-Arbeitsplätze und den Verleih digitaler Medien aufrecht erhalten, aber den Erwachsenen-Bereich drastisch eindampfen will, setzen die Fraktionen auf den Erhalt einer so genannten Vollbibliothek.

Dies deckt sich mit der Aussage des deutschen Bibliotheksverbandes aus dem Jahre 1993, der eine Versorgung der gesamten Bevölkerung und aller Zielgruppen, aller ihr angehörigen Schichten und Bildungsniveaus anstrebt.

In der letzten Sitzung des Ausschusses für Soziales, Schule, Kultur und Sport prallten die unterschiedlichen Auffassungen aufeinander. Hauptvorwurf: Die Verwaltung habe die Ergebnisse des interfraktionellen Arbeitskreises Stadtbücherei schlichtweg ignoriert oder nur minimal berücksichtigt.

Ulrike Fink (FDP): „Ich finden vieles von dem, was wir dort gesagt haben, in der Vorlage der Verwaltung nicht wieder. Wir haben offenbar sinnlose Arbeit geleistet.”

Die Leiterin der Bücherei, Christa Bartel, machte deutlich, dass sie an dem von den Ausschussmitgliedern heftig kritisierten Teil der Verwaltungsvorlage nicht mitgewirkt habe. Sie sprach sich dafür aus, „dass der Abwärtstrend nicht noch weiter geht”.

Vielmehr bittet sie, die Bücherei, wie sie sich jetzt darstellt, zu erhalten. Über Honorarkräfte und Werkverträge könnten wichtige Bereiche erhalten werden. Zudem verspricht sie, mit dem reduzierten Stammpersonal und ehrenamtlichen Kräften zu versuchen, eine „einigermaßen gute Arbeit zu leisten”.

Erstaunen löste das Angebot von Dezernent Joachim Krause aus, dass die Verwaltung Teile der Elektronischen Datenverarbeitung (EDV) von der Stadtbibliothek zu übernehmen, da die Verwaltung bislang auch in diesem Bereich von Überbelastung gesprochen habe.

Jens Hövelmann kritisierte die rein finanzielle Argumentation der Verwaltung: „Auf der Schiene des Haushaltssicherungskonzeptes wird eine Entscheidung herbeigeführt, die inhaltlich richtungweisend ist. Das kann so nicht sein!” Darüber müssten die Fraktionen erst einmal ausgiebig beraten.

Friedrike Doose (SPD) attackierte Heinrich Stommel: „Ich habe den Eindruck, dem Bürgermeister ist die Bücherei überhaupt nicht wichtig.” Krause forderte dagegen „Mut zu neuem Denken, sonst kommt man nicht weiter”. Die Verwaltung habe den Vorschlag so gewählt, dass betriebsbedingte Kündigungen vermieden werden.

Letztlich wurden der Vorschlag der Verwaltung abgelehnt und die Vorstellungen des Arbeitskreises Stadtbibliothek zum Maßstab erhoben. Der Ausschuss erteilte der Verwaltung den Auftrag, hierzu eine Kostenrechnung zu erstellen. Der Stadtrat hat dann das letzte Wort.

Ziel ist der Erhalt einer leistungsfähigen Vollbibliothek bei Absenkung des Zuschussbedarfs. Deshalb wird auf die Verlängerung der Stelle der stellvertretenden Leitung verzichtet.

Mit einem Budget von 20.000 Euro werden Leistungen auf Basis von Werksverträgen erbracht, die in Kooperation mit dem Stammpersonal den Betrieb einer Vollbibliothek sicherstellen. Nach vier Monaten Probebetrieb wird die Wiedereröffnung donnerstags geprüft.

Die EDV-Abteilung des Hauptamtes übernimmt die EDV der Bücherei. Ab 2005 wird ein Auszubildender des Berufs „Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste” eingestellt. Die Ausbildung erfolgt in Kooperation mit der Zentralen Berufsausbildung des Forschungszentrums.

Ab 2004 wird von weiterem Personalabbau abgesehen. Dafür werden unter anderem die Buchetats gekürzt und verstärkt auf Spenden und Sponsoring gesetzt. Bei „sinnvollem Preis-Leistungsverhältnis”, aktuellem Medienangebot und gutem Service werde der Zuschuss gegenüber dem Vorschlag der Verwaltung um nur 10.000 Euro erhöht.

Alternativ wird die Einführung eines so genannten RFID-Systems Easy-Check vorgeschlagen, einer kombinierten Selbstverbuchungs- und Sicherungsanlage.