Siersdorf: Fortschritte bei Rettung der Ruine Siersdorfer Kommende

Siersdorf : Fortschritte bei Rettung der Ruine Siersdorfer Kommende

Fest gemauert in der Erden — das war vielleicht einmal. Der Westturm des Herrenhauses der Siersdorfer Kommende rutscht ab, jedes Jahr ein paar Millimeter. Und das einst so stolze Zeugnis der Baukunst aus der Renaissance ist seit dem Zweiten Weltkrieg arg ramponiert.

Aber es befindet sich auf dem Weg der Besserung, seit sich der Förderverein darum kümmert, dass das als ‚national wertvoll‘ eingestufte Baudenkmal wieder an Stabilität erlangt. „Wenn man den Zustand von vor drei Jahren mit dem heute vergleicht — das ist ein Unterschied wie Tag und Nacht“, sagte der Aldenhovener Bürgermeister Ralf Claßen vor Ort.

Willkommene Unterstützung: Harry Voigtsberger (2.v.r.) überbrachte den Förderbescheid für die Rettung des Herrenhauses. Fotos (5): Jansen. Foto: Jansen

Das seitens des Fördervereins betriebene Sichern der Ruine schreitet voran mit dem Ziel, die Kommende im kommenden Jahr der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Dann jährt es sich zum 800. Mal, dass der Jülicher Graf die Kommende an den deutschen Orden geschenkt hat. Dieses Jubiläum ist seit Jahren das Ziel, auf das der Förderverein hin arbeitet.

Aus der Vogelperspektive wird deutlich: Am Herrenhaus der Siersdorfer Kommende gibt es noch jede Menge Arbeit. Allerdings steht die Runine heute viel sicherer da als vor sieben Jahren, als die Rettungsarbeiten begannen. Foto: Hans Launer

Jetzt erhält er auch Unterstützung von der NRW-Stiftung. Deren Ehrenpräsident, der ehemalige NRW-Wirtschaftsminister Harry Voigtsberger, überbrachte am Freitag einen Förderbescheid über 60.000 Euro. „Wir unterstützen Orte der Identität wie diesen“, sagte er und fügte hinzu, dass das alleine nicht der Grund für die Unterstützung sei. „Es muss das nachhaltige Engagement der Menschen dazukommen. So wie hier.“ Ein Ort der Identität sei die Siersdorfer Kommende, weil sich in ihr ein Teil der deutschen Geschichte bis zurück in die Zeit der Kreuzzüge spiegele.

Aus der Vogelperspektive wird deutlich: Am Herrenhaus der Siersdorfer Kommende gibt es noch jede Menge Arbeit. Allerdings steht die Runine heute viel sicherer da als vor sieben Jahren, als die Rettungsarbeiten begannen. Foto: Hans Launer

So erklärte der Fördervereinsvorsitzende Guido von Büren, dass sich der Deutsche Orden zur Zeit der Kreuzzüge gegründet habe, um verletzte Kreuzritter deutscher Abstammung im Heiligen Land zu versorgen. Daraus erwachsen sei ein Orden, ähnlich dem der Malteser.

Aus der Vogelperspektive wird deutlich: Am Herrenhaus der Siersdorfer Kommende gibt es noch jede Menge Arbeit. Allerdings steht die Runine heute viel sicherer da als vor sieben Jahren, als die Rettungsarbeiten begannen. Foto: Hans Launer

Der Deutsche Orden war weit über die Grenzen der Bundesrepublik verbreitet. „Er bildete eine Art Gottesstaat unter christlichen Vorzeichen“, erklärte von Büren. Als die Pflege der Kreuzritter nicht mehr die Hauptaufgabe war, wurde der Deutsche Orden in einen Ritterorden überführt. Das bedeutet, dass viele nachgeborenen Söhne aus Adelshäusern in den Orden eingetreten sind.

Aus der Vogelperspektive wird deutlich: Am Herrenhaus der Siersdorfer Kommende gibt es noch jede Menge Arbeit. Allerdings steht die Runine heute viel sicherer da als vor sieben Jahren, als die Rettungsarbeiten begannen. Foto: Hans Launer

Der Orden hatte viele Besitztümer. Die Siersdorfer Kommende lag in der sogenannten Ballei Biesen mit Hauptsitz im Schloss Alden Biesen, das genau wie das 1578 gebaute Siersdorfer Herrenhaus aus rotem Backstein gemauert ist.

1219 schenkte der Graf von Jülich die Ländereien um die Siersdorfer Kirche an den Deutschen Orden. Derartige Schenkungen kamen häufiger vor, sie sollten den Kampf der Kreuzritter gegen den Islam und für die Rückeroberung Jerusalems unterstützen.

Einnahmen erzielten der Orden mit dem Bestellen und Verpachten von Ländereien. Verwaltet wurden Standorte wie die Siersdorfer Kommende von in den Orden eingetretenen Adligen. So traten im Verlauf der Geschichte viele nachgeborene Söhne des Settericher Zweiges des Hauses Reuschenberg in den Orden ein.

Eine weitere Besonderheit zählte von Büren auf: „Es gibt im Rheinland nur sehr wenige Neubauten aus dem 16. Jahrhundert. Für Bauhistoriker ist das hier eine Fundgrube.“

Wenn der Förderverein die 60.000 Euro der NRW-Stiftung abgerufen hat, dann sind Ingesamt 900.000 Euro an Fördermitteln in die Sicherung der Ruine des Herrenhauses geflossen. Ziel ist es mittelfristig, ein Dokumentationszentrum über den Deutschen Orden in Siersdorf einzurichten.

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