Forschungszentrum Jülich und RWTH Aachen arbeiten enger zusammen

Kooperationsvereinbarung JARA-CSD : Forschungszentrum Jülich und RWTH Aachen arbeiten enger zusammen

Bisher waren das Forschungszentrum Jülich (FZJ) und die RWTH Aachen „nicht so richtig verheiratet“. So formulierte es am Montagmittag Ulrich Rüdiger, Physik-Professor und Rektor der RWTH Aachen in der Zentralbibliothek des FZJ.

Der seit 2007 bestehende Forschungszusammenschluss JARA (Jülich-Aachen-Research-Alliance) sei eine Partnerschaft, „bei der keine Institute zusammengeklebt werden, sondern dort zusammenkommen, wo es Sinn ergibt“, ergänzte Thomas Rachel (CDU), Dürener Bundestagsabgeordneter und Staatssekretär am Bundesforschungsministerium. Die Möglichkeit, schneller als in einer Forschungsehe alte Schwerpunkte aufzugeben und neue zu setzen, sei laut Rüdiger ein Vorteil. Der soll bestehen bleiben. Trotzdem binden sich die Großforschungseinrichtung und die Hochschule fester aneinander. JARA Center for Simulation and Data Science (JARA-CSD) ist die Überschrift über der Kooperationsvereinbarung, die zwar immer noch kein Ehevertrag sein soll, aber Jülich und Aachen trotzdem weiterhilft.

Rüdiger und der FZJ-Vorstandsvorsitzende Wolfgang Marquardt haben den Vertrag am Montag unterschrieben.

Er regelt unter anderem, dass die RWTH mehr Rechenzeit auf den Jülicher Supercomputern erhält als bisher. Das stärkt die Aachener Position, auch mit Blick auf den Förderantrag als Exzellenzuniversität, den Rüdiger Anfang Dezember stellen will. „Unsere Zusammenarbeit ist ein Alleinstellungsmerkmal. Das gibt es in der Form nicht mehr“, erklärte Rüdiger, und Marquardt fügte hinzu, dass es angesichts der Größe des Themas ein Vorteil sei, wenn man zusammenarbeite. Das Thema lautet Simulation und Datenanalyse auf hoch-wissenschaftlichem Niveau. „Wir wollen hier die Speerspitze sein“, sagte Marquardt, der erklärte, dass er sich sicher sei, dass die neue Zusammenarbeit dem Forschungsstandort Jülich-Aachen weiteren Schub gibt. Das Rechnen und Simulieren auf Höchstleistungsrechnern sei zur dritten Säule der wissenschaftlichen Arbeit geworden neben dem Entwickeln von Theorien und dem wissenschaftlichen Experimentieren.

Der Standort werde mit der Kooperation international besser sichtbar, schilderte Annette Storsberg, Staatssekretärin am NRW-Wissenschaftsministerium. JARA-CSD biete die Chance, Erkenntnisse aus der Wissenschaft schneller für die Industrie und die Gesellschaft nutzbar zu machen. Außerdem sei sie ein Anreiz, talentierten Nachwuchs in der Region zu binden. Laut Thomas Lippert, dem Direktor des Jülich Supercomputing Center und seit Montag auch einer der Direktoren von JARA-CSD, sei der wissenschaftliche Nachwuchs ein wichtiger Bestandteil der Kooperation. „Wir planen ein House of Simulation Science (Haus der Simulationswissenschaft). Da soll Platz sein für die Arbeit von Doktoranden und die Projekte von jungen Forschergruppen.“ Das Haus sei nicht abstrakt gemeint, sondern konkret. Denkbar sei, an der RWTH und im FZJ Arbeitsraum für junge Wissenschaftler zu finden, die übergreifend an beiden Einrichtungen forschen.

(jan)
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