Forschungszentrum Jülich erhält sechs Millionen Wasserstoff-Speicher

Sechs Millionen Euro vom Bund : Außergewöhnlich hohe Fördersumme für das Forschungszentrum

Dass Thomas Rachel ein gern gesehener Gast im Forschungszentrum Jülich (FZJ) ist, ist nichts Neues. Schließlich hat der Parlamentarische Staatssekretär des Bundesforschungsministeriums oft Förderbescheide und damit Geld im Gepäck, mit dem geforscht wird. Einen Förderbescheid von der Schwere von Donnerstag bringt der CDU-Politiker aus Düren allerdings selten mit: Der Bund fördert die FZJ-Forschung am sogenannten „Reallabor für die Energiewende“ mit sechs Millionen Euro.

Mit dem Steuergeld soll die Forschung gefördert werden, die sich mit der Frage beschäftigt, wie Wasserstoff so effektiv wie möglich als Energiespeicher eingesetzt werden kann. Und zwar langfristig, ungefährlich und transportabel. Insgesamt soll das gerade im Aufbau befindliche Reallabor knapp 27 Millionen Euro kosten. „Wir brauchen Licht, wenn es dunkel ist, Wärme, wenn es kalt ist und Kühlung, wenn es warm ist“, sprach FZJ-Vorstandsmitglied Carsten Beneke über eine der großen Herausforderungen der Energiewende – nämlich das Sicherstellen von Energieversorgung, wenn regenerative Quellen wie Sonne und Wind nicht zur Verfügung stehen. Wasserstoff ist ein in unendlicher Menge verfügbarer Energieträger, der entsteht, wenn man dem Wasser den Sauerstoff entzieht.

Am FZJ arbeitet die ‚Reallabor‘-Forschergruppe um Dr. Stefan Kasselmann an einem Kreislauf-System, das Wasserstoff herstellt und speichert und dabei so wenig Energie wie möglich verliert. Grundlagenforschung auf bisher unbekanntem Gebiet betreibt das FZJ nicht nur beim Thema Energie schon immer. Auch die Tatsache, dass Jülich einer der führenden Brutkästen in Deutschland unter anderem auf dem Gebiet der Energieforschung ist, ist nichts Neues. Allerdings hat sich etwas Grundlegendes geändert. „Das, was jetzt passiert, ist schon fast eine Art Philosophiewechsel“, sagte Rachel. Denn das FZJ erforsche beispielsweise auf dem Energiesektor nicht mehr nur, was möglich sein könnte. „Jetzt ist hier auch die Frage wichtig, wie man die Erkenntnisse systematisch nutzen kann“, fügte Rachel hinzu.

Und genau dafür stehe das Reallabor. Nicht nur Ideen entwickeln, sondern auch zeigen, ob und wie diese derart umsetzbar sind, dass sie von der Industrie und letztlich von der Allgemeinheit genutzt werden können. Spitzenerkenntnisse aus der Grundlagenforschung werden dort sofort in der Praxis erprobt. Kernstück ist das gerade im Bau befindliche Wärmevollversorgungszentrum (WVVZ). Es soll weite Teile der Gebäude und Forschungsapparaturen intelligent mit regenerativer Energie und Wärme versorgen.

Ein kleines Beispiel: Die Computer des WVVZ errechnen anhand der Wettervorhersage und der tatsächlich gemessenen Bedingungen, wie viel Wärme oder Kühlung notwendig ist, um Räume und Gebäude angenehm zu temperieren. Damit kann das WVVZ eine Art Blaupause werden für intelligent angelegte Gebiete. Der auf der Merscher Höhe bei Jülich entstehende Brainergy-Park soll beispielsweise eine sehr ähnliche Steuerung haben. „Irgendwann könnte auch vorstellbar sein, das ganze Viertel so zu versorgen“, erklärte Rachel.

Forschungsstaatssekretär Thomas Rachel (kleines Foto, Mitte) übergibt den Förderbescheid an FZJ-Vorstandsmitglied Carsten Beneke (links) und Projektleiter Stefan Kasselmann. Foto: Guido Jansen

Das ist aber schon Status Quo bei der WVVZ. Mit dem neuerlichen Förderbescheid über sechs Millionen Euro soll die Anlage noch mehr können: Der gasförmige Wasserstoff soll in einer ungefährlichen und transportfähigen Flüssigkeit gespeichert werden. In die WVVZ integriert werden soll deshalb ein Reaktor, mit dem der Wasserstoff an eine Flüssigkeit gebunden und auch wieder reduziert werden kann.

Diese mit Wasserstoff versetzte Flüssigkeit ist dann in der lange, langfristig Energie zu speichern. Und sie ist weder explosiv noch gesundheitsgefährdend. „Die Energie, die wir so speichern, ist die überschüssige regenerative Energie, die entsteht, wenn die Sonne scheint oder der Wind weht“, sagte Kasselmann. Beim Abspeichern von Energie in der mit Wasserstoff angereicherten Flüssigkeit werde Wärme frei. „Wenn man die Energie dann wieder zurückgewinnen will, dann müssen wir Wärme einsetzen. Dafür nutzen wir die Abwärme, die in der WVVZ ohnehin entsteht“, erklärte Kasselmann das Kreislaufprinzip.

Das Wasserstoff-Projekt soll bis 2022 laufen. „Es stärkt auch die Position des Kreises Düren als Wasserstoffregion. Das wird hier vor Ort eine Gesamtgeschichte mit dem Forschungszentrum im Mittelpunkt“, fügte Rachel hinzu.

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