Tag der Neugier im FZJ: Forschung zum Anpacken und Erleben

Tag der Neugier im FZJ : Forschung zum Anpacken und Erleben

Gold ist der Schatz der erdgeschichtlichen Vergangenheit, ist sehr wertvoll und wird gehortet, etwa in Fort Knox. Im Forschungszentrum Jülich (FZJ) dagegen werden Schätze für die Zukunft entwickelt. Kein Gold, aber mindestens ebenso wertvoll.

Denn es sind Schätze der Wissenschaft und Forschung, die dem Planeten und seinen Menschen bereits jetzt oder in einem absehbaren Zeitraum von großem Nutzen sein werden. Das Forschungszentrum Jülich – eine der größten Institutionen seiner Art in Deutschland und Europa – ist für gewöhnlich auch nur schwer, auf jeden Fall aber nur eingeschränkt zugänglich.

Mit einer Ausnahme, und die war am Sonntag am „Tag der Neugier“, der alle drei Jahre stattfindet. Da öffneten sich die Tore und ließen einen Blick in eine Welt zu, die ansonsten weitgehend verborgen bleibt. Und dieser Blick brachte alle zum Erstaunen, die da waren. Denn längst sind die Zeiten vorbei, in denen „auf dem Atom“, wie das Forschungszentrum vor vielen Jahren umgangssprachlich genannt wurde, am selben geforscht wurde.

Heute stehen ganz andere Themen auf dem Plan der Wissenschaftler. „Das ist ganz klar“, betont der Vorstandsvorsitzende des Forschungszentrums, Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Marquardt. „Wenn sich die Welt ändert, muss es Wissenschaft und Forschung auch tun. Und wir hier besonders, denn in einer Region, die im Zeichen der Braunkohle steht, dem aber ein starker Strukturwandel bevorsteht, kann und darf sich die Forschung nicht ausklammern:“

Tag der Neugier im Forschungszentrum Jülich

Tausende waren gekommen, mit 23.000 wurde bereits am Mittag ein neuer Rekord verzeichnet. Prof. Dr. Marquardt begrüßte die Neugierigen bei bestem Wetter und freute sich über das immense Interesse an der Arbeit, die im Forschungszentrum geleistet wird.

In die Begrüßung eingeschlossen waren natürlich auch Vertreter aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik. Allen voran hatte die Ministerin für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW, Isabel Pfeiffer-Poensgen, den Weg von Düsseldorf nach Jülich gefunden, um sich über die Arbeit eines der renommiertesten Einrichtungen des Landes zu informieren. Neben vielen Repräsentanten von Kommunen aus dem Kreis Düren, hatte sich auch der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung, Thomas Rachel, Zeit für einen Besuch genommen. Der hatte quasi Gepäck dabei, allerdings kein leichtes. Der InnoTruck des Bundesministeriums, dem Rachel angehört, hatte auf seiner Tour hier im Forschungszentrum einen Stopp eingelegt. Truck ist wörtlich zu nehmen, denn im Inneren des doppelstöckigen Sattelschleppers erwartete die Besucher eine interaktive Ausstellung rund um neueste Innovationen und Zukunftstechnologien. Und das nicht nur zum Anschauen, sondern auch Anfassen und Ausprobieren.

Genau wie die in den Themenfeldern, die das Forschungszentrum selbst zeigte. Wer sich die Zeit nahm, der trat im wahrsten Sinne des Wortes eine „Reise in die Zukunft“ an, so ein Motto des Tages. Diese Reise war aber keine Science Fiction, und sie war auch nicht unbegleitet. Denn auf allen Stationen der Reise standen diejenigen zum Gespräch und Diskussion zur Verfügung, die an der Entwicklung von „Was wäre, wenn…“ beteiligt sind, Entwicklungen, die schon morgen den Alltag prägen und das Leben verändern könnten. Dabei verkriecht sich die Wissenschaft keineswegs in einem Elfenbeinturm, sondern stellt sich in enger Kooperation mit anderen wichtigen Akteuren den drängenden Fragen der Gegenwart: Umwelt, Klima und Energie sind die Schlagworte, die einen großen Raum im Spektrum der Forschung einnehmen und an denen intensiv geforscht wird. Einer der Institutsleiter, Prof. Dr. Rüdiger Eichel, brachte es auf den Punkt: „Wir arbeiten hier nicht nur Friday for Future, sondern All Day for Future.“

Ein besonderes Stichwort ist dabei die Bioökonomie. Hier werden nach innovativen und nachhaltigen Lösungen gesucht, um die Problematik der Ernährung von zunehmender Weltbevölkerung zu verbessern oder gar zu gewährleisten. Wie können Rohstoffe und Energie sicher, umweltschonend, aber ebenso wirtschaftlich gewonnen werden, wie lässt sich der Einfluss des Menschen auf das Erdklima verringern? An diesen Fragen sind unterschiedliche Fachgebiete beteiligt. Erkunden konnte man sie deshalb auf einer Wanderung auf dem „Bioökonomiepfad“.

Ein anderer Forschungsschwerpunkt beschäftigt sich mit dem menschlichen Gehirn. Schwere Krankheiten wie Alzheimer und Parkinson sind noch immer nicht heilbar. Deshalb ist die Grundlagenforschung umso wichtiger: Wie sieht der Bauplan des Gehirns aus? Wie der Schaltplan? Wie kommunizieren die Nervenzellen untereinander? Wie kann eine Reise durch die Sinneszellen helfen, Alzheimer zu verstehen, um so Heilungschancen zu verbessern? Mit anderen Gehirnen, den künstlichen, beschäftigen sich die Wissenschaftler natürlich auch, wobei zugestanden wird, dass die Künstliche Intelligenz (KI) vom menschlichen Gehirn noch recht weit entfernt ist.

Dieses liefert derartige Mengen an Daten, die selbst die leistungsfähigsten Computer vor Probleme stellen. Und in Jülich steht ja einer davon zur Verfügung. Wie können solche Supercomputer noch verbessert werden? Wie sieht die „Next Generation“ aus? Wann kommt der Quantencomputer? Und vor allem: wie können unter dem Blickwinkel des Strukturwandels mit KI innovative Wertschöpfungsketten und somit zukunftsorientierte Arbeitsplätze geschaffen werden?

Die Reise in die Zukunft ist also kein kurzer Trip, sondern erfordert langen Atem. „Ich bin da aber sehr zuversichtlich“, sagt die Ministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen. „Die Schwerpunktthemen, an denen hier geforscht wird, nämlich Künstliche Intelligenz, Biodiversität, Energiewende sind bedeutend nicht nur für die Region, sondern für die gesamte Gesellschaft. Dass diese Felder hier im wahrsten Sinne des Wortes beackert werden, und zwar mit hochqualifiziertem Personal auf höchstem Niveau und international vernetzt, das ist beeindruckend.“

Auch ein „Tag der Neugier“, mag er noch so spannend sein, kommt ohne etwas Show nicht aus. Dafür war mit dem Programm auf der Seebühne gesorgt. Die Percussion Group Samba Candela spielte feurige Samba-Rhythmen, die Jazz-Combo der FH Aachen hatte es für ihre Auftritte nicht weit, und ein ShowLabor brachte die Besucher zum Lachen, Staunen, aber auch Verstehen.

Für Kinder und Jugendliche gab es ebenfalls ein spezielles Angebot mit einer Forschungsrallye, mit dem Schülerlabor JuLab und mit Experimenten für den Forschungsnachwuchs, kurz: ein rundum gelungenes Großevent, das das Jülicher Wissenschaftsgold zum Glänzen brachte.

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