Jülich: „Fools on a Hill“ verwöhnt Nostalgiker im KuBa

Jülich: „Fools on a Hill“ verwöhnt Nostalgiker im KuBa

„Those were the days, my friend“. Mit diesem Hit von Mary Hopkin aus dem Jahr 1968 endete ein einzigartiger nostalgischer Konzertabend mit Hits aus den 1960ern und frühen 70er Jahren, gewürzt mit einer kräftigen Prise Comedy.

„Fools on a Hill“ (Narren auf einem Hügel) nennen sich der Düsseldorfer Journalist Hans Hoff und der Nideggener Liedermacher Heinz Küppers — in Anlehnung an den Beatles-Song „Fool on the hill“. Dass sie selbst wie die meisten ihrer Zuhörer bereits in die Jahre gekommen sind, ist ein Muss in der musikalischen Nostalgie-Geschichte.

Es geht alles viel besser mit einer roten Nase, also mit viel Humor, ist ihre Aussage, deshalb setzten die Comedian-Musiker am Anfang und Ende des Konzerts ihre Nasen auf. Mit „Sunny Afternoon“ von den Kinks begann das Repertoire, dabei zeigte die aufgeschlagene Zeitschrift „Bravo“ ein Bild der britischen Band.

Die große Jugendzeitschrift, ein wertvolles Original aus 1966, war der rote Faden im Konzert: „Ich harrte immer noch der Dinge, die mir die Bravo jeden Donnerstag anpries“, betonte Geschichtenerzähler Küppers, der wechselweise mit Gitarre und Klavier Hoffs voluminöse und äußerst flexible Singstimme begleitete. Er selbst durfte als Heranwachsender weder die „Bravo“ lesen noch lange Haare tragen, der „Familienrat in Form meiner Mutter hatte es beschlossen“.

An einem „Sunny Sunday Afternoon“ begann die gemeinsame Geschichte der beiden Musiker, die sich vor dem geschlossenen Aldi in Nideggen kennen lernten und ins Gespräch kamen — beide hatten die sonntägliche Schließung glatt vergessen. „Wir sind Mitte der 60er Jahre. Wir sind 14, 15“, führte Küppers in die Geschichte ein, die in dieser einzigartigen Zeit äußerst aufregend war, alles passierte zum ersten Mal. In einem Pfingst-Zeltlager „auf der Burg“ machte er bereits die Erfahrung, dass „die Menschen einander näher kamen, wenn ich sang und spielte“.

Dort lernte der „Noch-nicht-Knutscher“ Erika kennen, die er zunächst als Nervensäge empfand. „It‘s now or never“, wie Elvis es ausdrückte, dass er zum ersten Mal küsst, doch Heinz verspielte die Chance. „As tears go by“ von den Stones war hier ein passender musikalischer Kommentar. Das Publikum spielte als Background-Chor im Konzert eine wichtige Rolle, die beiden Seiten besonderen Spaß bereitete. In der örtlichen Disco „Anaconda“ machte Heinz statt dessen seine erste Kuß-Erfahrung und spürte gleich“: Das liegt mir, ich fühlte mich als Held“.

Seine Partnerin war die Freundin eines „Opfers“ von Hermann-Josef, der „nicht viel tun musste, um Mädchen zu betören“. Er schleppte nach Van Morrison viele „Brown eyed girls“ ab. Dann überzeugte Heinz vor allem sich selbst als „kiffender Kommunist“. Später machte er mit Erika in seinem Zimmer seine erste sexuelle Erfahrung, dank der „Segnungen der Kautschuk-verabeitenden Industrie“. Allerdings kam er zu dem Schluss: „Die Bravo lügt“ und riet nach Beatles-Manier „Let it be“.

Erwähnenswert ist der leicht persiflierte Vortrag des legendären Skandal-Songs „Je t‘aime“ mit entsprechender Geräuschimitation von Hoff. Die verführerische Naivität von Jane Birkin im Duett mit Serge Gainsbourg wich der satirischen Interpretation lachender „Fools on a Hill“. Das Ende der Liebesgeschichte von Heinz und Erika erlebte der Liedermacher Jahre später wieder im Aldi, wo er Hermann-Josef und seine Ex mit ihren fünf Enkeln wiedertraf. Das maßgeschneiderte Konzert für Middle Ager hätte weit mehr Zuhörer verdient gehabt.

(ptj)