Jülich: Förderverein Festung Zitadelle Jülich zieht Jahresbilanz

Jülich : Förderverein Festung Zitadelle Jülich zieht Jahresbilanz

Der Förderverein Festung Zitadelle Jülich begreift das „Jülicher Erbe der Idealstadtanlage der Renaissance“ als ein städtebaugeschichtliches Zeugnis und kulturhistorisches Denkmal allerersten Ranges.

Seit 31 Jahren stehen in diesem Zusammenhang die Aufgaben zur Erforschung und Erhaltung sowie der ausreichenden Pflege mit einer gleichzeitigen sinnvollen Nutzung dieser historischen Hinterlassenschaften im Vordergrund des Vereinsprogramms. Bei der Jahreshauptversammlung sprach der Vorsitzende Dr. Rüdiger Urban in seinem Bericht von der „Wachsamkeit“ des Vereins im Dienste des renaissancezeitlichen Erbes.

Jahresrückblick und Planung

Die Belange des Denkmalschutzes in der pasqualinischen Idealstadtanlage Jülich werden durch die Vertretung in wichtigen Gremien wahrgenommen. So diskutiert der Förderverein als Mitglied des Vorstands im Verein Stadtmarketing Jülich die für die Stadt wichtigen Entscheidungen mit. Als erfreulich bezeichnete Dr. Urban den Ratsbeschluss zur Erstellung eines „Integrierten Handlungskonzepts zur Stadtentwicklung“(IHK). In dessen Entstehungsprozess ist und bleibt der Verein eingebunden.

Das IHK sei von enormer Wichtigkeit für Jülich, denn „ es ist die Voraussetzung, um finanzielle Mittel vom Land für die Stadtentwicklung zu erhalten“. Als eine weitere positive Nachricht bezeichnete der Vorsitzende den Neubeschluss des Rates vom Mai 2018: In einem Zeitraum von rund zwei Jahren soll die Auflage „Überarbeitung der 25 Jahre alten Denkmalbereichssatzung“ realisiert werden.

Als wünschenswert erwähnte Dr. Urban in diesem Zusammenhang die Entwicklung einer Gestaltungs- oder Werbesatzung für Jülich, die mit der künftigen Denkmalbereichssatzung kompatibel wäre. Denkmalbereichssatzung sei auch ein wichtiges Sprichwort für größere Bauvorhaben innerhalb der sogenannten „Pasqualinischen Altstadt“.

Den Anbau des „kleinen Kreishauses“ an das Alte Rathaus betrachtet der Verein als „im Prinzip mit dem Denkmalschutz kompatibel“. Eine willkommene und mit dem Denkmalschutz einhergehende Initiative sei die Sanierung der Nord- und Westbebauung am Marktplatz. Schon im kommenden Herbst wird dort das neue „Café extrablatt“ eröffnen.

Wichtig sei zudem die Verbesserung der Wohnungsqualität in der Altstadt. Dazu trägt auch die Neubebauung im Bereich Kapuziner/Baierstraße im Anschluss an das Kreishaus bei.

Als nicht kompatibel im Sinne der Denkmalbereichssatzung bezeichnete Dr. Urban das Bebauungsprojekt südlich der Realschule in der Nähe der St. Jakob-Bastion. Es sei die letzte gut erkennbare Bastion der ehemaligen Festung Jülich. Diese mit vier hochgeschossigen Gebäuden zuzubauen, bewertet der Verein kritisch.

Ein wichtiger Aspekt für die Entwicklung Jülichs, auch im Rahmen des IHK, wird die anstehende Entscheidung über die Lokalisierung der neuen Stadthalle. Der Förderverein steht der Idee eines provisorischen Zeltes auf dem ehemaligen Hesselmann-Grundstück im Brückenkopf-Park skeptisch gegenüber. Für die Alleinstellungsmerkmale Jülichs, „Die Historische Festungsstadt“ und die „Moderne Forschungsstadt“, wäre dagegen eine Idee von Peter Schmitz von sichtbarem Vorteil für die Bevölkerung und Touristen. In „einem Bogen durch Zeit und Raum“ sollen an den exponierten Stadtorten „Rur-Marktplatz-Schlossplatz-Solarkraftwerk“ fünf überdimensionale Skulpturen den historischen Weg Jülichs von der Römerzeit über die Renaissance, die Napoleonische Zeit bis hin zur Gegenwart und Zukunft aufzeichnen.

In einem Zusammenschluss des Fördervereins Festung Zitadelle Jülich, des Jülicher Geschichtsvereins, des Jülicher Kunstvereins und mit der Unterstützung von Dr. Peter Nieveler wurde hierfür ein Initiativkreis „Neue Kunst im öffentlichen Raum“ gegründet, der das Projekt in die Wege leitet. Das Ziel ist, mit zeitgenössischer Kunst die Attraktivität der Innenstadt zu steigern und die Besucher von der Rur in die Stadt zu locken. Werbeaktionen sollen dazu dienen, das Interesse der Bevölkerung zu erkunden und die Geldmittel zur zeitnahe n Projektrealisierung zu sichern.

Im Programm des Fördervereins Festung Zitadelle werden zudem die Stadt- und Schlossf- sowie die reinen Stadtführungen zum Verständnis des Nachkriegswiederaufbaus fortgeführt. Am „Tag des offenen Denkmals“ (9. September) wird sich der Verein mit einer Ausstellung im Rahmen der Feiern zum Jubiläum 25 Jahre Museum der Stadt Jülich präsentieren.

Die Ehrungen

Der von Dr. Gerhard Kolb im weiteren Verlauf des Abends ausführlich präsentierte Kassenbericht verkündete „schwarze Zahlen“ und wurde von den Kassenprüffern bestätigt. Nach Entlastung des Vorstands wurden bei der Vorstandswahl alle zur Wahl vorgeschlagenen Vorstandsmitglieder einstimmig gewählt. Nach 25 Jahren Vorsitz des Fördervereins erklärte Conrad Doose seinen Rücktritt in den Beirat des Vorstandes und wurde von Dr. Urban mit einer Danksagung gewürdigt. „Conrad Doose hat Jülich geprägt wie seit den Jahren des Wiederaufbaus wohl keiner seiner Bürgerinnen und Bürger mehr“, sagte Urban.

Doose habe „das Bewusstsein für das historische Alleinstellungsmerkmal Jülichs in der Bevölkerung sowie bei Verwaltung und Politik geweckt“. Überrascht und von der Ehrung sichtlich gerührt, nahm Doose die Wahl zum Ehrenvorsitzenden an. Eine weitere Ehrung wurde dem Förderverein Festung Zitadelle Jülich selbst zuteil. Für 25 Jahre Mitgliedschaft in der NRW —Stiftung überreichte der Regionalbotschafter Friedhelm Kamphausen eine Urkunde und Anerkennung für die beispielhafte ehrenamtliche Arbeit im Bereich des Denkmalschutzes.

(mavo)
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