Florian Maßmann ist seit 15 Jahren bei Germania Lich-Steinstraß aktiv

Auch mit Rollstuhl : Auf dem Fußballplatz zu Hause

Seit seinem zehnten Lebensjahr ist Florian Maßmann überzeugter Lich-Steinstraß Fan. Dass er nicht selber kicken kann, hindert ihn nicht daran fester Bestandteil seines Vereins zu sein.

Fußball ist Florian Maßmanns Leben. Der 25-Jährige verbringt bis zu 15 Stunden in der Woche bei seinem Verein, dem FC Germania Lich-Steinstraß. Er ist Vorstandsmitglied und Betreuer, Mannschaftskamerad und Stadionsprecher. In der Kabine hält er Motivationsreden und beim Training holt er auch schon mal Wasser. Aus dem Vereinsleben der Germania ist er nicht wegzudenken.

Dabei hat Maßmann selbst noch nie Fußball gespielt. Von Geburt an sind die Nerven in seinem Rücken geschädigt und er ist deshalb auf den Rollstuhl angewiesen. Davon lässt sich der junge Mann aber nicht aufhalten. Er ist fit, spielt Rollstuhlbasketball in der Oberliga, hat eine Ausbildung zum Bürokaufmann abgeschlossen. Dass er bei der Germania als „ganz normaler 25-Jähriger“ gesehen wird, ist ihm sehr wichtig: „Trotz der Behinderung haben mich die Leute aufgenommen“, sagt er. „Jeder wird hier gleich behandelt, egal wie er aussieht oder wo er her kommt. Wir sind hier eine Familie.“

Seit 18 Jahren wohnt Maßmann in Lich-Steinstraß und ist schon fast genauso lange im Fußball aktiv. Zu seinem ersten Spiel ging er mit zehn Jahren, an einem Sonntag in der alljährlichen Sportwoche des Vereins. Damals spielte die erste Mannschaft der Germania noch in der Mittelrheinliga. „Ich fühlte mich sofort willkommen“, erinnert sich Maßmann. „Seit dem war ich Fan und habe mich mit vielen Spielern angefreundet.“

Nur wenige Jahre später, Maßmann war nun 14, suchte der Verein einen neuen Stadionsprecher und wandte sich an den jungen Fan. Die Entscheidung fiel ihm leicht: „Ich war ja sowieso bei jedem Spiel“, sagt er und lacht. Noch heute ist Maßmann die Stimme der Germania bei jedem Heimspiel. Hier kennt er nicht nur beinahe jeden Grashalm, sondern auch jede Stufe. Auswärts ist das nicht immer so einfach: „Es gibt schon Plätze, auf denen es umständlich ist mit dem Rollstuhl“, sagt er. „Manchmal wünsche ich mir, dass man überall Barrierefreiheit vereinheitlichen würde, aber meistens ist das kein Problem.“

Mitleid möchte der 25-Jährige auf keinen Fall. Maßmann sagt von sich selbst, dass er ein positiver Mensch ist, nur beim Thema Fußball wird er nachdenklich: „Manchmal denke ich: Da könntest du auch mitspielen, wenn das Schicksal es anders gewollt hätte“, sagt er. „Aber eigentlich ist der Rollstuhl in meinem Alltag gar nicht so präsent.“

Vor allem im Umgang mit seiner Familie und seinen Freunden im Verein sei seine Behinderung völlig nebensächlich. „Ich benutze zum Beispiel auch immer das Wort gehen“, so Maßmann. Zu Auswärtsspielen nehmen ihn oft Spieler mit, die ein großes Auto haben. Wenn es sein muss, packen dann auch mal alle mit an. Einen eignen Führerschein hat Maßmann noch nicht, möchte diesen aber unbedingt machen, um dann mit einem umgebauten Auto noch unabhängiger zu sein.

Sportlich schaut Maßmann positiv in die Zukunft, denn im Verein hat sich einiges getan. Mehrere neue Gesichter und auch ein neuer Trainer sollen in der neuen Saison den Erfolg bringen. Maßmann ist optimistisch. Er erinnert sich noch gut an die erfolgreichsten Tage der Germania: „Abends sitzen wir oft hier und erinnern uns an alte Zeiten“, sagt er und deutet auf den rustikalen Holztisch neben dem Platz. „Dann erzählen wir stundenlang.“ Es sind diese Momente, die der 25-Jährige besonders genießt. „Ich schätze das Familiäre“, sagt er. „Es ist eine eingeschworene Gruppe, die den Verein am Leben hält, was manchmal auch nicht immer leicht ist.“

Auch wenn die Saison noch nicht begonnen hat, ist Maßmann an diesem Wochenende sehr beschäftigt, denn das 26. Sommerturnier der Germania hat begonnen. Bis zum Finale am nächsten Sonntag wird in Lich-Steinstraß gespielt und gefeiert. Florian Maßmann hofft, dass viele Gäste kommen und der Platz genauso belebt ist wie damals bei seinem ersten Besuch.

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