1. Lokales
  2. Jülich

Jülich: Flammender Fingerzeig

Jülich : Flammender Fingerzeig

Am Dienstag debattieren Europaparlamentarier in Brüssel über die Reform der Zuckermarktordnung, Montag brannten in ganz Deutschland Mahnfeuer.

Angezündet hatten sie Rübenbauern, die in der künftigen Ausrichtung der Zuckermarktordnung existenzgefährdenden Charakter sehen. „Dieses Feuer steht für den symbolischen Fingerzeig im Hinblick auf die im Raum stehende Vernichtung vieler Arbeitsplätze in Europa, nicht zuletzt aber in NRW”, so der SPD-Landtagsabgeordnete Hans Günter Hafke, gleichzeitig Betriebsratsvorsitzender der Zuckerfabrik Jülich, wo am Tor Süd das Mahnfeuer loderte.

Zu diesem Zeitpunkt war Hafke schon in Berlin, um mit Bundespolitikern der SPD und Mitgliedern des NRW-Landesvorstandes der Gewerkschaft NGG die Brüsseler Pläne zu erörtern. Denn die sehen vor, den europäischen Zuckermarkt weitgehend zu öffnen, Importe aus Brasilien, Australien und andere Ländern zu erlauben.

Die Befürchtungen der hiesigen Rübenanbauern: Zuckerproduktion zu Dumpingpreise, der Verlust von Tausenden Arbeits- und Ausbildungsplätze. So zeigten sich denn nicht nur in Jülich Bauern, Arbeitnehmer sowie die Zuckerindustrie solidarisch, sondern auch in den anderen rheinischen Fabriken in Appeldorn, Euskirchen und Elsdorf brannten die Mahnfeuer, „als deutliches Signal des Protestes nach Brüssel.”

„Liebe Frau Agrarkommissarin. Lassen Sie die Bauern leben, sonst kommen wir nach Brüssel.” Deutlicher konnte die Warnung auf den Demoplakaten am Kreisel zur Jülicher Zuckerfabrik nicht sein, wo rund 150 Bauern lautstark gegen die Pläne zur Reform der Zuckerordnung demonstrierten.

„Wir müssen den politisch Verantwortlichen in Berlin und Brüssel einheizen”, so Bernhard Conzen, Vorsitzender der Kreisbauernschaft Heinsberg unter den Pfiffen der Landwirte, die sich um das Mahnfeuer am Südtor versammelt hatten. An zahlreichen Traktoren waren Galgen befestigt, an denen symbolisch der Rübenbauer zu Tode gewürgt wurde.

Doch soweit wollen es die Bauern nicht kommen lassen. Mit ihrem bundesweit geballten Protest möchten sie erreichen, dass die am Dienstag in Brüssel diskutierte Reform frühestens ab 2006 greift, denn sollte schon ab Juli 2005 die neue EU-Zuckermarktordnung kommen, dann, so die Schätzungen, sind tausende Arbeitsplätze in Gefahr.

„Alleine in unserem Kreis rund 1300 Arbeitsplätze, dazu noch 3000 Koppelarbeitsplätze. Dies wäre eine Katastrophe für die Region; Jülich würde zum zweiten Bochum”, befürchtet der CDU-Europaabgeordnete Armin Laschet, der „dringenden Handlungsbedarf sieht.”

Denn geplant ist, dass die Preise für Zuckerrüben in zwei Stufen um insgesamt 37 Prozent fallen, die Lieferquote um 16 Prozent gesenkt wird. „Die Folgen wären für uns katastrophal, zwei Drittel aller landwirtschaftlichen Betriebe müssten im Rheinland dichtgemacht werden. Dies werden wir zu verhindern suchen”, rief Contzen den Bauern in Jülich zu, der nochmals unterstrich, dass einzig und allein die großen Zuckerverwerter in Europa von dieser Reform profitieren würden.

„Nicht die 50 ärmsten Länder, für die die Neuordnung angedacht ist.” Unter dem Zischen des Mahnfeuers und im Schein zahlreicher Pechfackel forderte Contzen die Verantwortlichen zum Umdenken auf. „Es wird Zeit, dass denen in Berlin und Brüssel ein Licht aufgeht”, unterstrich er, dass wesentliche Grundelemente der Zuckermarktordnung bleiben müssten.

„Denn sonst springen auch die Zuckerfabriken über die Klinge.” Dies wären vier in der Region, wo zeitgleich ebenfalls die Mahnfeuer brannten.

„Das Rübenland brennt”, meinte denn auch ein 50-jähriger Landwirt. „Wir werden so oft wiederkommen, bis unsere Belange gehört werden. Wir lassen es nicht zu, dass ein ganzer Berufszweig vor die Hunde geht. Notfalls fahren wir nach Berlin, heizen denen ein, denn wir wollen unsere gut funktionierende ländliche Heimat nicht aufgeben. Niemals.”