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Fest der Kulturen in Jülich: Ausgelassene Begegnungen

Fest der Kulturen : Ausgelassene Begegnungen und ein Hauch Exotik

Beim 6. Fest der Kulturen in Jülich lassen sich die Besucher auch vom Wetter nicht abschrecken. Dazu sind die Begenungen und lukullischen Verführungen zu verlockend.

Bei den Vorbereitungen zum 6. Fest der Kulturen haben die Verantwortlichen mit der Stadt Jülich und dem federführenden Amt für Familie, Generation und Integration den Ablauf bis ins letzte Detail bestmöglich durchdacht und Hand in Hand mit den Teilnehmern geplant. Doch einer der wichtigsten Akteure, der heilige Petrus, wollte diesmal nicht mitspielen.

Wolkenbedeckter Himmel, stürmische Windböen, teils kräftige Regenschauer und spärlich dosierte Sonnenstrahlen verlangten Veranstaltern und Besuchern eine gehörige Portion Durchhaltevermögen ab. Wenn es ein Versuch der heiligen Prominenz war, das Engagement und Bereitschaft für die Idee einer ausgelassenen multikulturellen Begegnung zu prüfen, so wurde sie von den Jülichern glänzend bestanden. Ja, es flogen die Töpfe mit exotischen Pflanzen am Stand von Sri Lanka und der Chinesische Kulturverein musste einige allzu bewegliche Bänke wieder einfangen.

Davon unberührt übten jedoch gleichzeitig zahlreiche „wetterfeste“ Gäste neue Tanzschritte vor der Bühne ein, während andere den Wettereinbruch mit lukullischen Verführungen überbrückten. Allein der Libanesische Kulturverein wartete mit 17 verschiedenen Gerichten auf. Allein die Aufgabe, kiloweise Blattpetersilie haarfein zu hacken, musste von mehreren Mitgliedern der 55 Familien übernommen und, damit alles frisch bleibt, in der Nacht vor dem Fest bewältigt werden. Mit ebenso frisch zubereiteten Paella und diversen Tapas präsentierten ihr Land zum ersten Mal Frauen einer spanischen Familie aus Düren. Ihre Teilnahme am Fest beschrieben sie als „riesen Spaß“ nicht zuletzt, weil die Ehemänner deswegen einmal ganz alleine die Kinder hüteten. In der Nähe des Standes von Crisanta van der Linden wurden die Gäste vom würzigen Duft zum Genuss der traditionellen philippinischen Küche gelockt.

Es war ihnen dabei nicht bewusst, dass die Spende für ihre Gaumenfreude ein Waisenhaus im Süden der Philippinen unterstützt und im Norden des Landes einer jungen Familie zugutekommt. „Mit meiner Schwester und Tochter sind wir zum vierten Mal dabei“, erklärt die Philippinerin, „wir kochen und jedes Jahr erhält das Waisenhaus die Hälfte unserer Einnahmen. Die andere Hälfte unterstützt eine Familie mit Kleinkindern in unserem Heimatdorf.

Mit dieser Hilfe konnten sie sich ein kleines Häuschen bauen und jetzt langt es vielleicht auch für die Fenster“. Selbst dem Jülicher Bürgermeister war diese Reichweite des Festes womöglich nicht im vollen Umfang bewusst, als er stolz von einem Netzwerk aus Menschen vieler Nationen sprach. „Dieses Fest gehört seit zehn Jahren zur Kultur dieser Stadt“, bekräftigt Axel Fuchs. „Das wichtigste daran ist das gegenseitige Kennenlernen, wobei Freude und Spaß miteinander geteilt werden“. Diesen Spaß und zwischenmenschlichen Austausch ermöglichten nicht nur die kulinarischen Reisen sondern auch faszinierende Eindrücke beim Betrachten des Kunsthandwerks aus aller Herren Länder, eine Runde Simultan-Schach gegen die syrische Schachmeisterin Fatemah Aljelda am Flüchtlingsstand sowie ein vielfältiges Bühnenprogramm.

Wehmutige Klänge einer chinesischen Kniegeige wechselten hier mit feurigen Flamenco-Rhythmen. Orientalische und indische Tänze entführten in das Land der Märchen aus Tausendundeiner Nacht.

(mavo)