Jülich: Fast 100 Gründer aus der Region erhalten Starthilfe in Jülich

Jülich : Fast 100 Gründer aus der Region erhalten Starthilfe in Jülich

Ute Mennicken ist begeistert: „Der Vortrag war richtig gut. Ich kriege hier genau den Input, der mir fehlt, und habe gemerkt, dass ich zwei bis drei Stunden Unternehmensberatung brauche.“ Die Freiberuflerin produziert ihren eigenen Podcast zum Fachthema Pflegeberatung und meint das Referat „Marketing für Existenzgründer“ mit Carolin Salmon von der Lemm Werbeagentur.

Der Vortrag ist nur ein Beispiel aus zwölf Referaten zu gründungs- und unternehmensspezifischen Themen im Rahmen der regionalen Existenzgründermesse „Aufbruch“ in Jülich.

Auf geht‘s“: Kreisdirektor Georg Beyß begrüßt Mitstreiter zum „Forum für junge Unternehmen“ im TZJ-Palmengarten.

Veranstalter war die Gründerregion Aachen in Zusammenarbeit mit dem „Startercenter NRW“, Veranstaltungsort das Technologiezentrum (TZJ), der „Brutkasten für junge Unternehmen“, wie Kreisdirektor Georg Beyß lobend herausstellte. Jeweils drei Vorträge gingen zeitgleich an den Start. Damit alle der fast 100 Gäste von jedem Angebot profitieren konnten, wurden die meisten Referate zeitversetzt drei Mal gehalten.

Zu den insgesamt 36 Vorträgen zählten die der „Startercorner“, in dem sich drei Jungunternehmer vorstellten und von ihren Erfahrungen berichteten, denn: „Es ist immer besser, wenn Leute referieren, die selber erfolgreich gegründet haben“, sagte Peter Hütter, Pressesprecher der Gründerregion. Als erfolgreiche Starter sprachen Dr. Matthias Goßmann und Peter Lindner. Sie sind Gründer der am Jülicher Solarinstitut der FH Aachen ansässigen Firma „innoVitro“ und Gewinner des mit 10.000 Euro dotierten ersten Preises des AC2-Gründungswettbewerbs 2017/2018. Ihre Kernkompetenz liegt in der Messung von Zellkräften.

Ferner hielt Petra Nipps, Gründerin der Fitnesstudios „Bestform“ in Merzenich, „Körperformen“ in Düren und des in Jülich am Start stehenden EMS-Trainings, ein Kurzreferat genauso wie Peter Boeken vom „Asia Food Shop“ in Jülich. Entsprechend lebendig gestalteten sich die 15-Minuten-Vorträge. „Du darfst nie irgendwann mal schludern, die Leute bei guter Laune zu halten“, betonte zum Beispiel Petra Nipps, die vor der Existenzgründung etwa zu einer Analyse riet, „was an deinem Standort läuft“. „1200 Chinesen in Jülich sind 1200 leere Mägen“, unterstrich Peter Boeken im chinesischen Oberhemd, der mit seiner „speziellen Gründungsidee eigentlich seiner Frau Ying Zhi ein wirtschaftliches Standbein sichern“ wollte.

Hinzu kam dann der „menschlich kulturelle Aspekt, den Chinesen ein Stück Heimat zu geben und allen anderen ein bisschen Fernweh“, wie Boeken es ausdrückte, der in den drei Unternehmerjahren gemeinsam mit seiner Frau bislang „alle Ziele erreicht hat“. Ein wichtiger Aspekt im Vortragsreigen waren auch „FrauenUnternehmen — da ist mehr drin“ mit der Individual Marketing-Beraterin Birgit Krug. Denn „Gründerinnen sind unterrepräsentiert, sie schätzen ihre Fähigkeiten geringer ein und haben eine ambivalente Einstellung zum Thema Geld“, wie Krug zusammengefasst betonte. Im Gegenzug bereiten sich Frauen „deutlich besser vor und scheitern weniger“. Also: Größer denken, höhere Honorare, mehr Anteil bei gemeinsamen Unternehmen, mehr fordern, mehr Mut, motivierte die Beraterin. „Zögern Sie, weil Sie Angst haben oder ein Risiko sehen? Dann kalkulieren Sie das Risiko“, ermunterte Krug.

Im Außenbereich präsentierte sich ferner Michael Ansorge, Geschäftsführer von „Smart Coasting“, ein erfolgreiches Unternehmen im Sektor E-Mobilität mit praktischen Anschauungs- und Erprobungsmodellen. Zudem hatten sich 39 Einrichtungen mit Infostand zu einem Gründerparcours formiert, darunter Gründungsberatungen, Netzwerke und Gründungen aus Hochschulen. Individuelle Kurzberatungstermine konnten genutzt werden. Ein Zusatzangebot der Kontaktknüpfung war die Visitenkartenwand. Insgesamt ging in der Gründerregion Aachen die 16. Gründermesse an den Start, davon die vierte in Jülich.

„Es geht darum, zu sensibilisieren, Kontakte herzustellen und Wege zu ebnen“, sagte Hütter. „Die (zündende) Idee ist wichtig, im Vordergrund steht aber die Unternehmerpersönlichkeit“, weiß TZJ-Geschäftsführer Carlo Aretz Neugründer einzuschätzen. 32 Unternehmen sind im Technologiezentrum angesiedelt, seit fünf Jahren gab es keine einzige Insolvenz. Kreisdirektor Georg Beyß: „Wenn es die Gründungsmesse nicht gäbe, müssten wir sie sofort erfinden.“

(ptj)
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