Jülich: Familie Jasper hofft auf ein schimmelfreies Leben

Jülich: Familie Jasper hofft auf ein schimmelfreies Leben

In dieser Woche soll das neue Leben von Ulrike und Michael Jasper begonnen haben. Es soll wie das alte sein, allerdings vor dem Wasserrohrbruch, den zunächst niemand bemerkt hatte.

Michael Jasper will noch nicht so recht daran glauben, dass das Leben seiner Frau und seines wieder in normalen Bahnen ablaufen kann, weil die Wohnung nicht mehr von Schimmelsporen verseucht ist. Ein unabhängiger Gutachter war am Montag da, die Untersuchungsergebnisse hat Jasper noch nicht. Es würde das Ende von Chaos-Monaten sondergleichen für das Ehepaar bedeuten. „Wir würden uns ja sehr freuen, wenn das so wäre“, sagt der Rentner, zuckt mit den Schultern und nickt bei der Frage, ob er Zweifel daran hat. Denn die vergangenen Monate haben ihn skeptisch werden lassen.

„Da ist so viel schiefgelaufen, so viel Mist passiert. Die wollten uns alle verarschen“, sagt er und betont, dass er den Handwerkern und den Mitarbeitern der Stadt immer gesagt habe, dass was nicht stimmt. „Die ganze Wohnung war verschimmelt. Das ganze Haus“, sagt der 70-Jährige, der an der Jülicher Oststraße im Dachgeschoss einer Immobilie zur Miete wohnt, die der Stadt gehört und die die Stadt ansonsten als Flüchtlingsheim nutzt. Die Jaspers zahlen einen vergleichsweise günstigen Mietpreis, auch, weil die Wohnung von Beginn an einige Mängel aufgewiesen habe, um die sich Jasper selbst gekümmert habe. Als gehoben dürfte der Standard nicht bezeichnet werden, wenn die Wohnung als Mietobjekt inseriert würde.

Seit 22 Jahren wohnen Jasper und seine Frau im Dachgeschoss an der Oststraße. Im April haben sie die Hälfte ihrer Wohnung aufgegeben, das Schlafzimmer mit dem Wasserbett, von dem er sagt, dass er es braucht, weil er darin schmerzfrei liegen kann. Und das Wohnzimmer. Ein Sofa als Schlafplatz haben sie aufgestellt in einer anderen Ecke der Wohnung, die so weit wie möglich weg ist vom Rohrbruch. „Ich habe allergisches Asthma“, sagt Jasper. Keine Nacht habe er vorher schlafen können, ohne viel zu husten.

Erst nach dem Umzug innerhalb der Wohnung im April sei es besser geworden. Im Krankenhaus war er, da sei festgestellt worden, dass er auf Schimmel reagiert hat. Das war, bevor der Wasserrohrbruch gefunden wurde. „Die Leute von der Stadt haben zu uns gesagt, dass wir schlecht lüften“, erzählt Jasper, wie seine Beschwerden aufgrund seiner allergischen Probleme zunächst heruntergespielt worden seien. Eineinhalb Jahre sei das so gegangen. Im April dann habe eine Firma den Kamin zwischen Badezimmer und Schlafzimmer aufgestemmt. Und da sei der Rohrbruch sichtbar geworden. „Da war klar, dass die Sache ein Versicherungsfall ist“, sagt Walter Beginen vom Immobilienmanagement der Stadt.

„Das war die nächste Schweinerei“, berichtet Jasper. Er selbst war Handwerker. Und er habe den Männern der Firma gesagt, dass sie das Schlafzimmer, in dem der Kamin aufgestemmt wurde, abdecken müssten. „Haben sie aber nicht. Danach war alles versaut und verschimmelt“, sagt Jasper. Es kam noch schlimmer. Die ursprünglich beauftragte Firma beseitigte den Schaden nur oberflächlich, das Schimmel-Problem kam schnell zurück und breitete sich aus. Jasper sagt, er habe auch das von Anfang an moniert, auch der Stadt gegenüber. Und niemand habe ihm geglaubt.

„Da bin ich dann auch ein paarmal laut geworden“, spricht der 70-Jährige darüber, dass die Situation seiner Frau und ihm an die Nerven gegangen sei. Sie hatten die Theorie, dass die Stadt sie aus der Wohnung rausekeln wollte. Tatsächlich gab es ein Angebot der Stadt, den Jaspers beim Umzug zu helfen. „Das haben wir gemacht, weil es für uns besser wäre, wenn wir das gesamte Haus für Flüchtlinge nutzen könnten“, erklärt Beginen. Von einer Räumungsabsicht könne aber nicht die Rede sein. Die Jaspers hätten nicht gewollt und damit sei das Thema vom Tisch gewesen.

Erst als ein Gutachter Jaspers Verdacht bestätigt habe, dass der Schaden nicht behoben war, sei wieder Bewegung in die Schimmel-Sache gekommen. „Die ausführende Firma hat das nicht vernünftig gemacht“, bestätigt auch Beginen rückblickend. Die Stadt habe Druck auf die Versicherung ausgeübt. Eine andere Firma wurde beauftragt, den Schaden zu beheben. Das sei mittlerweile passiert.

In einer der tiefer gelegenen Wohnungen, in der Flüchtlinge untergebracht sind, musste die Stadt ran. Sie hat alles herausgerissen wegen des Schimmelbefalls. Auch das sei abgeschlossen. Bleibt noch das Ergebnis des Gutachtens abzuwarten. Die Stadt will das Thema Schimmelbefall an der Oststraße abschließen, die Jaspers wollen endlich wieder die gesamte Wohnung nutzen können. Versöhnlich stimme sie das Angebot der Hausratversicherung der Stadt, die gesamte Wohnung noch einmal professionell gegen Feinstaub zu behandeln und die Kleidung des Paars reinigen zu lassen. „Wir wollen hier einfach wieder normal leben können“, sagt Michael Jaspers.

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