Jülich: Fallzahlen an unbegleiteten Minderjährigen mit steigender Tendenz

Jülich: Fallzahlen an unbegleiteten Minderjährigen mit steigender Tendenz

Die Flüchtlingsproblematik hat sich innerhalb eines Jahres zu einer bestimmenden Herausforderung der Gesellschaft entwickelt. Sie reicht hinein bis in die Gerichtsbarkeit — bis vor den Richtertisch im Jülicher Amtsgericht.

Doch nicht die Ahndung von Straftaten beschäftigt das Amtsgericht. Es geht vielmehr um das Wohl unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge, Kinder und Jugendliche also, die sich entweder allein auf den Weg nach Deutschland gemacht haben oder auf dem Fluchtweg von ihren Eltern oder Verwandten getrennt wurden. „Für diese Minderjährigen bestimmt das Gericht in Absprache mit dem Jugendamt, wer die Betreuung übernimmt“, verdeutlicht Rainer Harnacke, Direktor des Jülicher Amtsgerichts.

In der Jahresbilanz weist die Kurve der Betreuungssachen „unbegleitete minderjährige Flüchtlinge“ deutlich nach oben — mit anhaltender Tendenz. „Wir haben allein in den ersten sechs Tagen im Januar elf Anträge erhalten“, so Harnacke.

Aufwändig

Die Verfahren sind (zeit)aufwändig. In der Regel muss ein Dolmetscher hinzugezogen, Recherche nach Eltern, Geschwistern Verwandten betrieben werden, bis in enger Absprache mit dem Jugendamt eine Betreuungsperson bestimmt wird. Die kümmert sichbeispielsweise um so elementare Angelegenheit wie die Schulanmeldung, den Arzt- oder Behördenbesuch. „Ich gehe davon aus, die die Zahl dieser Fälle steigen wird“, meint Harnacke mit Blick auf die Prognose künftiger Flüchtlingsströme nach Deutschland.

Das Jülicher Amtsgericht verfügt über drei Familienrichter, die in diesem Bereich eingesetzt werden können.

(ojo)
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