Faire Woche in Jülich

Faire Woche : Für ein bisschen Unabhängigkeit

In der fairen Woche in Jülich dreht sich vieles rund um die Themen Upcycling und Recycling. Viele der gefertigten Waren stammen von Frauen, die durch den Verkauf gefördert werden sollen.

„Die Kunden und ehrenamtlichen Mitarbeiter des Jülicher Weltladens bescheren indigenen Familien eine Lebensexistenz“. So drückt es Beisitzerin Marzena Vomberg anlässlich eines Gesprächs in der fairen Woche aus, die am Freitag endete.

Durch Upcycling und Recycling von Materialien, die die Familien in ihrer Umgebung finden, können sich vor allem Frauen ein Stück Unabhängigkeit aufbauen, in ihrer Heimat bleiben und etwa die Kinder zur Schule schicken. „Wer seine Heimat verlässt, ist entwurzelt für sein ganzes Leben“, weiß Vomberg. Die Ehrenamtlerin deutet auf einen Präsentationstisch, auf dem nur kunstvoll gefertigte Waren aus Frauenhand liegen, denn die faire Woche hat vor allem die Förderung des „schwachen“ Geschlechtes zum Thema. Wie alle anderen kunsthandwerklichen Dinge im Weltladen sind es „außergewöhnliche Sachen, die ihre Geschichte erzählen“.

Beispiele sind kleine Schmuckkörbchen, die Indianerinnen in einem Dorf, in dem nur 800 Menschen leben, geflochten haben, oder Silberschmuck aus der Hand mexikanischer Frauen. Gezeigt werden auch exotisch gearbeitete Taschen aus kambodschanischen Fischernetzen, zu 80 Prozent sind Frauen an der Herstellung beteiligt. Die meisten der handgefertigten Unikate sind mit dem Namen der Künstlerin versehen, das Produkt erhält ein Gesicht.

Ein weiteres außergewöhnliches Beispiel sind spezialgefertigte Ketten aus halbierten oder ganzen Paxiuba-Samen aus dem Regenwald, wo zumeist Frauen jeden einzelnen Samen aufsammeln. „Ein lebendiges Stück Afrika“ ist ferner ein Baobab-Setzling, aus dem ein afrikanischer Affenbrotbaum wächst, als Bonsai oder ausgewachsen – in sehr vielen Jahren. Wie läuft der faire Handel in Jülich seit dem Umzug an den Marktplatz vor knapp einem Jahr? „Wir sind zufrieden“, resümieren Vomberg und die zweite Vereinsvorsitzende Susanne Rosenland.

Das ehrenamtliche Team ist auf 22 Mitarbeiter, darunter ein Mann angewachsen, und hat sich damit mehr als verdoppelt. Weitere helfende Hände sind gerne gesehen. „Die Kunden nehmen den Laden sehr gut an, wir leben hier auch von der Laufkundschaft“, resümiert Vomberg. „Wir werden aber nicht reich. Für eine hauptamtliche Kraft reicht es nicht“, streift sie die finanzielle Situation. Damit reicht es dann auch nicht, konkrete Projekte der sogenannten Drittländer zu unterstützen. Der Weltladen in Jülich, der seit neun Jahren vom Verein getragen wird, feiert am 6. Oktober sein zwölfjähriges Bestehen. Da dieser Tag im Rahmen des Erntedankfestes verkaufsoffen ist, beteiligt sich der Weltladen mit einer Weinprobe von 13 bis 18 Uhr.

(ptj)