Fahrradfahren in Jülich: Gefahrenstellen und verwirrende Radwege

Fahrradfahren in Jülich : Wenn der Radweg ins Leere führt

Radfahren in Jülich: spaßig oder gefährlich?

Wo muss ich denn jetzt lang? Wer mit dem Rad in Jülich unterwegs ist, stellt sich diese Frage des Öfteren. Fahrradwege führen einfach ins Nichts, enden abrupt oder schicken den Radler direkt in den fließenden Verkehr.

Das ist auch den Teilnehmern des Jülicher Stadtradelns vergangenen Juli aufgefallen. Sie hatten die Möglichkeit, potenzielle Gefahrenstellen online zu melden. Über 100 Beschwerden sind dabei eingegangen. Laut dem Klimaschutzmanager der Stadt Jülich, Sebastian Ross, konnten aber noch nicht alle beantwortet werden. Ziel ist es, potentielle Gefahrenstellen nachträglich zu verbessern und sicherer zu machen.

Ein Beispiel findet sich auf der großen Rurstraße, an der Ecke Am Aachener Tor. An der Ampel wird man darauf aufmerksam gemacht, dass der Radweg in 15 Metern endet. Doch statt auf einem gekennzeichneten Weg, der auf die Straße führt, findet sich der Radler vor einer Parklücke wieder. Was von da an passieren soll, bleibt ein Rätsel. Auf dem Gehweg weiter fahren oder das Rad auf die Straße heben, mitten in den fließenden Verkehr?

Nur wenige Meter weiter direkt vor dem Rathaus, diesmal auf der anderen Straßenseite: Auch hier endet der Fahrradweg abrupt. Diesmal wird zwar mit einer einzelnen, schräg auf die Fahrbahn führenden Linie der Weg erkennbar, sicher ist das ganze aber nicht. Während die Ampel für den Fahrradfahrer grün wird, dürfen auch die Autofahrer wenige Meter weiter hinten losfahren. Dem Fahrradfahrer wird somit der Weg abgeschnitten. „Hier fehlt eine klar markierte Einfädelspur auf die Fahrbahn“, merkt auch ein Stadtradler auf der Internetseite an.

An der Kreuzung Große Rurstraße und am Aachener Tor endet der Radweg an einer Parklücke. Foto: Kim Statzner

Auch Tanja Malchow, die sich im Verein ProRad für die Belange von Fahradfahrern einsetzt, sind die abrupt endenden Radwege schon aufgefallen: „Das Radfahren in Jülich empfinde ich als noch gefährlicher als in Düren. Man weiß als Rad­fahrer oft gar nicht, wo man fahren soll und manchmal gibt es am Radweganfang keine Möglichkeit, darauf aufzufahren, weil eine Bordsteinabsenkung fehlt. Außerdem enden Radwege oft völlig unerwartet – in manchen Fällen sogar einfach in der Bestuhlung der Außengastronomie von Restaurants.“

Auf die Beschwerde des Stadtradlers antwortete die Stadt Jülich, dass „in diesem Bereich eine Baumaßnahme geplant“ ist. Diese bezog sich jedoch auf einen Umbau der angrenzenden Bushaltestelle. Im Zuge der Ergänzung taktiler Streifen auf dem Gehweg hätte womöglich auch der Radweg verbessert werden können. Das ist aber nie passiert, denn die Baumaßnahme wurde bisher nicht in Angriff genommen.

Dass die Große Rurstraße ein Problem für Radfahrer darstellt, ist auch Klimaschutzmanager Ross bewusst. Im Rahmen des Integrierten Handlungskonzeptes (InHK) sollen Mobilitätskonzepte und Verkehrsführung in Jülich neu gedacht werden.

Aber was ist bis dahin zu tun, wenn kein klar gekennzeichneter Fahrradweg zu sehen ist oder dieser einfach aufhört? Sollte der Fußweg nicht für Fahrradfahrer freigegeben sein, ist die Devise immer erstmal, auf der Straße zu fahren. Auch auf klar gekennzeichneten Fußgängerüberwegen haben Fahrradfahrer nichts zu suchen. Hier muss, laut Polizei, abgestiegen oder mit dem rechten Fuß auf dem linken Pedal „gerollert“ werden.

Vor dem Rathaus auf der Großen Rurstraße, Ecke Kleine Kölnstraße führt der Radweg direkt auf die Straße in den fließenden Verkehr. Foto: Kim Statzner

Und an welche Ampel muss sich der Fahrradfahrer halten? Das kommt ganz darauf an, wo er gerade langfährt. Ist kein Fahrradweg gegeben und der Radler befindet sich auf der Fahrbahn, muss er sich an die Ampel der Autos halten. Sollte er sich auf einem gekennzeichneten Radweg oder einem freigegebenen Fußweg befinden, muss er sich an die Fußgängerampeln halten.

Eines ist klar: Intuitives Fahrradfahren ist in Jülich schwer. Nur wer häufig mit dem Rad unterwegs ist, kennt kleine Tricks und weiß, wo er lang muss. Aber auch für Erfahrene gilt: Beim Fahrradfahren ist äußerste Vorsicht geboten.

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