Inden/Altdorf: Exkursion zum Tagebau auf dem Weg zum Klimagipfel in Paris

Inden/Altdorf: Exkursion zum Tagebau auf dem Weg zum Klimagipfel in Paris

Ein bewährtes Trio in Sachen „Bewahrung der Schöpfung“ bereichert den „Ökumenischen Pilgerweg für Klimagerechtigkeit“ mit einem Exkursionstag ins Rheinische Braunkohlerevier.

Es setzt sich zusammen aus dem „Verein zur Förderung kirchlicher Umweltberatung in der katholischen Kirche“ (FKU), dem Evangelischen Kirchenkreis Jülich und der „Projektorganisation Regionale Ölpflanzennutzung“ (P.R.O. e.V.). Der von Kirchen und kirchlichen Organisationen in Deutschland und Frankreich veranstaltete Pilgerweg führt von Flensburg über Trier oder von Ludwighafen über Metz nach Paris, wo ein neues internationales Klimaabkommen beschlossen wird.

Das zweideutig zu verstehende Motto des Pilgerweges „Geht doch“ meint sowohl die Aufforderung, sich auf den Weg zu machen als auch als Feststellung, damit ein Ziel zu erreichen. Die teilnehmenden (Etappen)Pilger und Aktivisten aus der ganzen Welt machen im Vorfeld auf ihrem 1470 Kilometer langen Weg von der dänisch-deutschen über die deutsch-französische Grenze durch Workshops und politische Aktionen auf die globale Dimension des Klimawandels aufmerksam. Dabei wird spirituelle Besinnung mit politischem Engagement verbunden.

Entgegen der ursprünglichen Pilgerwegsplanung wird es an Punkt sieben seiner zwölf Etappen am Donnerstag, 29. Oktober, eine Exkursion von Köln ins Rheinische Braunkohlerevier zum Thema „Baunkohletagebau und seine Auswirkungen“ geben. „Wir möchten vor allem die auswärtigen Pilger erreichen, die noch nie einen Tagebau gesehen haben und gar nicht wissen, welche Auswirkungen der Braunkohleabbau auf die Natur und die Menschen hat“, sagt FKU-Vorsitzender Reiner Lövenich. Das sei oft nicht einmal in den nicht vom Tagebau betroffenen Nachbarkommunen hinreichend bekannt.

Dabei seien doch die „Umweltbelastung durch die Tagebaue und die Braunkohleverstromung in den Kraftwerken der eigentliche Grund, warum die Pilger nach Paris gehen“, so Lövenich. Den Beteiligten in der Region sei vor allem eine sich an Daten und Fakten orientierende Diskussion über alternative Energiegewinnung wichtig, verbunden mit der Überlegung, was danach kommt. Beispiele belegen, dass Kirchengemeinden Windräder über Genossenschaften aufstellen und darüber Stellen finanzieren, das sei auch mit Solardächern möglich. Vor allem die Biomasse solle stärker in den Fokus gelangen. Die dafür benötigten Pflanzen könnten nach dem Vorbild von Dr. Nicolai Jablonowski (Forschungszentrum Jülich) vor Ort erzeugt werden.

„Klimawandel findet jetzt statt. Die Bewahrung der Schöpfung ist Gottesdienst“, betonte P.R.O. e.V.-Vorsitzender Hans-Peter Katz. So sei zum Beispiel naturbelassenes Rapsöl ein „geeigneter Dieselersatz, nimmt niemandem die Nahrung weg“ und könne beim Pressvorgang in Gestalt des neben dem Öl entstehenden Presskuchens als Sojaschrotersatz in der landwirtschaftlichen Tierhaltung verfüttert werden.

„Im Bereich der evangelischen Kirche braucht keiner mehr fossile Energie. Alle Gemeinden haben eine Photovoltaikanlage und sparen damit bis zu 40 Prozent CO2 ein“, betont Hans Stenzel, seit 1978 Beauftrager für Energie- und Umweltfragen des Kirchenkreises Jülich. Auch könnten Gemeindemitglieder über einen Naturstrom-Rahmenvertrag „grünen Strom“ beziehen.

Thema des Vorgesprächs zum ökumenischen Pilgerweg war auch die Enzyklika „Laudato si“ (Gelobst seist du), in der Papst Franziskus sich vor allem für soziale Gerechtigkeit und einen nachhaltigen Umwelt- und Klimaschutz einsetzt, etwa im Kapitel „Ökologische Erziehung und Spiritualität“.

(ptj)