Jülich: „Evangelische Standpunkte“: Gast aus Marokko würzt den Europa-Dialog

Jülich: „Evangelische Standpunkte“: Gast aus Marokko würzt den Europa-Dialog

Großen Aufwand musste das Organisationsteam im Vorfeld der Auftaktveranstaltung der Reihe „Evangelische Standpunkte“ leisten, denn aus Sicherheitsgründen — schließlich war EU-Parlamentspräsident Martin Schulz in der Jülicher Zitadelle zu Gast — mussten alle Besucher namentlich bekannt sein.

Knapp 500 Anmeldungen waren registriert worden, als sich am Samstag bereits eine Stunde vor Beginn die ersten Besucher einfanden. Sie wurden im Tunnel am Ende der Pasqualini-Brücke von farbigen Lichtspielen empfangen, die bei der Firma M-Tec Veranstaltungstechnik gebucht worden war.

Drinnen im PZ des Gymnasiums Zitadelle war nicht nur den Bestuhlungsvorschriften Rechnung getragen worden, sondern die Sicherheitsbeauftragte Pascale Lutterbach achtete auch akribisch darauf, dass sämtliche Fluchtwege in der Halle frei blieben.

Derweil hielt Elke Bennetreu, Leiterin der Evangelischen Erwachsenenbildung im Kirchenkreis Jülich, Kontakt mit „Ehrengast“ Martin Schulz und dessen Chauffeur, der die Abfahrt in Würselen per SMS übermittelte. Das prominent besetzte Podium lockte nicht nur viele Interessierte an, sondern auch etliche politische Weggefährten von Martin Schulz. So wurden unter anderem MdB Dietmar Nietan, der Landtagsabgeordnete Peter Münstermann sowie etliche kommunale SPD-Größen im Saal gesichtet.

Eigens aus Marokko eingeflogen war Samuel Amédro für die Veranstaltung, der Präsident der Evangelischen Kirche von Marokko. Der Geistliche nutzte die Gelegenheit, die Wut der in Marokko gestrandeten Flüchtlinge zu formulieren, die nicht verstehen können, warum Europa die Zuwanderung als Bedrohung empfindet und Menschenrechte missachtet, um die Außengrenzen der Festung dicht zu halten. Der Geistliche aus Nordafrika, für den Achim Schwabe als Dolmetscher fungierte, gab der Diskussion eine gewisse Würze, denn die Flüchtlingspolitik ist kein Schlager im Europawahlkamp. Gleichwohl stellte sich Martin Schulz auch dieser Diskussion mit Vorschlägen und Argumenten, die ihm wohl nicht nur Zustimmung einbringen werden, weil sie in der Bevölkerung kaum mehrheitsfähig ist, wie er beinahe resignierend gestand: „In 20 Jahren hat sich nichts geändert.“

Bevor der EU-Parlamentspräsident abschließend zum Stift griff, um sein Buch zu signieren, das an diesem Nachmittag am Stand einer örtlichen Buchhandlung erworben werden konnte, überraschte Elke Bennetreu die Diskutanten und Moderator Joachim Zinsen jeweils mit einem Strauß Rosen und einem Brot als Abschiedsgeschenk.