Jülich: Euregio Jazz Festival: Rechnung der Veranstalter geht auf

Jülich: Euregio Jazz Festival: Rechnung der Veranstalter geht auf

Zum vierten Mal infolge ging die Rechnung der Veranstalterkooperative auf. Das in alter Jazztradition als Kneipenrallye organisierte „Euregio Jazz Festival“ war ein voller Erfolg. Dank großzügiger Spenden vom Kreis Düren und der Sparkasse Düren konnten sich die Jazzclubs Jülich und Vaals, der Jazzverein Aachen und „Hot Jazz Verviers“ eine fünfte Band in einem zusätzlichen Lokal leisten.

„Ein erfolgreiches Konzept, das sich dank der Sponsoren trägt. Jeder zahlt eine Band, eine bezahlen wir gemeinsam“, so brachte Reinhold Wagner, Vollblutmusiker und Vorsitzender des Jazzclubs Jülich, die Organisation auf den Punkt. Wer in der Innenstadt unterwegs war, erspähte hier und da Kleingruppen in Bewegung. Doch die Lokale waren gut besucht bis brechend voll, die Stimmung war top. Erstklassige Soli ernteten Zwischenapplaus, die Jazzliebhaber nickten im Takt mit den Köpfen und wippten mit den Füßen. Sie schienen Wagners Meinung zu teilen, der am Rande der Veranstaltung betonte: „Jazz ist nur Jazz, wenn er swingt“.

Die in der Region beliebte New-Orleans Jazzband „Sun Lane Limited“ aus Aachen bringt Tanzstimmung ins „Café Liebevoll“. Foto: Jagodzinska

Seit 39 Jahren zusammen

Mit Swing, Latin und Mainstream bringt das Aachener „Revival Quartett“ Jazz-Feeling ins „Caseus & Vinum“ Foto: Jagodzinska

Im „Café Liebevoll“, wo traditionell die in der Region beliebte New-Orleans Jazzband „Sun Lane Limited“ aus Aachen aufspielte, tanzte eine Dame ununterbrochen zum dichten Sound der sieben Hobby-Jazzer, die seit 39 Jahren in fast unveränderter Besetzung zusammenspielen. Sie jazzten unter anderem „Big Jim“ aus der Feder des norwegischen Jazzmusikers und -komponisten Marius Neset. „Besonders locker drauf“ war nach Besuchermeinung die „Barbetons Jazzband“ im „Café Fleur“.

So nennt sich die humorvolle achtköpfige Formation aus Vaals/Niederlande, die mit Easy Living Jazzstandards begeisterte, darunter „Just a little while to stay here“. Für ein ungewöhnlicheres Bild in einer traditionellen Jazzcombo sorgte zudem Altsaxofonistin und Klarinettistin Barbara van der Matten. „Hier geht gerade die Post ab“, wurden Besucher beim Betreten des „Bistro am Schwanenteich“ begrüßt. Und richtig, Christian Schröder, Drummer beim „Ali Claudi Trio“, faszinierte die Gäste mit einem lautstarken minutenlangen Solo zu „Samba these days“ von Aloysio de Oliveira.

Überhaupt handelt es sich beim „Ali Claudi Trio um das kleinste Jazz-Quintett“, denn Pianist Hans-Günther Adam spielt gleichzeitig den Pedalbass, Gitarrist Ali Claudi singt und moderiert. Zum breit gefächerten rockigen Jazz-Repertoire mit Blues-Elementen zählten auch „Hallelujah“ von Ray Charles und der portugiesische Bossa-Nova-Song „Chega de Saudade“ (Schluss mit der Sehnsucht) von Antonio Carlos Jobim, Vater des Bossa-Nova. Die Gitarre übernahm den Moll-Teil, das Piano den Dur-Part des Stücks.

„Pure Spielfreude“

Vier ergraute Senioren in dunklen Anzügen ließen in schummriger Beleuchtung im hinteren Bereich der Gloria-Schänke die Anfangsjahrzehnte des vergangenen Jahrhunderts wach werden. Eine Zeit, in der der Himmel noch blau war und die Schlager noch von Liebe und Reisen erzählten. So stellte es jedenfalls Jörg Kuhfuß, Sänger und Trompeter von „Papa Tom‘s Jazz GmbH“ bei der Anmoderation des Songs „My blue heaven“ dar. Die swingende Leichtigkeit der Jazzer, die mit ihren handgemachten Stücken wie „Molly and me, and baby makes three, we‘re happy in my blue heaven“ gelungenen „Jazz zum Anfassen“ machten, übertrug sich auf die Zuhörer. Da hatte beispielsweise auch der ursprünglich aus der Marschmusik kommende Klassiker „It‘s a Long Way to Tipperary“ seine Berechtigung.

Man benötigte ein wenig Geduld und Gelassenheit, um im „Caseus & Vinum“ in Sichtweite des „Revival Quartetts“ zu gelangen. Doch auch wer nichts sehen konnte, kam auf seine Kosten, denn mit ihrer Musik erreichte die Aachener Formation um Professor Rolf Theenhaus auch den letzten Winkel im lang gezogenen Lokal. Mit Klangjuwelen aus der Welt des Latin-Jazz oder des Swing bot das Quartett ein dem anspruchsvollen Ambiente lukullischer Köstlichkeiten entsprechendes musikalisches Äquivalent. In einer Spielpause fasste ein begeisterter Zuhörer seine Eindrücke zusammen: „Unglaublich, wie perfekt die einzelnen Musiker selbst bei Improvisationen aufeinander eingehen. Das ist pure Spielfreude, die mich als Jazzfan so richtig mit in die Musik hineinzieht.“

(ptj/jago)