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Lamersdorf: Erstkommunion nach altem Ritus

Lamersdorf : Erstkommunion nach altem Ritus

„Was bedeutet Passah? Was bedeutet Mazze? Was bedeuten die bitteren Kräuter?”, fragen die Jüngsten traditionell beim jüdischen Passahmahl den Hausherrn. Nein, es handelt sich nicht um ein Schauspiel, sondern ereignet sich im Rahmen der umfangreichen Erstkommunionvorbereitung von Amelie Loevenich und Lara Lövenich und ihren Familien, inklusive Großeltern und Tante.

„Hausherr” im Lamersdorfer Pfarrhaus ist Pastoralreferent Ralph Loevenich, der die beiden Familien in ihrer Vorbereitungsphase begleitet hat.

Trotz des gleichen Namens besteht keinerlei Verwandtschaftsgrad unter den beteiligten Familien. Die beiden Mädchen haben sich im Kindergarten kennengelernt und sind mittlerweile Freundinnen geworden.

„Es macht insgesamt Sinn, wenn auch die Familie als Katechet eingebunden ist. Es ging uns um die Inhalte, nicht um Ort und Uhrzeit des Erstkommuniongottesdienstes”, erklärt Laras Vater, Reiner Lövenich, die Beweggründe des Alleingangs außerhalb der Kommunionvorbereitung im Indener Pfarrverbund, der dort teilweise auf Befremden gestoßen ist.

Der Pastoralreferent hingegen steht voll hinter den Familien: „Eigentlich stelle ich mir die Kommunionvorbereitung so vor. Entscheidend ist ja das Beziehungsgeschehen. In Südamerika kommen durchaus zehn Familien in der Vorbereitung ihrer Kinder so zusammen”, betont er.

Wie Amelie und Lara und ihre Angehörigen später bemerken, erinnern viele Riten aus dem Passahmal wie die Händewaschung oder das Gebet zur Gabenbereitung an die Feier der Eucharistie. „Schalom chaverim” heißt das erste gemeinsam gesungene Lied aus dem Anhang des „Gotteslob”. Es folgen der „Kiddusch”, der Lobpreis des Festes und die „Haggadah”, der Bericht vom Auszug aus Ägypten in mehreren Teilen.

Auch hier stellen die Mitfeiernden Fragen wie „Warum essen wir dieses ungesäuerte Brot?”, allesamt beantwortet vom „Hausvater”: „Passah” ist das Osterlamm, das Osteropfer Jahwes, „Mazze” das ungesäuerte Brot der Tränen, Bitterkraut Zeichen der Versklavung und Traubenmus erinnert an die Lehmziegel zum Bau der Pyramiden.