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Jülich: Erneut Brandstiftung in der Innenstadt

Jülich : Erneut Brandstiftung in der Innenstadt

Ein oder mehrere Unbekannte haben am Montagabend Strohballen und Baumscheiben in einer Toreinfahrt an der Kleinen Rurstraße neben direkt einem Frisör- (Körfer) und einem Sportgeschäft (aixtra) in Brand gesetzt.

Ein 50-jähriger Jülicher bemerkte rechtzeitig den Qualm sowie Lichterschein hinter dem Haus und alarmierte aus einem nahe gelegenen Geschäft heraus gegen 17.41 Uhr die Feuerwehr, die mit dem ersten Löschzug anrückte, wie die Polizei mitteilte. Die Flammen waren schnell gelöscht.

Die Kriminalpolizei nahm sogleich die Ermittlungen auf. Durch die Hitze wurden die Deckenbeleuchtung sowie eine Metallverkleidung an der Einfahrt beschädigt. Da auch die hinter der Verkleidung liegenden Kabel zerstört wurden, führte dies zu einem Telefonausfall im betroffenen Haus.

Wie Ulrich Backhausen und Arnold Rosenbaum, Vorstandsmitglieder der Straßengemeinschaft Kleine Rurstraße/Grünstraße, auf Anfrage berichten, war bereits am letzten Donnerstag, 4. November, ein Brand in dem Innenhof dieses Hauses entdeckt worden.

Dabei waren Teile des Daches der Krippe der Straßengemeinschaft, die in der Vorweihnachtszeit am Grünen Haus aufgebaut wird, zerstört worden. Jemand habe wohl eine brennende Kippe unachtsam weggeworfen, war da noch die Meinung.

Dies erscheint spätestens nach dem zweiten Zwischenfall am Montag in einem anderen Lichte. Die nun angesteckten Strohballen sind noch Restbestände vom Erntedankfest, wie Backhausen erläuterte.

Während der Landwirt, der im Auftrag der Straßengemeinschaft die Ballen angeliefert hatte, diese nach dem Stadtfest wieder abgeholt habe, habe ein Geschäftsmann noch Ballen zurückbehalten und dort zwischengelagert - vermutlich für die Weihnachtsdekoration in seinem Geschäft, so Backhausen.

Die Einfahrt sei normaler Weise verschlossen. Die im Tor eingelassene „Schlüpftür” soll aber am Montagabend offen gestanden haben.

Anwohner besorgt

Backhausen ist besorgt angesichts der möglichen Auswirkungen, die diese erneute Brandstiftung mitten in der engen Bebauung der Jülicher Innenstadt hätte haben können.

Auffallend sei, dass diese kriminelle Tat kurz nach dem Jahrestag (6. November 2003) der schweren Brandkatastrophe in Jülich begangen wurde.

Ende letzten Jahres waren sechs Menschen im giftigen Qualm des Schwelbrandes in einem Haus an der Grünstraße umgekommen - trauriger Höhepunkt einer Serie von Brandstiftungen in der Herzogstadt.

Dieses Haus liegt nur einen Steinwurf von dem aktuellen Tatort vom Montagabend entfernt. „Da läuft es einem eiskalt den Rücken runter”, sagte Backhausen.

Wie sich herausstellte, war seinerzeit ein Jülicher Feuerwehrmann der Brandstifter. Er wurde zwischenzeitlich verurteilt (wir berichteten ausführlich).

Erschreckend sieht es am Haus in der Grünstraße aus, in der sechs Menschen - darunter eine fünfköpfige Familie - im Herbst umgekommen waren. Neben den zum Jahrestag niedergelegten Blumen wurden Kerzen umgestoßen, ist flüssiges Wachs auf den Gehsteig geflossen.

Ein Unbekannter hat „Natural Born Killer” an die Wand gesprayt. Dies ist der Titel eines umstrittenen Films von Oliver Stone über ein berüchtigtes Killer-Pärchen Amerikas.

Auf Nachfrage erklärte der Dürener Polizeisprecher Willi Jörres, dass der Staatsschutz in Aachen wegen des „sensiblen Umfeldes” über den erneuten „Brandfall” informiert worden sei, aber derzeit nicht ermittle.

Wer hat am Montagnachmittag bzw. -abend etwas Auffälliges im Umfeld des Tatortes in der Kleinen Rurstraße bemerkt. Wer hat eventuell jemanden in die Toreinfahrt gehen sehen? Wer kann Angaben zu der Schmiererei an der Wand des Hauses an der Grünstraße machen?

Sachdienliche Hinweise bitte an die Polizei unter 02461/ 6270 oder 02421/949-245.