Engelsdorf: Erneuerte Brücke führt zum Denkmaltag auf Burg Engelsdorf

Engelsdorf : Erneuerte Brücke führt zum Denkmaltag auf Burg Engelsdorf

„Ich habe noch nie jemanden gesehen, der sich so in der Denkmalpflege engagiert hat.“ Das sagt Konrad Doose, langjähriger Vorsitzender des „Fördervereins Festung Zitadelle“ Jülich und renommierter Denkmalschützer im Kreis.

Die Rede ist von den Eheleuten Maria und Juan Fernandez, die 1986 die mittelalterliche Burg Engelsdorf am Merzbach, nördlich von Aldenhoven, „übernommen und unter persönlichem Verzicht so viel investiert haben“. Mit der Restaurierung des Nordwestflügels der zweiteiligen rheinischen Wasserburg, genannt „Palas“, mit seinem weithin sichtbaren, stufenförmig konstruierten südwestlichen „Schaugiebel“, ist die Burg wieder Baudenkmal von großer burgengeschichtlicher und lokalhistorischer Bedeutung und repräsentative Landmarke, mit Sichtverbindung zu den umliegenden Höfen.

Darüber hinaus „überstrahlt die Familie Fernandez mit ihrer bildenden Kunst die Landmarke“, weltweite Verbindungen des Künstlerehepaars sind entstanden. Das passt zum Motto des bundesweiten Tages des offenen Denkmals am 9. September im laufenden Kulturerbejahr: „Entdecken, was uns verbindet“. Dabei können Teile der Burg besichtigt werden. Dabei geht es allerdings nicht um Kunst, sondern um kulturhistorische Aspekte.

Mittelalterliche Erschließung

Als verbindendes Element sticht die Brücke der ehemaligen Wasserburg ins Auge, die „mit Sicherheit genauso alt ist wie die Burg selbst“, die zweijährigen Restaurierungsarbeiten sind nun abgeschlossen. „Bei der Brücke handelt es sich um die ehemalige mittelalterliche Erschließung der Hauptburg von der Vorburg aus“, erklärt Architekt Ekkehard Kandler. Die Brücke verband demnach die Vorburg mit der Hauptburg und war der einzige Zugang. Auf dem Gelände der ehemaligen Vorburg befinden sich heute die Ateliers des Künstlerehepaares. Von der alten Brücke war etwa die Hälfte in die Teichseite abgerutscht und völlig zugewachsen.

Die erhaltene Substanz gab jedoch ausreichend Anhaltspunkte für die Instandsetzung, denn die Bögen auf der Wegseite waren vollständig erhalten. Ursprünglich gab es nur zwei Brückenbögen, die bis zu einer Klappbrücke reichten, die von der Burg aus hochgeklappt werden konnte. Spätestens im 18. Jahrhundert hat man diese Klappbrücke beseitigt und dieses dritte Feld auch mit einem gemauerten Bogen versehen. Errichtet ist die Brücke aus Feldbrandsteinen, also Ziegeln, die vor Ort „im Feld“ in Meilern gebrannt worden sind. Sie sind im Format flacher, dafür aber etwas länger als heutige Ziegel im Normalformat. Als Mörtel kam Kalkmörtel zum Einsatz, also eine Mischung aus Kalk und Sand, denn Zement gab es im Mittelalter nicht. Einzelne Natursteine wurden an Ecksituationen integriert.

Eine Besonderheit ist die Wiederherstellung des historischen Pflasters aus runden Steinen, die man in Fließgewässern findet, im Volksmund auch „Katzenköpfe“ genannt. Familie Fernandez barg die Steine mühsam aus dem Schlamm und säuberte sie. Nicht nur die Brücke war einsturzgefährdet, auch die morsche Stützmauer der höher gelegenen Burg und des Palas musste saniert werden. Großes Engagement bei der Gesamtmaßnahme zeigte Kunstschreiner Ignacio Fernandez, Sohn des Künstlerehepaars.

300 Jahre alte Kastanie gerettet

„Mehr als eine Meisterleistung“ sei laut Doose auch sein Beitrag bei der Restaurierung der vollständig erhaltenen Spindeltreppe aus einem einzigen, zehn Meter langen Eichenholzstamm im quadratischen Treppenturm im Winkel von Palas und Burgflügel gewesen.

Gefördert wurde die Brückensanierung vom Denkmal-Sonderprogramm IV des Bundes, der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und dem Förderverein Zitadelle, der seit zehn Jahren seinen finanziellen Beitrag zum Erhalt der Burg Engelsdorf leistet. Eine „enorme Eigenleistung der Familie Fernandez“ war Voraussetzung für die Förderungen. Gerettet wurden im Übrigen nicht nur Brücke und Mauer, sondern auch eine 300 Jahre alte Kastanie, die älteste im weiteren Umfeld. Die Bauarbeiten gingen um den Baum herum, sollte er kippen oder gefällt werden müssen, sind die Arbeiten problemlos weiterzuführen.

Weil der „Tag des offenen Denkmals“ das künstlerische Schaffen der Fernandez‘ nicht thematisiert, sind das heutige Wohngebäude im wiederholt umgebauten Nordostturm und die Ateliers des Künstlerehepaares nicht in die Führungen integriert. Gezeigt werden das Palas und die Brücke. „Wir versuchen immer, die Balance zwischen privat und Denkmal zu halten“, unterstreicht Maria Fernandez. „Das Gewicht der Jahrhunderte strahlt eine tiefe Gelassenheit aus. Das ist ein wunderbares Fundament für unser Schaffen“, bringt Juan Fernandez abschließend eine weitere Verbindung ins Spiel

(ptj)
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