Erhalt der Villa Buth als Kongresszentrum für das Forschungszentrum?

Erhalt der Villa Buth : Auferstehung als Kongresszentrum?

Wenn Dr. Ing Stephan Kronholz, Vorsitzender der Dorfgemeinschaft Zukunft Kirchberg, über die Villa Buth spricht, gerät er schnell ins Schwärmen.

„Sie gilt als einziges noch erhaltenes, unverfälschtes Denkmal ihrer Art in NRW, mit altem Baumbestand, einem stufig angelegten Park, durch den der Mühlenteich fließt, einem Musiktempel, einer Grottenanlage und einem römischen Sarkophag“, beschreibt er das denkmalgeschützte Gebäude, das seit Jahren verfällt. Den Verfall will Kronholz stoppen und macht dazu einen bemerkenswerten Vorschlag: Das Forschungszentrum könnte sein geplantes Kongresszentrum doch in der Villa Buth realisieren.

Vor dem Verfall retten

Auf die schwierige Geschichte dieses Gebäudes aufmerksam zu machen, ist für die Kirchberger Dorfgemeinschaft nicht nur in den vergangenen Monaten ein wichtiger Punkt gewesen. Zwei Jahre lang hatte eine Projektgruppe von Schülern des Heilig-Geist-Gymnasiums in Würselen mit ihrem Lehrer Timo Ohrndorf die Geschichte des Hauses recherchiert, das im März 1941 für mehr als 150 Bürger jüdischen Glaubens als Zwischenstation auf dem Weg in die Vernichtungslager diente. Für Kronholz ist diese Historie des Gebäudes wichtig, deshalb hat die Dorfgemeinschaft auch Vorträge zu dem Thema organisiert.

Genauso wichtig ist ihm aber auch die Frage, wie man die imposante Villa vor dem Verfall retten kann. Als die Projektgruppe im Februar die Ergebnisse ihrer Arbeit präsentierte, war es Timo Ohrndorf, der eine Hoffnung äußerte: „Die Villa bewahrt die Erinnerung an jeden einzelnen Menschen, der hier gelebt und gelitten hat. Eine Restaurierung wäre ideal, das Haus könnte zum öffentlich zugänglichen Denkmal werden, den Opfern des Nationalsozialismus würden Namen gegeben.“

Auch Stephan Kronholz wünscht sich eine Restaurierung des Denkmals: „Dass eine Restaurierung und neue Nutzung durchaus gelingen kann, zeigt aktuell das Beispiel von Gut Kaisersruh zwischen Würselen und Aachen.“ Das wurde, nahezu komplett verfallen, zu einem Sitz für Unternehmen und Firmengründer wieder aufgebaut. Als Kronholz nun Ende Februar aus unserer Zeitung erfuhr, dass das Forschungszentrum über den Bau eines Kongresszentrums nachdenkt, war für ihn klar, dass das passen könnte.

„Eine Begegnungsstätte für das gesamte Rheinische Revier als Innovationsraum soll entstehen, auch mit Kapazitäten für kulturelle Veranstaltungen. Was also liegt näher als das mehrstöckige Gebäude ‚Villa Buth’ mit fast 1000 Quadratmetern Wohnfläche wieder nutzbar zu machen? Auf mindesten drei Etagen könnten mehrere Veranstaltungsräume/Hörsäle untergebracht werden. Genügend Fläche für weitere Infrastruktur, wie zum Beispiel ein angebundenes Hotel, ist auf dem Grundstück reichlich vorhanden“, listet Kronholz auf.

Eine langfristig angelegte Nutzung als Konferenzzentrum bedeute zudem Planungssicherheit für Eigentümer und Investoren, und mache die notwendigen Investitionen möglich. Kronholz weiter: „Dabei könnten Fördergelder genutzt werden, etwa aus dem Strukturwandel des Reviers (für das Forschungszentrum), aus der Denkmalpflege sowie für den Erhalt von historisch bedeutenden Gebäuden.“ Und selbst die vom Forschungszentrum geforderte Anbindung ihres neues Kongresszentrums an die Schiene wäre in Kirchberg mit der geplanten Reaktivierung der Strecke Jülich-Aachen via Kirchberg umsetzbar.

„Grundsätzlich sind wir für jeden Vorschlag dankbar und deshalb werden wir uns diese Idee anschauen“, sagt Jochen Mohr vom Forschungszentrum. Allerdings gebe es noch keine konkreten Pläne für das Kongresszentrum: „Im Moment ist es auch bei uns nur eine Idee. Den Bedarf für Tagungen und Kongresse gibt es, und je schneller man den Bedarf decken kann, um so besser.“ Dennoch: Einen konkreten Zeithorizont gibt es auch im Forschungszentrum noch nicht.

Eichhorn: Eher ein Gästehaus

Das könnte aber zu dem passen, was der Eigentümer der Villa, Hellmuth Eichhorn, präferiert – eine eher mittelfristige Planung, für die er auch bereit wäre, Geld zu investieren. Auch Eichhorn begrüßt die Idee, sieht die Villa aber eher als eine Art Gästehaus für exklusive Gäste und nicht als Kongresszentrum. Eichhorn: „Dafür ist es mit 1100 Quadratmetern zu klein.“

Eichhorn bemüht sich seit Jahrzehnten, eine Nutzung für die denkmalgeschützte Villa zu finden. „Es gab schon viele tolle Ideen, aber bisher war nicht eine davon auch nur annähernd realisierbar. Die hohen Investitionen über Mieten wieder hereinzuholen, ist außerordentlich schwierig“, betont er, zumal er auf das Areal nicht verzichten kann, weil es für das Wellpappenwerk das einzige Entwicklungspotenzial darstellt.

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