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Jülich: Entsetzen über im Handstreich gekürzte Museumsmittel

Jülich : Entsetzen über im Handstreich gekürzte Museumsmittel

Mit schlichtem Unverständnis und Entsetzen ist die Nachricht bei Museumsleiter Marcell Perse angekommen: Im laufenden Jahr wird er zehn Prozent seines - natürlich Mitte des Jahres verplanten und zum Teil schon ausgegebenen - Etats verlieren.

So ist es letzte Woche in der Stadtratssitzung bei der Verabschiedung des Haushaltes 2007 beschlossen worden. Völlig unvorbereitet trifft ihn diese Kürzung, die auf keiner Tagesordnung als Diskussionspunkt aufgeführt war.

Verursacht haben soll diese offenbar nicht nur für das Museum überraschende und unvorhersehbare Kürzung Claus-Hinrich Neuenhoff in der jüngsten Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses am 15. Mai. Als die politischen Vertreter bereits vor der Abstimmung und Beschlussempfehlung für die Ratssitzung gewesen seien, habe der FDP-Chef die Hand gehoben und eine zehnprozentige Kürzung des Museumsetats gefordert - um ein Zeichen zu setzen.

Wenn von rund 111.000 Euro 11.000 wegfallen, klinge das laut Museumsleiter Perse für Unbeteiligte nach einer großen Einsparung und so, als wäre mit 100.000 Euro das Museum Jülich immer noch gut ausgestattet. Allerdings sei die Stadt mit ihrem Zuschussvorschlag bereits unter dem Ansatz der Forderungen durch das Haushaltssicherungskonzept geblieben.

Was den Museumschef aber am stärksten trifft, ist die Tatsache, dass es sich bei seinem Etat überwiegend um Fixkosten handelt. Den größten Teil - nämlich rund 80000 Euro - machten fixe Kosten seines Arbeitsplatzes und Büros aus. Damit sei also in der Realität ein großer Teil seines Haushaltsgeldes festgelegt, mit dem unter anderem Ausstellungen und Präsentationen bestritten werden.

Das Museum als Anziehungspunkt in Jülich bringt jährlich über 10.000 Menschen in die Stadt, „die hier auch einkaufen und Kaffee trinken”, wie Perse unterstreicht. Zusätzlich hat das Museum vom Land für die Übernahme des Museumsbetriebes in der Zitadelle einen jährlichen Betrag von über 170.000 Euro Landesmittel erarbeitet, die als Aufträge an Unternehmen und Personen in Jülich vergeben werden. Zehn Menschen stehen bis heute durch das Museum Zitadelle in Arbeit. „Dafür bekäme ich in der freien Wirtschaft schlicht den Innovationspreis”, macht Marcell Perse seinem Unmut sarkastisch Luft.

Sparpotential gibt es aus Sicht des Museumsleiters kaum. Über geringere Öffnungszeiten Kosten zu senken, hält Perse für wenig effektiv: Es gibt keine besucherschwachen Tage, und die Zahl 10.000 Besucher sei eine „magische Grenze”, die unbedingt gehalten werden sollte. Höhere Eintrittsgelder helfen dem Haushalt des Museums ebenfalls nicht auf die Sprünge. Dieser Versuch ist bereits im Jahr 2000 gescheitert.