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Kultur trotz Pandemie: „Endlich neue Formate ausprobieren“

Kultur trotz Pandemie : „Endlich neue Formate ausprobieren“

Kulturveranstaltungen in Zeiten einer Pandemie zu organisieren war 2021 ein Problem. Auch 2022 wird das nicht leichter werden. Trotzdem will das Kulturbüro der Stadt Jülich aktiv werden.

Wenn Nadine Klingebiel einen Wunsch für 2022 hat, dann ist es mehr als nur der Versuch, die Kultur in Jülich wieder zu reaktivieren. Ja, es gibt noch Kulturveranstaltungen, eben auch die, die Klingebiel organisiert, aber die Zeiten für Kulturveranstaltungen sind aus ihrer Sicht in der Pandemie deutlich schwerer geworden. Und das hat nicht immer etwas mit der Einhaltung von Corona-Schutzregeln zu tun. Natürlich spielt eine Rolle, dass man teilweise 2Gplus-Regeln befolgen muss oder zweieinhalb Stunden mit einer Maske in einem Raum sitzt. Aber: „Die Menschen sind verunsichert und wer heute ein Ticket kauft, weiß nicht, ob die Veranstaltung dann stattfindet und wie die Spielregeln dann tatsächlich sind“, sagt Nadine Klingebiel.

Dabei könnte sie veranstaltungstechnisch im übertragenen Sinne fast aus dem Vollen schöpfen. Für größere Kulturveranstaltungen wurde auch als Ersatz für die abgerissene Stadthalle die Kulturmuschel im Brückenkopf-Park gebaut, kulturell bespielt wurde sie bisher nur einmal – im August 2021 mit dem Kabarettisten Dave Davis. Abstände sind dort perfekt einzuhalten, wenn für bis zu 1500 Personen bestuhlt werden kann. Der Ticketverkauf für Veranstaltungen läuft aber seit Monaten so schlecht, dass Klingebiel lieber in den Kulturbahnhof geht. Bei René Steinberg war das beispielsweise so, dabei ist der Kabarettist im Rundfunk dauerpräsent. Klingebiel: „Mit 50 Besuchern geht man nicht auf Abstand in die Muschel, sondern lieber in den kleineren Kulturbahnhof.“

Apropos Muschel: Natürlich sind dort weitere Kulturveranstaltungen für 2022 geplant, auch wenn man sich im Brückenkopf-Park mit Terminen und Namen noch bedeckt hält. Bisher gibt es offiziell nur einen Termin, für den man aktuell Tickets kaufen kann: Am 27. April soll das 2020 ausgefallene und 2021 erneut verschobene Konzert mit der international bekannten Jazz-Funk-Band Shakatak endlich nachgeholt werden. Die Band will bundesweit zwischen Hamburg, Bonn, Dortmund, Berlin und Jülich Konzerte geben – auch in diesem Fall immer unter Coronavorbehalt.

Klingebiel ist nicht die einzige Veranstalterin, die die Erfahrung macht, dass derzeit Kultur nur sehr schwer an Mann und Frau zu bringen ist. Umgekehrt erfährt sie aber immer wieder die positive Resonanz: „Die Menschen, die zu unseren Veranstaltungen kommen, sind für das Angebot extrem dankbar und betonen das auch.“ Aus den Unwägbarkeiten der Pandemie hat Klingebiel eine einfache Lehre gezogen: klein planen – erweitern (sprich vom KuBa in die Muschel umziehen) kann man immer noch. Nicht unbedingt die Pandemie hat die Kulturtreibenden in Jülicher enger zusammengeführt, aber sie hat sie umgekehrt auch nicht entzweit.

„Als ich 2019 die Leitung des Kulturbüros übernommen habe, stand von Anfang an auf meiner Liste, die bestehenden Kooperationen weiter zu vertiefen.“ Und das bezieht sich nicht nur auf Veranstalter wie den Kulturbahnhof oder das Veranstaltungsmanagement im Brückenkopf-Park. Das Kulturbüro der Stadt organisiert nicht nur Events wie Kindertheaterveranstaltungen oder Kabarettabende (aktuell sind sieben Veranstaltungen im ersten Halbjahr terminiert), sondern ist schwerpunktmäßig auch im Bereich der kulturellen Bildung tätig. Gerade im Bereich der Arbeit für Kinder und Jugendliche kooperiert das Kulturbüro für Reihen wie den „Kulturrucksack“ oder die „Kulturstrolche“ mit Einrichtungen wie der Stadtbücherei, dem Museum oder der Musikschule, aber auch mit externen wie Künstlern oder Tanzschulen.

Der Wunsch, Kultur in Jülich wieder zu reaktivieren, ist natürlich nicht das einzige Stichwort, das auf der Liste von Nadine Klingebiel für 2022 steht. „Mir fehlt die Opernfahrt. Das schmerzt mich und ich hoffe, dass wir die im September oder Oktober wieder anbieten können“, sagt sie. Und, dass sie neue Veranstaltungsformate ausprobieren kann, „dass wir überhaupt unsere Ideen wieder umsetzen können“.