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Linnich: Eltern gefordert, auf die Kinder einzugehen

Linnich : Eltern gefordert, auf die Kinder einzugehen

„Wir möchten nichts dramatisieren, wir möchten informieren”, stimmte die Linnicher Sozialarbeiterin und Leiterin der KOT, Elke Jäger, die etwa 70 Zuhörer, unter ihnen 20 Jugendliche, auf das Informationsforum „Brandherd Drogen” im Linnicher Martinuszentrum ein.

„Natürlich sind Drogen nicht speziell ein Linnicher Problem, aber es gibt sie in Linnich und es geht jetzt darum, die Kräfte zu bündeln”, pflichtete Diakonand Arnold Hecker seiner Vorrednerin bei.

Ein Betroffener kam zu Wort, der vom Drogenbeauftragten der Dürener AWO, Toni Hecker, betreut wird: Als Adoptivsohn kannte der ehemalige Abhängige keine materiellen Sorgen. Im Gegenteil: teure Reisen und Klamotten waren ihm sicher. Aber ihm fehlte die notwendige Zuwendung von Seiten der Adoptiveltern, die ihm als 18-Jährigen die Tür wiesen.

„Familienersatz” suchte er schon früh in einer Clique, die übermäßig Alkohol konsumierte. Folgen waren beispielsweise Führerscheinentzug wegen Trunkenheit am Steuer.

Durch neue Freunde lernte er die illegale Droge Cannabis kennen, die auch er bald täglich mehrfach konsumierte, um „den Kopf frei zu kriegen”. Unbezahlte Rechnungen häuften sich. Das Thema „Schuldenfalle” wurde für ihn zum Problem.

Beim Einführen von Drogen nach Deutschland wurde er schließlich erwischt und landete für kurze Zeit „im Knast”. Dort fasste er endgültig den Entschluss, von seinen alten Freunden Abstand zu nehmen und sein Leben zu ändern, was ihm mit Toni Heckers Hilfe auch gelang.

Wie Dr. Mechthild Pauels, Psychiaterin des Dürener Gesundheitsamtes bestätigte, ist das Drogenproblem hauptsächlich ein Beziehungsproblem.

Besonders, wenn Jugendliche Drogen als „Heilmittel” einsetzen, ist das Abhängigkeitsrisiko sehr hoch.

Hier sind also die Eltern gefordert, nach Meinung unseres Betroffenen wie auch der Fachleute, „wirklich auf ihre Kinder einzugehen und ihnen ein guter Freund zu sein”.

Der nach Aussage des Kriminalbeamten der Dürener Polizei, Wilfried Thönessen, vor 25 Jahren praktizierte Leitsatz „Viel Strafe nützt auch viel” ist auf jeden Fall der falsche Weg.

Einen umfassenden Überblick über Wirkung und Abhängigkeit der nach seinen Worten „stark verherrlichten Droge Cannabis” gab Toni Hecker, der wie Elke Jäger täglichen Umgang mit unter Drogenproblemen leidenden Jugendlichen hat.

Der Drogenbeauftragte erwähnte den besonders auf das Gehirn wirkende Cannabis-Inhaltsstoff THC und mahnte, auch eine seelische Abhängigkeit nicht zu verharmlosen.

Weiterhin veranschaulichte er die katastrophale Wirkung der „in Alchimistenküchen hergestellten Partydroge Ecstasy”, die den Körper tagelang Müdigkeit oder Durst vergessen lässt, was unweigerlich zum Kollaps führt...

Lebhafte persönliche Gespräche mit den Fachleute schlossen sich den Podiumsvorträgen an.

Bei Fragen oder Problemen können sich Ratsuchende vertrauensvoll an die AWO-Selbsthilfe Sucht wenden: in Jülich 02461/8492, in Düren 02421/224890 oder im Notfall 0171/7856541.