Neu gestaltete Kirche : Einsegnung der Jugendkirche im Nordviertel

Neu gestaltete Kirche : Einsegnung der Jugendkirche im Nordviertel

„Endlich haben junge Menschen, die sich für Kirche interessieren, einen Raum, den sie selbst gestalten können. Vielleicht bringen sie sogar uns zum Nachdenken.“ Das sagte Propst Josef Wolff anlässlich der Einsegnung der neu gestalteten Jugendkirche St. Franz Sales im Jülicher Nordviertel.

„Man muss auch jemanden haben, der verrückt genug ist, all diese Anträge zu stellen“, setzte er nach und übergab das Mikro Pastoralreferentin Barbara Biel, die maßgeblich an der Umsetzung des Fünfjahresprojekts beteiligt war. Letztere stellte zum Thema Jugend ein Zitat des griechischen Philosophen Sokrates einem von Papst Franziskus gegenüber. Während Sokrates um 420 vor Christus der Jugend die Liebe zum Luxus, schlechte Manieren, Respektlosigkeit und vieles mehr vorwarf — viele Zeitgenossen seien heute noch dieser Meinung — sprach der Papst hingegen vor 70.000 italienischen Jugendlichen vom Gegenteil von „ich“, nämlich „wir“. „Damit Träume groß werden, brauchen Jugendliche eine Quelle der Hoffnung“, unterstrich Biel.

„Erwachsene haben oft Angst vor den Träumen der Jugendlichen“, auch im Fall Jugendkirche „waren Skepsis und Gegenwille sehr groß“. Doch gemeinsam wurden mit „Kopf, Herz und Hand Wege gesucht und gefunden“ für den barrierefreien Umbau unter Federführung des Architekten Bernd Schopen und die Inneneinrichtung inklusive IT-Ausstattung. 100.000 Euro mussten zusätzlich eingeworben werden. Zu den Förderern zählen unter anderem das Bistum Aachen, die Aktion Mensch, viele Geldinstitute und Einzelspender, nicht zuletzt die „Leader Region Rheinisches Revier an Inde und Rur“.

„Die Zukunft von Kirche sehe ich darin, einander zu fördern, aufeinander zuzugehen“, betonte Wolff in seinen Dankesworten an die Ortsgemeinde: „Es ist nicht selbstverständlich, sich darauf einzulassen.“ In seiner Eigenschaft als Kirchenvorstandsvorsitzender nannte der Propst den Betrag von 145.000 Euro. Alleine die Hälfte der Kosten habe die Barrierefreiheit und der Einbau einer Toilette verschlungen.

Mit dem Aspergil (Weihwasserbesprenger) segnete Wolff im romantisch beleuchteten Innenraum die fertiggestellte Jugendkirche ein, woraufhin Biel die große Kerze anzündete. Die Jugendlichen Julia und Lasse lasen aus dem biblischen Buch Genesis vor, und zwar „mit dem (elektronischen) Medium der Jugendlichen“. Alle Mitfeiernden wurden gebeten, auf der Rückseite einer roten Postkarte mit Emblem der Pfarrei „Heilig Geist“ und der weißen Aufschrift „Gottes Geist macht Mut“ eine Bitte für die Jugendlichen in ihren neuen Räumlichkeiten zu hinterlassen.

Die Gäste wurden auf einen Austausch bei alkoholfreiem Sekt und Knabbereien eingeladen, bevor die „Nacht der offenen Kirchen“ an den Start ging. In diesem Rahmen war die Jugendkirche in gewohnter Manier kreativ, musikalisch und multimedial unterwegs.

(ptj)
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