Jülich: Einrichtungen wie das Altenzentrum St. Hildegard werden immer wichtiger

Jülich: Einrichtungen wie das Altenzentrum St. Hildegard werden immer wichtiger

Können hochmoderne Einrichtungen wie das Altenzentrum St. Hildegard in Jülich überleben? Eine Frage, die angesichts der demografischen Entwicklungen und der enormen Kostensteigerungen im Gesundheitswesen sicherlich im Hinblick auf die kommenden zwei Jahrzehnte dringend beantwortet werden muss.

Nicht nur von der Politik, sondern auch von den Krankenkassenträgern. Dies jedenfalls hoben sowohl Zentrumsleiter Rudolf Stellmach als auch der Geschäftsführer des Caritasverbandes Düren-Jülich, Dirk Hucko hervor, als sie sich mit dem Bundestagsabgeordneten Thomas Rachel (CDU) zu einem Informationsaustausch trafen.

Dass eine Unterbringung in einem Alten- und Pflegeheim irgendwann einmal in einer Familie diskutiert wird, ist wohl sehr wahrscheinlich.

Vor diesem Hintergrund machten denn auch Zahlen, die sich ausschließlich auf den Kreis Düren bezogen, nachdenklich. Im Jahre 2030 wird es 25.000 Menschen mehr geben, die älter als 65 Jahre sind. Gleichzeitig werden 25.000 Menschen im Alter von 18 bis 64 Jahren weniger dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen.

„Die Zahl der älteren Menschen steigt stetig, die Anzahl von jetzt 880.000 Altenpflegerinnen und -pflegern reicht bei weitem nicht aus, um den Fachkräftemangel zu beheben”, beschrieb Stellmach bei einem gemeinsamen Rundgang durch St. Hildegard ein Problem, dem sich Versicherungsträger und die Politik stellen müssten. Vor diesem Hintergrund stellte Rachel klar, dass die Auffassung der Bundesregierung, „dass der Pflegeberuf auch ohne Abitur möglich bleiben wird, richtig ist.” Das hat der Gesundheitsausschuss im EU-Parlament ja mittlerweile auch beschlossen und sich damit, wie die Bundesregierung, gegen den Vorschlag der EU-Kommission gestellt, die Zugangsvoraussetzungen zur Krankenpflegeausbildung von zehn auf zwölf Jahre Schulbildung heraufzusetzen.

Dass der Caritasverband ohne ehrenamtliche Kräfte nicht den angedachten Standard, zum Beispiel im Ambulanten Hospizdienst, erfüllen könnte, hob Hucko hervor. „Ohne unsere 80 Ehrenamtler im gesamten Kreis sehen wir alt aus.”

Auch in St. Hildegard wäre es um den täglichen Pflegedienst schlecht bestellt, würden sich nicht ständig ehrenamtliche Kräfte um die bis zu 25 Personen kümmern, die am Tage in Obhut des Altenheimes sind. Sie werden zum Beispiel von den Ehrenamtlern morgens abgeholt und abends wieder nach Hause gefahren. Ein Engagement, das er allen seinen Mitarbeitern bescheinigte, die in dem im Jahre 1986 eröffneten Altenpflegeheim mit dem großzügigen Raumangebot (46 Doppelzimmer und 60 Einzelzimmer) arbeiten.

Dass die Zahl der pflegebedürftigen Menschen zunimmt, diese Erfahrung machen nicht nur Rudolf Stellmach und Dirk Hucko. Laut Statistischem Bundesamt ist die Zahl der Empfänger von Hilfen zur Pflege im Jahre 2010 um rund fünf Prozent auf nunmehr 411.000 gestiegen.

Ein Alarmsignal sagen Sozialverbände und damit auch der Caritasverband Düren-Jülich. Der aber eines durch Stellmach und Hucko herausstellte: „Man kann die Arbeit, die Familienmitglieder zu Hause für ihre Pflegebedürftigen leisten, nicht hoch genug anerkennen und bewerten.”

Dass man in St. Hildegard auch die Infrastruktur vorhalten will, machte der Zentrumsleiter seinem Besucher zum Beispiel an einer Sanitärarmatur deutlich. An der konnte nicht nur das Waschbecken, sondern auch der separat angebrachte Spiegel elektronisch in der Höhe verstellt werden. „Eine tolle Sache, für Patient und Pfleger hervorragend, aber diese eine Waschvorrichtung kostet 10.000 Euro.”

Die von Rudolf Stellmach genannte Zahl verschlug dem Bundestagsabgeordneten im wahrsten Sinne des Wortes die Sprache. Dass das Risiko, durch Pflegebedürftigkeit in die Armut abzurutschen, seit Jahren steigt, macht auch die Tatsache deutlich, dass die staatlichen Ausgaben für Hilfe zur Pflege auf mehr als 3,4 Milliarden Euro jährlich angewachsen sind. Pflegebedürftig sind in Deutschland knapp 2,4 Millionen Menschen, drei Viertel der Empfänger von finanziellen Hilfen leben in Heimen. Die durchschnittlichen Kosten in der höchsten Pflegestufe liegen dabei bei rund 2900 Euro im Monat, wovon die Pflegeversicherung jedoch nur rund 1500 Euro übernimmt. Wie kann man dieser Kostenentwicklung begegnen? Stellmachs klare Antwort.

„Dies geht nur über eine Regelfinanzierung.” Ein Gedanke, den der Politiker Thomas Rachel „grundsätzlich nicht schlecht findet.” Wie Kosten gesenkt werden können und Geld eingespart werden kann, diese Rechnung hat Dirk Hucko längst aufgemacht. „Wenn man den Pflegekräften die Verwaltungsarbeit erleichtern würde, die jetzt 50 Prozent der gesamten Arbeit einnimmt, dann könnte man viel Geld sparen.” Geld, das dringend gebraucht wird. Denn im Jahre 2050 werden laut Prognose bis zu 4,7 Millionen Menschen pflegebedürftig sein. Dann wäre jeder 15. Deutsche, so das Statistische Bundesamt, ein Pflegefall.