Linnich: Eine Radtour über 6300 Kilometer, vier Zeitzonen und elf Bundesstaaten

Linnich: Eine Radtour über 6300 Kilometer, vier Zeitzonen und elf Bundesstaaten

Er wollte schon immer einmal die unendlichen Weiten Amerikas sehen und seit frühester Jugend faszinierte ihn dieser Kontinent. Mit der Vollendung seines 60. Lebensjahres erfüllte Willi Etzel sich selbst diesen Traum und das auf recht spektakuläre Weise.

Mit dem Fahrrad durchquerte er den Kontinent von Ost nach West und legte dabei insgesamt 6300 Kilometer zurück.

Am 18. April brach der Linnicher Glasmalermeister von Frankfurt aus auf in Richtung Washington DC, am 16. Juni kam er wohlbehalten in San Francisco an, fuhr als Zugabe noch einige 100 Kilometer am Highway 1 entlang der Pazifikküste, traf sich dort mit seiner Frau und am 6. Juli waren die Eheleute zurück in Linnich.

Doch der Reihe nach. Nachdem die Idee in seinem Kopf, Amerika mit dem Rad zu durchqueren, immer mehr Gestalt annahm, sein Arbeitgeber und auch seine Ehefrau zugestimmt hatten, machte er sich an die detaillierte Planung. Hervoragende Literatur fand sich im Internet und sehr gutes Kartenmaterial gab es von der Adventure Cycling Association, dem amerikanischen Fahrrad-Club.

Im Gegensatz zu den meisten Radfahrern, entschloss Etzel sich, von Ost nach West zu radeln. Dies bedeutete zwar, mit ständigen Gegenwind zu kämpfen, dafür aber hatte er sich den schöneren Teil der Tour durch die Rocky Montains und die Nationalparks bis zum Schluss aufgehoben.

Mit maßgeschneidertem Zweirad

So reiste er mit seinem Trecking Rad, das eine Aachener Firma für ihn maßgeschneidert hatte und das ihn kein Mal im Stich ließ, zunächst nach Washington, von dort ging es mit dem Flugzeug weiter nach Norfolk. Hier schwang er sich aufs Rad und fuhr zunächst an den Atlantik nach Virginia Beach, dem eigentlichen Startpunkt seiner Tour.

Auf der Trans Amerika Route ging es meist über ruhige Nebenstraßen durch kleine Städte zunächst die Appalachen hoch, was den Tourstart natürlich deutlich erschwerte. In Pueblo wechselte er von der Trans America auf die Western Express Route. Er durchquerte elf Bundesstaaten, passierte vier Zeitzonen und bewältigte einige tausend Höhenmeter.

Übernachtet hat Willi Etzel meist in kleinen Fahrradherbergen, auf Campingplätzen oder auch in Kirchen und Feuerwehrwachen oder in den Cityparks. In seinen Karten des ACA fand er diese Übernachtungshinweise, die oft nur für Biker geöffnet sind und in denen er stets herzlich aufgenommen wurde.

„Für Radfahrer ist es dort einfach traumhaft“, bestätigt er und neben der fantastischen Landschaft ist ihm vor allem die Freundlichkeit und Herzlichkeit der Menschen in Erinnerung geblieben. „Mit den Übernachtungen war es vollkommen unkompliziert, Duschmöglichkeiten gab es überall und oft gab es auch eine Essenseinladung dazu.

Nie bin ich in eine brenzlige Situation geraten“, blickt er zurück. Die Hölle sei die Strecke durch die Wüste Nevada gewesen. Hitze und Staub setzten ihm zu, doch die Städte, die er passierte, hätten ebenso gut aus einem alten Western stammen können. Schnee und Kälte erlebte er auch auf seiner Tour und das ausgerechnet gegen Ende auf einem Pass in den Rocky Mountains in Kalifornien.

Natürlich sind Willi Etzel auch die Nationalparks in wunderbarere Erinnerung geblieben, doch unvergleichlich, so sagt er auch, war die Ankunft in San Francisco an der Golden Gate Bridge. Trotz der Strapazen — jeden Tag legte er zwischen 90 und 170 Kilometer zurück und das mit 30 kg Gepäck — würde er die Tour sofort wiederholen. So plant er schon seinen Renteneinstieg. Dann möchte er an der Westküste den Highway One entlang über San Francisco, Los Angeles bis San Diego radeln, Las Vegas und Colorado inklusive.