: Eine kuschelige Märchenstunde

Lesung mit Therapiehunden : Eine kuschelige Märchenstunde

Es sind die vor Freude strahlenden Kinderaugen, wenn sie die Hunde sehen, sie streicheln und lieb haben dürfen, die diesen Nachmittag ausmachen.

Im Rahmen des Sommer-Lese-Clubs der Stadtbücherei Jülich fanden die ganzen Sommerferien über jeden Mittwochnachmittag Leseveranstaltungen statt. „Da war für jede Altersklasse was dabei“, erzählt die Leiterin der Bücherei Birgit Kasberg stolz. Am vergangenen Mittwoch endete der Lese-Club mit einem ganz besonderen Highlight: ein Lesenachmittag mit Therapiehunden für Kinder. Seit ungefähr sieben Jahren findet diese Besonderheit einmal jährlich in der Bücherei statt. Die stellvertretende Leiterin Yvonne Schroiff ist begeistert von diesen Stunden: „Es ist eine ganz besondere Atmosphäre, zu sehen wie die Kinder mit den Hunden interagieren.“

Und tatsächlich, die Kinder sitzen schon alle versammelt im Kreis, die meisten noch an Mama gekuschelt, als die Hunde den Raum betreten. „Das sind extra ausgebildete Therapie-Hunde, auf Kinder abgestimmt“, erklärt Kasberg. Kaum sind die Vierbeiner da, springen die ersten Kinder schon begeistert auf. Jeder will mal streicheln, jeder will die Tiere mal knuddeln. „Die Tiere bauen Ängste ab“, bestätigt auch Schroiff. Schnell haben alle der kleinen Besucher einen Lieblings-Kuschelgefährten gefunden und setzen sich wieder.

Die Lesestunde beginnt: Die Autorin ist die 15-jährige Jülicherin Michelle Dahmen. Das junge Talent geht zurzeit in die zehnte Klasse des Gymnasium Zitadelle und hat die vergangenen Sommerferien viel zum Schreiben genutzt. Eines ihrer Großprojekte, an denen sie gerade arbeitet, ist sogar ihr erstes eigenes Buch. „Das wird aber noch einige Zeit dauern“, erzählt Michelle. Es ist ihre aller erste Lesung und dementsprechend nervös ist sie beim Betreten der Bühne. Als sie aber zu lesen beginnt, scheint es so, als würden die Hunde und die aufmerksamen, gespannten Kinder auch ihr schnell die Angst nehmen.

Dahmen liest eine ihrer Kurzgeschichten. Dabei geht es, passend zum Thema, um eine Wölfin und um wahre Freundschaft. Die Wölfin wird verletzt von einem Jungen aufgefunden und aufgepäppelt. Nachdem er sie nach ihrer Genesung aber wieder frei lässt, merken die beiden schnell, dass sie ohneeinander nicht mehr können. Beim spannenden Höhepunkt der Geschichte rettet die Wölfin ihrem Freund das Leben und die beiden sind wieder vereint.

„Doch die Wölfin kehrte immer wieder zurück“, beendet Michelle Dahmen ihre Geschichte. Nicht nur die Kinder sind begeistert, auch deren Eltern loben die junge Autorin für ihre Wortgewandtheit und Kreativität. Im Anschluss an die Lesung wollen sich die Kleinen aber noch gar nicht von ihren neu gewonnen und kuscheligen Freunden trennen. Das müssen sie auch nicht, es darf noch gespielt werden.

Die Kinder, die in der Stadtbibliothek zu Gast waren, freuten sich über den Besuch der Therapiehunde. Foto: Alena Kohler

„Das ist auch eine Gelegenheit, mal einen Nachmittag zu sehen, wie man mit so einem Tier umgeht“, erklärt die Leiterin. Sowohl Mensch als auch Tier fühlen sich gemeinsam wohl und glücklich in der Bibliothek. „Das ist für mich moderne Bibliothek, so können wir den Kindern das Lesen wieder näher bringen“, sagt Kasberg begeistert und beobachtet dabei, wie ein Dackel mit einem kleinen Mädchen hinter dem Bücherregal verschwindet.

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