Siersdorf: Eine barocke Zierpflanze blüht an der Kommende

Siersdorf: Eine barocke Zierpflanze blüht an der Kommende

Wohl schon seit Jahrhunderten wächst der „Nickende Milchstern”, ein Frühjahrsblüher, in Sichtweite der Siersdorfer Ordenskommende. Kaum wahrgenommen und lange Zeit unter wucherndem Strauchgewächs verborgen, ist die exotische Rarität mit dem lateinischen Namen Ornithogalum nutans in diesem Frühjahr durch breitflächige Rodung wieder ins Blickfeld gerückt.

Ursprünglich ist das Zwiebelgewächs am östlichen Mittelmeer in Zentralasien und im Orient beheimatet. Sein Stammbaum reicht in Deutschland bis ins 16. Jahrhundert zurück. Mit großer Wahrscheinlichkeit wurde die Rarität von den damaligen Ordensrittern aus fernen Landen mitgebracht und als Zierpflanze im weitläufigen Gartenbereich der Kommende angepflanzt. Es ist erstaunlich, dass sich der zur Familie der Spargelgewächse und zur Unterfamilie der Hyazinthengewächse gehörende Milchstern bis heute immer wieder den Veränderungen der Landschaftsgestaltung anpassen konnte. Vielleicht handelt es sich beim derzeitigen Standplatz zwischen der K 12 und dem alten Bahndamm um einen Bereich, wo sich früher eine Gartenanlage des Renaissance-Ensembles mit Herrenhaus und Gutshof befunden hat.

Im Barockzeitalter gelangte der Frühjahrblüher vielerorts als Zierde für Schloss- und Klostergärten nach Deutschland. Deshalb kann der Milchstern auch heute noch hier und da im Umfeld dieser Anlagen auftreten. Er ist aber in Deutschland nur noch sehr selten anzutreffen.

Geophyt

Die Zwiebelpflanze erreicht Wuchshöhen zwischen zehn und 50 Zentimetern. Als Geophyt bildet sie Zwiebeln mit vielen Brutzwiebeln aus. Die rosettenartigen Laubblätter sind parallelnervig. Im späten Winter beginnt der Milchstern mit dem Anwuchs und blüht zwischen April und Anfang Mai. Am blattlosen Stängel steht der traubige Blütenstand mit meist fünf bis zwölf Blüten. Die nickenden Blüten sind dreizählig und zwittrig. Auf den glockenförmigen, weißen Blüten bilden sich grüne Streifen. Nach der Blüte vertrocknen die Blätter der Zierpflanze und die Knolle überdauert die trockenen Sommermonate unter der Erde.

Durch eine über Jahre andauernde Abgrenzung - auch von Naturfreunden - konnte der Nickende Milchstern sich an seinem Standort in Siersdorf behaupten und hat auch alle Ausbauten in dem Gebiet mit Straßenbau und Fließverlegung gut überstanden. Es ist eine schützenswerte, seltene Wildpflanze, die sich im Schatten der mächtigen Eichen erhalten hat. In Deutschland ist der Nickende Milchstern als seltene Pflanzenart unter Naturschutz gestellt, deren Erhalt auch in Nähe der Kommende eine vordringliche Angelegenheit bleiben sollte.

Und er kann auch von touristischem Interesse sein. Alljährlich lockt der Nickende Milchstern zur Blüte in der Osterzeit viele Besucher in den Schlosspark Paretz in Brandenburg. Schloss und Dorf Paretz wurden von 1797 bis 1804 als Sommerresidenz für den Kronprinzen und späteren König Friedrich Wilhelm III. und seine Gemahlin Luise, die als eine Lichtgestalt der preußischen Geschichte gilt, errichtet.

Mehr von Aachener Zeitung