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Mersch/Pattern: Ein paar Minuten Glück und Segen in den eigenen vier Wänden

Mersch/Pattern : Ein paar Minuten Glück und Segen in den eigenen vier Wänden

Die Augen der 89-jährigen Therese Havertz aus Pattern leuchten. Diakon Arnold Hecker ist mit einer Abordnung des Kirchenchores ins Haus gekommen, um mit ihr altbekannte Weihnachtslieder zu singen und sie persönlich zu segnen. Die an Parkinson Erkrankte kann nicht mehr laufen und wird von ihrer Tochter gepflegt, da ist der Weg zur Kirche nach Mersch meist zu weit.

Diakon Hecker kommt monatlich zur Kommunionspendung ins Haus. „Er macht das sehr schön und nimmt sich auch etwas Zeit”, betont die alte Dame. Auch jetzt handelt es sich keinesfalls um eine schnelle Handauflegung.

Die Kerzen am Weihnachtsbaum brennen, gemeinsam werden alle Strophen von „O Tannenbaum” und „Stille Nacht” gesungen. „Die Weihnachtszeit ist eine gnadenreiche, gesegnete Zeit, die mit dem 25. Dezember beginnt und mit den Heiligen Drei Königen endet”, beginnt Hecker seine kleine Meditation.

„Ein kleines, unscheinbares Kind namens Jesus hat Licht in unser Dunkel gebracht. Wir sind beschenkte Menschen, die manchmal nicht mehr erahnen, welches Geschenk ihnen zuteil wurde”, fährt er fort. „Dann dürfen wir fröhlich im Herzen werden”, leitet er über zum Weihnachtslied „Oh du fröhliche”.

Der Diakon legt Therese Havertz die Hände auf und spricht den Weihnachtssegen: „Gott nehme dir Sorgen und Angst und schenke dir Hoffnung. Gott bleibe bei dir mit dem Licht der Heiligen Nacht, wenn dunkle Tage kommen”, heißt es da unter anderem. Natürlich nimmt sich die kleine Gemeinschaft Zeit für ein letztes Lied: „Engel auf den Feldern singen”. „Schön”, bringt die alte Dame ihren Dank zum Ausdruck.

Bis zum Wiedersehen dauert es nicht mehr lange, bereits im Januar kommt Arnold Hecker wieder zur Kommunionspendung ins Haus. Etwa 40 Meter weiter klingelt der Diakon an der nächsten Türe, bei der fast 93-jährigen Margarete Kramer, die im Rollstuhl sitzt. Hier nimmt sich die Gruppe, die inzwischen um eine weitere Sängerin angewachsen ist, genauso viel Zeit. Auch die Freude dieser Seniorin ist riesengroß.

Ihre Lippen bewegen sich zum gemeinsamen Gesang, mit gefalteten Händen lässt sie sich segnen. Aus lauter Dankbarkeit drückt sie dem Diakon einen Geldschein in die Hände. Er nimmt ihn an, mit dem Versprechen, den Betrag in sein neues Projekt zugunsten HIV-infizierter Mütter fließen zu lassen.

Weiter geht es, insgesamt haben 18 Familien in Arnold Heckers Einsatzbereich Güsten/Welldorf und Mersch/Pattern Interesse bekundet. Bei der Premiere im vergangenen Jahr waren es nur halb so viele. Dabei handelt es sich um Menschen, „die außerhalb unserer Gemeinde leben, in ganz unterschiedlichen Lebenssituationen. Jeder, der sich meldet, wird berücksichtigt”, betont Hecker die Tatsache, dass nicht nur Gebrechliche bei Hauskommunion und Weihnachtssegen besucht werden.

Der Diakon fühlt sich als „Beschenkter”, der weiter schenken möchte. Auch die Chorsängerinnen sehen die Freude der besuchten Familien und singen so aus ganzem Herzen weiter.