Jülich: Ein ordentlicher Landregen würde jetzt die Rübenanbauer begeistern

Jülich: Ein ordentlicher Landregen würde jetzt die Rübenanbauer begeistern

„Ich habe noch nie den Start der Kampagne bei 30 Grad erlebt“, sagt Heinz Leipertz und sieht dabei nicht unbedingt glücklich aus. Der Leiter der Landwirtschaft für das Rheinland bei Pfeifer & Langen hat an diesem Vormittag alle Hände voll zu tun, um das reibungslose Hochfahren der Rübenverarbeitung in der Jülicher Zuckerfabrik zu gewährleisten, wo die Anfuhr der Feldfrüchte noch zögerlich verläuft.

Dieser Start „mit gebremstem Schaum“ ist auch gewollt, um das gelieferte Rübenangebot und dessen Weiterverarbeitung im Gleichgewicht zu halten.

Gewöhnungsbedürftig sind nicht allein die Außentemperaturen, sondern auch der Zuckergehalt, den die Knollen aufweisen. „Nach den ersten 36 Fahrzeugen haben wir im Schnitt 17,7 Prozent“, staunt Leipertz über die aktuellen Werte, die das Rübenlabor ermittelt hat, das von jeder gelieferten Fuhre eine Probe nimmt.

Dass die Sonne die Zuckerproduktion in den Pflanzen kräftig angekurbelt hat, ist eine positive Seite der jüngsten Witterungsphase. Dazu kommt, dass die Rüben meist sehr sauber sind, da die trockene Erde beim Verladen fast vollständig abgeschüttelt wird.

Feintuning der Erntemaschinen

So waren Leipertz und seine Kollegen aus der landwirtschaftlichen Abteilung in den jüngsten Tagen unterwegs, um mit interessierten Landwirten das Feintuning der Erntemaschinen unter trockenen Bedingungen vorzunehmen. Sie sollten beim Roden der knochentrockenen Äcker meist etwas langsamer laufen, um die Feldfrüchte nicht zu beschädigen. Diese schwierigen Bedingungen haben nicht zuletzt dazu geführt, dass für das Euskirchener Werk von Pfeifer & Langen der Start der Kampagne kurzfristig um eine Woche nach hinten verschoben worden ist.

Dabei schielt nicht nur Leipertz momentan auf ein größeres Tiefdruckgebiet, das laut Prognose am Freitag hiesige Breiten erreichen, für Abkühlung sorgen und vor allem den ersehnten Regen bringen soll.

„Ich wünsche mir eine ausreichende Menge Regen, denn das würde die Arbeit im Feld vereinfachen“, hat der Leiter Landwirtschaft hier schon sehr konkrete Vorstellungen. Das würde den aktuell hohen Zuckergehalt zwar zunächst verwässern, doch die Entwicklungsbedingungen der Pflanzen verbessern und das Roden der Äcker erheblich erleichtern.

Bei den jüngsten Proberodungen ist festgestellt worden, dass die Rüben auf der Suche nach Wasser ihre Wuzeln sehr tief ins Erdreich vorgetrieben haben. Zudem welkt das Blattwerk, um bei hoher Sonneneinstrahlung die Verdunstungsfläche zu verringern. Auch hat die Hitze den Rosinen-Effekt gefördert, bei dem die Pflanze einzutrocknen beginnen und eine gummiartige Konsistenz erhalten.

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