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Hilfe für die Schwachen: Ein minimales Angebot für Wohnungslose und Arme

Hilfe für die Schwachen : Ein minimales Angebot für Wohnungslose und Arme

Weil in der Corona-Krise die Schwächsten der Gesellschaft besonders leiden, hat das Café Gemeinsam in Jülich ein Minimal-Angebot aufrecht erhalten. Es wendet sich an Wohnungslose und Menschen mit wenig Geld.

Die Coronavirus-Krise ist eine schwierige Zeit für alle Menschen. Für manche aber besonders. Für die Schwächsten in unserer Gesellschaft bleibt noch weniger Aufmerksamkeit als sonst. Deshalb hat das Café Gemeinsam, ein Kooperationsprojekt des Christlichen Sozialwerks Jülich, der Pfarrei Heilig Geist, der Evangelischen Kirchengemeinde Jülich, des Diakonischen Werkes Jülich und In Via Düren-Jülich, mit Standort an der Stiftsherrenstraße in Jülich, trotz Schließung wegen Corona beschlossen, zumindest ein minimales Angebot für Wohnungslose und Menschen mit geringem Einkommen aufrecht zu erhalten.

An drei Tagen in der Woche öffnet das Café für jeweils eine Stunde, damit sich Bedürftige dort duschen oder ihre Wäsche waschen können. Wenn aber die Wäsche nicht nach einer Stunde fertig ist, kann man sie selbstverständlich nach Absprache abholen. Je nach Vorrat halten die Mitarbeiter dort auch Duschzeug und Wechselkleidung vor.

Den Dienst versehen dort abwechselnd die Café-Mitarbeiterin Emily Willkomm-Laufs sowie Gemeindereferent Ralf Cober und Pastoralassistentin Linda Schmidt-Thees. „Der Austausch miteinander, gemeinsam eine Tasse Kaffee trinken – das geht nicht“, betont Ralf Cober.

Und genau das ist es, was in „Nicht-Corona-Zeiten“ von den Menschen, die das Café Gemeinsam besuchen, sehr gut angenommen wird, erzählt Emily Willkomm-Laufs. Sie hat einige ihrer Besucher zufällig in der Stadt gesehen und beobachtet, dass sich deren Probleme durch die Isolation zu verstärken scheinen.

„Hier haben sie ein bisschen Gemeinschaft gefunden. Die meisten haben eben keinen sicheren Hafen, in den sie zurückkehren können. Da fehlen Halt und Sicherheit.“ Sie macht sich besonders Sorgen um Frauen, die akut bedroht sind und nun nicht einmal mehr ins Café kommen können, wo sie zumindest einen ersten Ansprechpartner finden würden.

Willkomm-Laufs sieht das Café Gemeinsam als eine „Art Litfasssäule“, eine erste Anlaufstelle in zentraler Lage für Menschen in unterschiedlichen Notlagen. Außerdem dient die Einrichtung für Wohnungslose auch als Postanschrift. Um Wohnungslose kümmern sich natürlich auch Ordnungsamt und Sozialamt der Stadt Jülich. Im Stadtgebiet gibt es ungefähr 20 Personen, die aus eigener Kraft keine Wohnung finden können, und daher von der Kommune untergebracht worden sind.

Darüber hinaus gibt es die Notunterkunft an der Feuerwehrwache, in der momentan etwa vier Personen übernachten. „Dort besteht selbstverständlich auch eine Duschgelegenheit“, erläutert Florian Hallensleben, stellvertretender Leiter des Ordnungsamtes Jülich. Allerdings könne vor Ort keine Wäsche gewaschen werden.

Die Stadt kooperiert zudem auch außerhalb der Corona-Krise mit dem Café Gemeinsam, so dass die Notunterkunft zum Beispiel zu den Öffnungszeiten des Cafés schließen kann, um Reinigungsarbeiten vorzunehmen. Es ist längst nicht mehr so, dass die Wohnungslosen dort nur übernachten dürfen und über Tag die Räume verlassen müssen.

„Da hat sich die Rechtsprechung in den vergangenen Jahren stark geändert“, so Hallensleben. Die Stadt muss einen Raum anbieten, der ganztägig vor Wind und Wetter schützt. Die Obdachlosen bekommen in der aktuellen Krisensituation in der Unterkunft auch ein Mittagessen, wie Dezernentin Doris Vogel erklärt. Dies werde über Spenden finanziert. „Einen Gabenzaun“ gibt es daher in Jülich nicht.

Ein solcher würde womöglich auch falsche Anreize setzen und Obdachlose aus umliegenden Kommunen anziehen. „Durchreisende“ Obdachlose gebe es in den vergangenen Jahren grundsätzlich nur noch vereinzelt, so Florian Hallensleben.

Dennoch gebe es durchaus Personen, welche die Unterbrinungsangebote der Stadt nicht annehmen möchten, meist weil diese Menschen nicht auf ihre Haustiere verzichten möchten. In Gemeinschaftsunterkünften wie an der Feuerwache sind Tiere nämlich nicht erlaubt. Über die genaue Anzahl dieser Personen haben die städtischen Behörden daher keinen Überblick.