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Jülich: Ein Leuchtturm weist Weg ins Solarzeitalter

Jülich : Ein Leuchtturm weist Weg ins Solarzeitalter

Dass die Sonne Jülich scheinen möge, ist ein frommer Wunsch im übertragenen Sinne.

Wenn das, was jetzt Prof. Bernhard Hoffschmidt im Haupt- und Finanzausschuss vorgestellt hat, realisiert wird, dann lässt Sonnenschein in der Herzogstadt einen technologischen „Leuchtturm” (er-)strahlen, der von internationaler Bedeutung sein dürfte.

Es geht um den möglichen Bau eines „solarthermischen Demonstrationskraftwerkes nach dem Solarturmprinzip”. Gemeint ist damit ein rund 40 Meter hoher Turm, an dessen Spitze ein so genannter Receiver (Empfänger) angebracht ist.

Dieser wird von rund herum auf dem Boden installierten Reflektoren angestrahlt, welche die von ihnen aufgefangenen Sonnenstrahlen punktgenau bündeln, so dass gut 700 Grad Hitze entstehen. Diese Energie wird laut Hoffschmidt mit herkömmlicher Kraftwerkstechnik zur Dampf- und damit Energieerzeugung eingesetzt.

Der Aufsichtsrat der Stadtwerke Jülich hat bereits beschlossen, dieses Projekt zu unterstützen. Vorausgegangen waren intensive Gespräche zwischen Bürgermeister Stommel, der zugleich Aufsichtsratschef der Stadtwerke GmbH ist, dem städtischen Unternehmen und dem Solarinstitut Jülich der FH-Abteilung Jülich.

Technologie entwickelt

Dessen Leiter ist seit September letzten Jahres Prof. Hoffschmidt, der zuvor im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) maßgeblich an der Entwicklung der Technologie beteiligt war.

„Triebfeder”, ein Demonstrationskraftwerk in Jülich zu errichten, ist die Änderung des „Erneuerbare Energien Gesetzes” (EEG), das die Vergütung für Strom aus erneuerbaren Energiequellen regelt. Stommel und Hoffschmidt glauben an die Zukunftsfähigkeit und verweisen auf eine Einschätzung der Internationalen Energieagentur (IEA). Demnach seien solarthermische Kraftwerke die kostengünstigste Option, im Megawatt-Maßstab in großen Anlagen Strom aus direkter Sonneneinstrahlung zu gewinnen.

Auch dem Solar-Fachmann Hoffschmidt ist natürlich klar, dass große Anlagen in sonnenreichen Gegenden wie Spanien liegen sollten, wie derzeit auch geplant wird.

Eine entsprechende Anlage in Deutschland würde wegen der geringeren Sonneneinstrahlung nur maximal die Hälfte der „Stromernte” einfahren. Eine Demonstrationsanlage jedoch, wie sie in Jülich geplant sei, habe andere Vorteile.

Es gelte, den technologischen Vorsprung deutscher Unternehmen zu wahren.

Dies könne nur durch eine konsequente Weiterentwicklung gesichert werden. Die Entwicklung und Erprobung eines vollautomatischen Betriebs solcher Anlagen lasse sich im eigenen Land häufig einfacher und kostengünstiger realisieren.

„Macht absolut Sinn”

„Die Region ist Energiestandort Nummer 1 in NRW”, verwies Hoffschmidt auf das Forschungszentrum und das FH-Solarinstitut. Ein Demonstrationskraftwerk in Jülich mache absolut Sinn.

Derzeit erstelle sein Institut, das DLR und die Firma Kraftanlagen München eine Machbarkeitsstudie, die bis September Aufschluss über eine 1 bis 1,2 MW-Anlage bringen werde und auch die Kostenfrage kläre. Er schätze die Investitionskosten auf rund zehn Millionen Euro.

Die notwendige Förderung belaufe sich auf rund fünf Millionen Euro. „Wir brauchen Ihre Unterstützung im Hintergrund”, appellierte der FH-Dozent an die Mitglieder des Hauptausschusses. Ziel sei, im Herbst einen „Brief gemeinsamen Interesses” aller Beteiligten zu formulieren. Vision sei, im Jahre 2006 den ersten Strom zu produzieren.

Konkurrenz gebe es in und aus Bayern. Klar müsse sein, dass letztlich mit dem Demo-Kraftwerk „nicht viel Geld zu verdienen” sei.

Standort am Park?

Matthias Hoven (JÜL-Fraktion) schlug als Standort ein Gelände nahe Brückenkopf-Park und Autobahn vor. Aber so schnell schießen die Preußen nun auch wieder nicht. Der Ausschuss beschloss zunächst, sich der Empfehlung des Aufsichtsrates der Stadtwerke anzuschließen.