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Drohende Zahlungsunfähigkeit: Ein deutlicher Hilferuf der Mitarbeiter des Jülicher Krankenhauses

Drohende Zahlungsunfähigkeit : Ein deutlicher Hilferuf der Mitarbeiter des Jülicher Krankenhauses

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Jülicher Krankenhauses kämpfen um ihre Arbeitsplätze und richten einen deutlichen Appell an die Jülicher Bürger.

Dass sich Mitarbeiter eines Unternehmens gezielt an die Öffentlichkeit wenden und um Unterstützung bitten, kommt eher selten vor. Anke Quandt macht genau das. Sie ist Vorsitzende der Mitarbeitervertretung am St. Elisabeth-Krankenhaus Jülich und richtet einen deutlichen Appell an die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Jülich: „Wir benötigen Ihre Unterstützung“ sagt Quandt.

Auslöser für das Schreiben ist die drohende Zahlungsunfähigkeit der Katholischen Nordkreis-Kliniken an den Standorten in Jülich und Linnich. Die hatte Anfang November dazu geführt, dass der Träger der beiden Häuser, die Josefs-Gesellschaft aus Köln, vor dem Aachener Amtsgericht aufgrund der finanziellen Schieflage ein Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung beantragt hatte. Damit sollte die Chance „einer nachhaltigen Sanierung im Interesse der Patienten, Mitarbeiter und Gläubiger“ genutzt werden. Dazu wurden der Geschäftsführung vom Amtsgericht sogenannte Sachwalter zur Seite gestellt, die den Sanierungsprozess begleiten sollen.

„‚Unser Krankenhaus wurde 1891 gegründet und hat schon viele Stürme erlebt, zwei Weltkriege überstanden und wie die Schutzpatronin, die Heilige Elisabeth von Thüringen, widmen wir uns noch heute der Versorgung der Kranken. Können Sie sich die Stadt Jülich ohne Krankenhaus vorstellen? Wir nicht!“, sagt Anke Quandt, die daran erinnert, dass das Krankenhaus seit der Gründung schon von vielen Trägern geleitet worden ist – von der Stadt Jülich über die Caritas, hin zu den Maltesern, der Caritas-Trägergesellschaft West und zuletzt eben der Josefs-Gesellschaft.

„Alle haben auf ihre Weise versucht, das Krankenhaus kostendeckend zu betreiben. Die wechselnden Gesundheitsreformen und politisch gewollten Veränderungen im Krankenhaussektor machen kleinen Krankenhäusern ein Überleben sehr schwer“, betont die Vorsitzende der Jülicher Mitarbeitervertretung. „Dennoch sind wir davon überzeugt, dass es gut weitergehen wird. Für diesen Sanierungsprozess benötigen wir nicht nur unsere derzeitige professionelle Geschäftsführung und eine erfahrene Rechtsanwaltskanzlei als Generalinsolvenzverwalter. Wir benötigen vor allem die Unterstützung aus der Bevölkerung! Kommen Sie mit Ihren Erkrankungen und zu Operationen in unser Krankenhaus! Vertrauen Sie auf unsere Fürsorge, fachliche Kompetenz und langjährige Erfahrung!“, bitten die Mitarbeiter der Einrichtung um die Unterstützung durch die Bürgerschaft.

Das nicht ohne Grund. Schon bei Bekanntwerden der drohenden Zahlungsunfähigkeit hatte die Josefs-Gesellschaft zwar einerseits darauf hingewiesen, dass die Versorgung der Patienten auch weiterhin uneingeschränkt gewährleistet sei, aber auch deutlich gemacht, dass beide Krankenhäuser „über keine ausreichende Auslastung verfügen“ würden, „eine mittel- und langfristige ausreichende Auslastung mit Patienten aber zwingend erforderlich“ sei, „um wirtschaftlich erfolgreich im Markt agieren zu können.“

Gerade eine Stadt wie Jülich, die sich zum Ziel gesetzt habe, von 33.000 auf 40.000 Bürger zu wachsen, benötige ein funktionierendes Krankenhaus, ist die Mitarbeitervertretung überzeugt. „Wir sind schon jetzt für die Zukunft sehr gut aufgestellt und davon überzeugt, mit einem neuen, überwiegend ambulanten Konzept die Weichen für viele Jahre St. Elisabeth Krankenhaus Jülich zu stellen“, betont Quandt und verweist unter anderem auf die enge Kooperation mit dem Klinikum der RWTH Aachen oder dem St. Antonius-Hospital in Eschweiler. Quandt: „In Jülich bieten wir eine komplette Abteilung für Geriatrie und verfügen über viele Fachärzte, auch für Gastroenterologie und Kardiologie.“

Bemerkenswert in dem Zusammenhang: Die Mitarbeitervertretung bedankt sich explizit bei den niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten „für die anhaltend gute Zusammenarbeit“. Das kann man vielleicht auch als kleine Spitze gegen die Josef-Gesellschaft deuten, die zuletzt nicht nur die Verträge mit eben diesen niedergelassenen Ärzten auf den Prüfstand gestellt hatte, sondern dem Nieren-Zentrum aus „wirtschaftlichen Gründen“ gar die Kündigung geschickt hatte.

Dabei, so Quandt, würden eben auch die niedergelassenen Ärzte für eine Zuweisung von Patienten sorgen. Ihr eindeutiger Appell an die Jülicher Bürgerinnen und Bürger: „Rütteln Sie alle wach, die noch nichts von unserer Situation wissen. Helfen Sie mit, dass wir in unserem Krankenhaus weiterhin für Sie da sein dürfen und dem Auftrag unserer Schutzpatronin weiter folgen können. Wir sind und bleiben hier.“