Jülich: Ein Denkmal für ein Jülicher Urgestein

Jülich: Ein Denkmal für ein Jülicher Urgestein

Ein mehrfach geäußerter Satz am Mittwochmorgen hatte auffallende Ähnlichkeiten mit einem Schlager, den fast jeder mitträllern kann: „Ein Haus, das seinen Namen trägt“. Dieses Gebäude befindet sich in der Münstereifeler Straße 10 und ist nun auch offiziell benannt nach dem Jülicher Urgestein Joseph Krott.

Die Besonderheit ist, dass der Namenspatron das bei bester Gesundheit miterlebt. „Normalerweise erfolgt das posthum“, sagte Franz-Arnold Jansen bei der Einweihung und Einsegnung dieses Senioren-Wohn-Projektes der Wohnungsbaugenossenschaft (Woge/früher Bauverein) Jülich im Heckfeld. Jansen ist der Aufsichtsratsvorsitzende.

Joseph Krott war nämlich in Stadt und Kreis über Jahrzehnte nicht nur kommunalpolitisch aktiv, unter anderem als stellvertretender Bürgermeister und Vize-Landrat. 31 Jahre wirkte er als „Mister Bauverein“ in den Führungsgremien der gemeinnützigen Lobby, deren Ziel es war und ist, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen und zu erhalten. Dabei hat Krott laut Jansen „Maßstäbe gesetzt“. Als früherer Eisenbahner und vor allem Fußballfan — 60 Jahre gehört der Geehrte dem SC Jülich 1910 an — war „Krotte Jupp“, wie er oft genannt wird, ein Teamspieler. Wie bei Vorbild Sepp Herberger sei es eine seiner größten Stärken, Talente zu erkennen und funktionierende Mannschaften zusammenzustellen.

Das sei noch heute sichtbar, denn an der Spitze der Woge stehe Geschäftsführer Reinhard Steiner, den Krott 1993 nach Jülich geholt hat — laut Jansen „eine goldrichtige Entscheidung“. Mit Beharrlichkeit, Intelligenz, Schitzohrigkeit und Konfliktfreudigkeit habe Joseph Krott viele Ziele angepeilt und erreicht. Jansen weiter: „Trotz aller Erfolge sind Sie bescheiden geblieben. Jülich hat nicht viele, die aus diesem Holz geschnitzt sind. Deshalb wollen wir mit diesem Haus Ihre Verdienste für immer würdigen.“ Die Woge möchte dem Jülicher Urgestein ein „Denkmal setzen“.

Das Haus mit 14 Einheiten und fast 1000 Quadratmetern Wohnfläche wurde vom Stuttgarter Architekten Jörg Aldinger konzipiert und hiesigen Firmen in recht kurzer Zeit gebaut. 2011 wollte die Woge eigentlich schon loslegen, wurde aber einige Zeit ausgebremst, weil der Iktebach durch das Grundstück fließt. Mit Stadtverwaltung und Experten musste eine Lösung gesucht werden, die am Ende in der Verlegung des Bachlaufs bestand. Alle Wohnungen sind behindertengerecht und vermietet. Viele Mieter wohnten der Einweihung und Einsegnung durch Pfarrer Konny Keutmann (katholische Kirche) und Ursula Otto (evangelische Gemeinde) bei.

Mit dem Joseph-Krott-Haus hat die Woge ihre dritte Seniorenresidenz mit einem Namen versehen — nach Albert Eduard Schroeder und Leo Martiné. Der Gewürdigte empfindet das als große Ehre, wenngleich Krott (80) betonte, dass die Arbeit nur erfolgreich gewesen sei, weil „wir als Team gemeinsam die positive Entwicklung unserer Genossenschaft im Auge hatten“. „So steht mein Name stellvertretend für die vielen Kolleginnen und Kollegen von Aufsichtsrat und Vorstand, mit denen ich 31 Jahren zusammengearbeitet habe.“

Der Jülicher Bürgermeister Heinrich Stommel würdigte das Namenspatronat seines Freundes Joseph Krott für die Seniorenresidenz: „Das ist Ausdruck besonderer Wertschätzung. Du hast sie verdient.“ Kreisdirektor Georg Beyß gratulierte in Vertretung des Landrates.

Mehr von Aachener Zeitung