Jülich: Ein Bombenkrater von 100.000 Euro im Haushalt

Jülich: Ein Bombenkrater von 100.000 Euro im Haushalt

Die Evakuierung von rund 6500 Menschen im Nordviertel ist ziemlich gut gelaufen. Nach dem Fund der 20-Zentner-Luftmine in einem Garten in der Berliner Straße blieb bis zur Entschärfung am 11. April genügend Zeit, diesen Kraftakt zu planen und die Aufgabe letztlich durch großenPersonaleinsatz zu stemmen.

Einen ziemlich dicken Wermutstropfen gibt es dennoch: Die Stadt bleibt auf dem Großteil der Kosten sitzen. Das sind geschätzte 100.000 Euro, die dem Jülicher Haushalt und damit allen Einwohnern enorm weh tun.

Die Summe ist noch ungewiss und fällt theoretisch geringer, sehr viel wahrscheinlicher aber höher aus. Die Jülicher Verwaltung hat eine Faustformel benutzt: Sie geht von einem Verdienstausfall von 100 Euro pro Helfer aus. Bei 650 Angehörigen von Feuerwehr, DRK, Malteser Hilfsdienst und Technischem Hilfswerk macht das schon 65.000 Euro - plus Kosten für Benzin, Verpflegung und Material. Die Befürchtungen der Verwaltung gehen noch weiter: „Eventuelle Kosten für ,entgangenen Gewinn von Krankenhaus oder Geschäftsleuten” seien nicht berücksichtigt. Im Rathaus ist man für diesen Fall aber bereit, eine gerichtliche Klärung vornehmen zu lassen.

Der Jülicher Haupt- und Finanzausschuss billigte die per Dringlichkeitsentscheidung zur Verfügung gestellten Mittel natürlich, einige Mitglieder empfinden diese Kostenabwälzung allerdings als ungerecht. Helma Borowski (SPD) „Wir sollten diese Problematik an die Ministerpräsidentin herantragen.” Auch Heinz Frey (Jül) hieb in diese Kerbe: „Das ist so nicht in Ordnung.” Bürgermeister Heinrich Stommel kündigte indes an, dass die Stadt versuchen werde, beim Land NRW und beim Bund Gelder und Zuschüsse zu beschaffen. „Das ist eine Goodwill-Aktion”, erklärte der Verwaltungschef nach der Sitzung im Gespräch mit unserer Zeitung. Bedeutet: Juristisch stehen weder Düsseldorf noch Berlin in der Pflicht, moralisch nach dem „Gefühl” vieler Menschen schon. Die Stadt Jülich orientiert sich dabei am Beispiel Koblenz, das im Dezember 2011 eine viel größere Evakuierungsmaßnahme (45 000 Menschen) zu bewerkstelligen hatte. Eine Rückmeldung, ob sich die Initiative in klingender Münze bezahlt gemacht hat, gibt es noch nicht.

So lange muss Jülich sparen - und verzichtet fürs Erste zum Beispiel auf die Sanierung der Lüftung im Kulturhaus. Das sind schon einmal 70.000 Euro.

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