Jülich: Ein Behälter für Weihrauchkörner in Schiffform

Jülich: Ein Behälter für Weihrauchkörner in Schiffform

Im Westturm der Propsteikirche ist noch bis zum 10. September die Ausstellung „Alle um einen Tisch“ zu sehen, die Kirchenschätze aus der Jülicher Pfarrei Heilig Geist zeigt. Für jede der 16 in der Pfarrei zusammengeschlossenen Gemeinden wurde ein Objekt ausgewählt. In einer sechsteiligen Artikelreihe stellen die Kuratoren der Ausstellung in einige Objekte vor.

Heute folgt Teil 5: Die liturgische Verwendung von Weihrauch hat in der katholischen Kirche eine Tradition, die bis in die antiken Anfänge des Christentums zurückreichen. Das Verbrennen von Weihrauch bei kultischen Handlungen hatte schon damals eine lange Geschichte. Der Harz des Weihrauchbaums setzt beim Verbrennen einen starken Rauch und einen anregenden Geruch frei, der jedoch nicht von jedem vertragen wird.

Zum Verbrennen des Weihrauchs verwendet man ein Rauchfass. Auf glühende Kohle werden Weihrauchkörner gestreut und das durchlöcherte Fass geschwenkt, damit sich Rauch und Geruch gut verteilen. Zur Aufbewahrung der Weihrauchkörner nutzt man seit dem 12. Jahrhundert Behälter, die in Schiffform gearbeitet sind. Das gut 18 cm hohe Weihrauchschiffchen aus der Kirche St. Agatha in Mersch stammt vermutlich aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Das zugehörige Weihrauchfass hat sich nicht erhalten. Das auf den ersten Blick unscheinbare Metallgerät mit vergoldetem Knauf zeigt eine Besonderheit: Auf den Enden der beiden Deckel ist jeweils ein Gesichtsrelief eines bärtigen Mannes befestigt. Die beiden Köpfe erinnern an Darstellungen der Apostel Petrus und Paulus. Tatsächlich handelt es sich aber um die Wiedergabe eines Silens, wie man an dem typischen Efeukranz erkennt. Silene gehören als Satyrn zum Gefolge des griechischen Gottes Dionysos bzw. des römischen Gegenstücks Bacchus.

Diesen Bezug hatte der Goldschmied, der das Weihrauchschiffchen fertigte, sicher nicht im Sinn, als er die Gesichtsreliefs verwendete. Sie legen aber Zeugnis ab von der Vielschichtigkeit der abendländischen Kultur, die eben nicht nur einen christlichen Ursprung hat.